

Fotos Stadler, ÖBB/Lukas Leonte.
Die ÖBB-Infrastruktur AG präsentiert den ersten von 18 neuen Servicejets in Österreich. Die neue Rettungszugflotte der ÖBB revolutioniert die Rettungs- und Löscharbeiten und wird auch für Instandhaltungsarbeiten im Einsatz sein. Die ÖBB erteilten Stadler den Auftrag für 18 emissionsarme Fahrzeuge im Wert von rund 230 Millionen Euro. Die neue Flotte deckt die Vielfalt der potenziellen Einsätze bei den ÖBB ab – schnell und umweltschonend mit einem Elektro-Hybrid-Antrieb.


Jedes Fahrzeug kann mehr als 300 Personen evakuieren. Der Servicejet wird für die Inbetriebnahme der Koralmbahn mit dem Herzstück des 33 km langen Koralmtunnels erstmalig zum Einsatz kommen und sukzessive am gesamten Netz der ÖBB-Infrastruktur AG stationiert.
Vielfältige Einsatzbereiche
Die Fahrzeuge sind für vielfältige Einsatzmöglichkeiten ausgerüstet. Sie können im Brandfall löschen und retten, aber sie verfügen auch über genügend Leistung, um Züge mit bis zu 2.000 Tonnen abzuschleppen – auch ohne Strom aus der Oberleitung – oder um einen defekten Zug mit Strom zu versorgen. Zudem ist der Servicejet im täglichen Betrieb für Instandhaltungsarbeiten vorgesehen.
Nachhaltiger Elektro-Hybrid-Antrieb
Die Fahrzeuge können in beide Richtungen mit bis zu 160 km/h fahren. Das ermöglicht einerseits die Bauart: waren Rettungszüge bisher aneinander gekuppelte Spezialwaggons, ist dieses Fahrzeug eine durchgängig betretbare Zuggarnitur, was erhebliche Vorteile mit sich bringt. So ist ein Führerstandswechsel und damit Richtungswechsel schneller als bisher möglich. Andererseits verwenden die ÖBB ein neuartiges Antriebskonzept: Die Züge sind mit einem nachhaltigen Elektro-Hybrid-Antrieb ausgestattet, der drei Energiequellen nutzen kann. Entweder verwenden sie Strom aus der Oberleitung und verfügen dadurch über 4.000 PS Antriebsleistung. Sie können auch auf einen leistungsstarken Akku mit 280 kWh oder zwei Dieselaggregate mit gesamt 1.060 PS als Rückfallebene zugreifen.
Johann Pluy, Vorstand ÖBB-Infrastruktur AG: „Bei einem Einsatz können wir mit unseren neuen Servicejets noch schneller als bisher Hilfe leisten. Sie bringen mehr Leistung in einem größeren Einsatzbereich. Das neue Konzept ermöglicht darüber hinaus eine Reduktion von 21 auf 18 Fahrzeuge.“ Diese geringere Typenvielfalt erleichtert die Schulung des Personals und verringert Instandhaltungskosten.
Peter Spuhler, Verwaltungsratspräsident Stadler Rail: „Wir haben mit dem Rettungstriebzug ein hoch innovatives Konzept gemäß Anforderungen der ÖBB-Infrastruktur auf die Schienen gestellt und konnten alle Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen des Kunden erfüllen. Deshalb gehen wir nun gemeinsam die nächsten Schritte in die Mobilität der Zukunft.“.
Modernes Feuerwehrequipment
Zur Brandbekämpfung stehen zwei unterschiedliche Löschsysteme zur Verfügung: Ein Hochdrucksystem (100 bar) zur Erzeugung von feinem Sprühnebel, beispielsweise um eine Tunnelröhre zu kühlen oder Bankette während der Fahrt zu benetzen und vor dem Entzünden schützen zu können; zum anderen ein System mit Normaldruck (10 bar) zur klassischen Brandbekämpfung. An Löschmitteln hat der Triebzug 40 000 l Wasser und 1 200 l Schaummittel an Bord (im Mittelwagen). Ausgebracht werden sie über zwei Hochdruck- und einen Normaldruckwerfer, die jeweils an den Stirnseiten des Zuges montiert sind und unabhängig voneinander aus dem Führerstand gesteuert werden können. Auf dem Dach der Triebwagen befinden sich zudem vorne und hinten zwei Strahlventilatoren, die den von den Hochdruckmonitoren ausgebrachten Wassernebel weitertransportieren. Die Lüfter können auch bei der Evakuierung von Menschen genutzt werden, um in einem verrauchten Tunnel einen Gegendruck zu erzeugen und eine Strömungsumkehr zu verhindern. Für Such- und Rettungsaktionen stehen leistungsstarke Scheinwerfer und Wärmebildkameras, mit denen Einsatzkräfte durch den Rauch sehen können, zur Verfügung.
Gerüstet für Brandeinsatz
Für den Brandeinsatz führt der Servicejet Löschwasser mit. Im mittleren Wagen ist ein Löschwassertank mit einem Fassungsvermögen von 40 m³ verbaut. An beiden Triebköpfen sind Löscheinrichtungen verbaut, die vom Führerstand aus bedient werden können. Das sind in Summe vier Hochdruckwasserwerfer mit 100 Bar Druck, zwei Niederdruckwasserwerfer mit zehn Bar sowie Löschwasseranschlüsse an beiden Fahrzeugseiten vergleichbar mit einem Hydranten. Alle Löscheinrichtungen können auch in Verbindung mit Schaummittel eingesetzt werden.
Zur Absicherung der Einsatzkräfte und des Servicejet gegen Rauchumkehr und hohe Temperaturen sind am Dach 4 Strahlventilatoren angeordnet. Ein Filtersystem reinigt die Luft und Überdruck verhindert, dass Rauch einströmt. Diese sogenannte Schutzbelüftung sorgt für einen geschützten Innenraum für das Bedienpersonal, die Einsatzkräfte und die zu evakuierenden Personen. Des Weiteren ist das Fahrzeug mit Wärmebildkameras ausgestattet, um in einer verrauchten Umgebung Personen besser erkennen zu können.
Instandhaltung und Inspektion
Für planmäßige Wartungs- und Inspektionstätigkeiten werden Instandhaltungstrupps samt Material zu den Querschlägen in den Tunnels transportiert. So wird zusätzlich zu den standardmäßig eingeplanten Trainings, optimales Handling des Fahrzeugs durch das Bedienpersonal gewährleistet.
Massgeschneiderte Lösung
Der „Servicejet“ ist eine massgeschneiderte Lösung für die Österreichischen Bundesbahnen und wird auch für das deutsche Schienennetz zugelassen. Die Beschaffung erfolgte durch die Rail Equipment GmbH, einer 100%-Tochter der ÖBB-Infrastruktur AG. Der Rettungstriebzug wird erstmals zur Inbetriebnahme der Koralmbahn mit ihrem 33 km langen Koralmtunnel zum Einsatz kommen.
Die Montagearbeiten haben 2022 begonnen, aktuell erfolgen Funktionstests und 2024 startet das Zulassungsverfahren.
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