

Fotos ProRail.
Der Zugverkehr auf der HSL wird in der kommenden Zeit aufgrund von Problemen auf zehn Viadukten im Groene Hart (Grünes Herz) stärker beeinträchtigt werden. Es wurde beschlossen, die Geschwindigkeit auf fünf Viadukten von 120 auf 80 Stundenkilometer zu reduzieren.
Die Untersuchungen der Konstruktionsfehler an den vom Baukonsortium Hollandse Meren errichteten Viadukten haben kürzlich neue Erkenntnisse erbracht. Beim Bau der HSL (Hochgeschwindigkeitsstrecke) wurden sie zu leicht konstruiert, so dass sie nun nicht stabil genug sind, um mit hoher Geschwindigkeit befahren zu werden. Schon im Januar wurden Konstruktionsfehler der Viadukte festgestellt, nun mussten die Geschwindigkeitsbeschränkungen verschäft werden. Bald ist keine Rede mehr von "Hogesnelheidslijn” (Hochgeschwindigkeitsbahn, abgekürzt HSL.
ProRail bedauert die entstandene Situation. Zumal sich die Fahrzeit der Züge durch diese neue Massnahme um zwei bis drei Minuten verlängern dürfte. Wie sich dies auf den Fahrplan auswirken wird, ist im Moment schwer abzuschätzen. ProRail wird dies in den nächsten Tagen genau beobachten. Es kann sein, dass ProRail gezwungen ist, weniger Züge zu fahren, um die Zuverlässigkeit des Fahrplans zu gewährleisten.
Zwei Probleme
"Vor mehr als zwei Jahren bemerkten wir zum ersten Mal, dass etwas nicht stimmte. Als wir die Sache näher untersuchten, fanden wir zwei Probleme", erklärt Chris Heutinck, Tiefbauexperte bei ProRail. "Zum einen gibt es ein Problem mit der horizontalen Stabilität der Brücke. Das Viadukt sollte sich bei der Zugdurchfahrt nicht zu stark bewegen. Diese Bewegung kann durch drei Dinge verursacht werden: Wind, Stoßbelastung (z. B. durch unebene Schienen) und Fliehkraft. Letztere tritt in diesem Fall auf, weil sich das Gleis auf dem Viadukt in einer Kurve befindet. Aufgrund einer unglücklichen Konstruktion wird die Verformung der Gummiauflagen zu groß, was zu einer zu großen seitlichen Verschiebung führt. Dies führt zu Rissen in den Schweißnähten der Stahlbefestigungskonstruktionen der Brücke.
Das ist nicht das einzige Problem des Viadukts an der HSL: "Ein weiteres Problem ist das südliche Widerlager des Viadukts. Dies ist der letzte Punkt des Viadukts, an dem der Zug wieder auf die Trasse trifft. Aufgrund von Bodenbewegungen hat sich dieses Widerlager um mehrere Zentimeter verschoben und die Gründungspfähle sind überlastet. Daher muss das Widerlager irgendwann ersetzt werden. Aber das braucht Zeit. Bis dahin müssen wir überwachen, dass es keine übermäßigen Verschiebungen gibt und die Brücke sicher befahrbar bleibt."
Stillstandszeit
"In einem nächsten Schritt soll untersucht werden, ob die derzeitige Geschwindigkeit von 80 wieder auf 120 km/h erhöht werden kann. Dafür brauchen wir eine technische Begründung, die zeigt, dass wir sicher mit einer höheren Geschwindigkeit über das Viadukt fahren können. Aber um die ursprüngliche Geschwindigkeit von 300 km/h wieder zu erreichen, muss noch mehr getan werden. Wir brauchen dafür eine Stillstandszeit von mindestens zwei Wochen. Das bedeutet, dass dann keine HSL-Züge zwischen Amsterdam und Rotterdam verkehren können. So eine Entscheidung nimmt man nicht auf die leichte Schulter."
Das ist nicht das einzige Problem auf der HSL "Das Viadukt ist Teil eines Standardentwurfs mit der gleichen Entwurfsphilosophie", sagt Chris Heutinck. "Auf neun anderen Viadukten zwischen Hoofddorp und dem Groene Hart Tunnel wurden die gleichen kritischen Strukturen verwendet. Daher gibt es auf diesem Streckenabschnitt an mehreren Stellen Geschwindigkeitsbeschränkungen (120 km/h). Wir müssen also an all diesen Stellen weiter überwachen."
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