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Mittwoch, 15 Mai 2024 12:30

Niederlande: Abschlussbericht zur Doppelkollision Voorschoten - Kritik an Aufrechterhaltung des Betriebs bei Bauarbeiten

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Fotos Onderzoeksraad ProRail.

Heute, am 15.05.2024, wurde der Abschlussbericht über die Doppelkollision bei Voorschoten vom 4. Mai 2023 vorgelegt. Kurz gesagt, die Sicherheitskommission war nicht in der Lage, die unmittelbare Ursache des Zusammenstoßes auf dem Betriebsgleis zu ermitteln. Sie kritisiert, dass der Aufrechterhaltung des Betriebs während Bauarbeiten zuviel Aufmerksamkeit geschenkt wird.

Der Staatssekretär für Infrastruktur und Wasserwirtschaft setzt bei der Schieneninstandhaltung zu einseitig auf die Verfügbarkeit der Schiene für den Personen- und Güterverkehr. Das ist der falsche Anreiz, da Interessen wie sicheres Arbeiten, Begrenzung der Gefahren bei Nachtarbeit und Lernen aus Unfällen dadurch zu kurz kommen. Zu diesem Schluss kommt der niederländische Sicherheitsrat nach einer umfassenden Analyse des Zugunfalls im Bahnhof Voorschoten in der Nacht vom 3. auf den 4. April 2023.

Am frühen Morgen des Dienstag, 4. April 2023, um 3.23 Uhr, kollidierte ein Güterzug mit einem Zweiwegekran (kraan op lorries, KROL). Durch die Kollision mit dem Güterzug wurde der Kran auf das in Betrieb befindliche Nebengleis geschleudert. Kurze Zeit später wurde der Kran von einem Personenzug erfasst. Der Personenzug entgleiste und landete teilweise in einer angrenzenden Wiese. Der Fahrer des Krans wurde bei der Kollision getötet. Etwa 30 Personen aus den Zügen wurden verletzt, von denen 20 ins Krankenhaus gebracht wurden. Das Ausmaß der Zerstörung war enorm.

Die Sicherheitsbehörde (Onderzoeksraad) war nicht in der Lage, die unmittelbare Ursache des Zusammenstoßes zu ermitteln. Nach einer Untersuchung und Analyse kommt sie zu dem Schluss, dass die Tatsache eine Rolle gespielt haben könnte, dass die Wartungsarbeiten stattfanden, während die Züge weiterhin neben der Baustelle fuhren, und dass die Arbeiter die in Betrieb befindlichen Gleise überqueren mussten, um zu ihrem Arbeitsort zu gelangen. Außerdem könnte es eine Rolle gespielt haben, dass die Arbeiter für ihre Informationen auf fehleranfällige mündliche Kommunikation angewiesen waren.

Chris van Dam, Vorsitzender der niederländischen Sicherheitsbehörde: "Die niederländischen Eisenbahnen gehören zu den sichersten der Welt. Dennoch geht bei der Bahn zu oft etwas schief oder fast schief. Daraus müssen wir lernen. Wir empfehlen dem Sektor, viel mehr Anstrengungen in die Aufzeichnung und Analyse von Zwischenfällen zu stecken. Auf diese Weise kann der Sektor gemeinsam lernen, aber auch Innovationen im Bereich der Sicherheit vornehmen.

Verringerung der Risiken von Nachtarbeit, auch für Selbstständige

Die Instandhaltung von Gleisen findet häufig nachts statt. So auch in der Nacht vom 3. auf den 4. April 2023 in Voorschoten. Nachtarbeit birgt zusätzliche Sicherheitsrisiken, die im Eisenbahnsektor noch nicht ausreichend erkannt werden. Der Sicherheitsausschuss ist der Ansicht, dass ProRail diesen Risiken mehr Aufmerksamkeit schenken sollte, insbesondere bei der Vergabe von Aufträgen an Auftragnehmer, Subunternehmer und kooperierende Parteien im Bahnsektor. Besonderes Augenmerk sollte auf die Selbstständigen gelegt werden. Sie werden häufig nachts eingesetzt, um Dienstpläne zu erfüllen. Selbstständige fallen nicht unter das Arbeitszeitgesetz. Die Untersuchung des Sicherheitsausschusses zeigt, dass sie übermäßig oft eingesetzt werden.

Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, WKZ, Quelle Onderzoeksraad

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