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Freitag, 28 Juni 2024 12:00

Österreich: Zillertalbahn - Gigawood und der gute alte Rollwagen neu gedacht

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Nach wie vor ungeklärt, ist derzeit die Art der zukünftigen Traktion auf der schmalspurigen Zillertalbahn, in Tirol. Nach der Plagiatsaffäre des früheren Vorstandes und dem Aus für den Wasserstoffbetrieb wird jetzt wieder über einen reinen Oberleitungs- oder einen Akkubetrieb mit Teilelektrifizierung diskutiert.

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Die Zeit drängt, denn im Jahre 2027 laufen die Verträge zur Ersatzeilgestellung der derzeit im Personenverkehr eingesetzten Dieselgarnituren aus. Insbesondere, die in den 1990er Jahren eigentlich für den Güterverkehr konzipierten und beschafften Gmeinder-Loks, die heute vor Wendezügen im Personenverkehr eingesetzt werden, erweisen sich - bedingt durch die im Reiseverkehr unzähligen Brems- und Anfahrvorgänge - zunehmend als schadanfällig. Ersatzteile wie Tauschmotoren sind für die in nur wenigen Exemplaren gebauten Maschinen  mittlerweile nur noch sehr schwer zu bekommen.

Die einfachste, schnellste, preisgünstigste und auch naheliegenste Lösung wäre der Kauf neuer Dieseltriebwagen des Schweizer Herstellers Stadler .

Dem steht die politisch gewollte "Dekarbonisierung der Zillertalbahn" entgegen. Ein echtes Dilemma, wie man auf Nachfrage bei den Zillertaler Verkehrsbetrieben auch kopfschüttelnd bestätigt.

Wie auch immer es mit der Traktion weitergehen mag: Der vor 2 Jahren reaktivierte Güterverkehr zu Binderholz in Fügen entwickelt sich äußerst erfreulich. Neben den Rohholztransporten mittels auf fest verbundenen Rollfahrzeugen, stehenden "Gigawoods" (mit Umladung in Jenbach), werden neuerdings auch fallweise wieder normalspurige Vierachser auf Rollwagen (oder österreichisch Rollschemeln) von Jenbach nach Fügen ins Binderwerk befördert.

Aber auch hier ist man bei der ZB sehr innovativ und hat den "guten alten Rollschemel" quasi neu gedacht: Die Rollfahrzeuge sind untereinander fest verbunden. In Jenbach wird der von den ÖBB zugestellte Wagenzug mittels Seilwinde komplett auf die Rollfahrzeuge gezogen. Das dauert, mit Arretierung der Normalspurfahrzeuge auf den Rollschemeln, gerade mal gut 30 Minuten. Man spart sich überdies das Personal – und zeitaufwändiges Herumschleppen der schweren Kuppelstangen, die früher zwischen den einzelnen Rollfahrzeugen gekuppelt werden mussten und den Rollwagengüterverkehr auf schmaler Spur schließlich für nahezu alle Bahnverwaltungen unwirtschaftlich werden lies.

Zum Einsatz kommt vor den Zügen in der Regel, die von der Steiermarkbahn langfristig geliehene VL 23, die in den 1960er Jahren ursprünglich von der damaligen JZ für das mittlerweile längst stillgelegte Bosnische Schmalspurnetz beschafft wurde.

Am 31. Mai 2024 hatte Alexander Bauer das unglaubliche Glück, die VL 23 , bei Straß im Zillertal vor einem Rollwagenzug mit Vierachsern fürs Binderholzwerk in Fügen zu erwischen. Das Rohholz nach Fügen wird weiterhin mit (Umladen in Jenbach) "Gigawoods" transportiert.

Alexander Bauer

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