

Inmitten der obersteirischen Tourismus-Hot Spots, wie Planai/Schladming, Ramsau, Admont oder dem Nationalpark Gesäuse liegt der kleine, nicht einmal 1.500 Einwohner zählende, Ort Selzthal. Bedeutendes wird man in dem Ort kaum finden – außer, man interessiert sich für Eisenbahnen.


Denn hier ist nicht bloß ein Eisenbahnknoten mit Bahnstrecken in alle vier Himmelsrichtungen zu finden. Hier gab es auch ein Bahnbetriebswerk, das einerseits bis zu seiner Schließung als Einsatzstelle historischer Elektroloks bekannt war, um die Jahrtausendwende aber aufgrund zweier groß organisierter Dampflokfeste international bekannt wurde.


Und noch etwas gibt es hier: Einen Bahnhof in der seltenen Bauform eines reinen Inselbahnhofes. Alle Bahnsteige sind ausschließlich über einen Bahnsteigtunnel erreichbar, alle wesentlichen Gebäude und Einrichtungen liegen inmitten der Gleise. Allerdings, Einrichtungen gibt es nicht mehr so viele. Obwohl der Bahnhof durchaus intensiv frequentiert ist und alle Züge hier halten, sind Bahnhofsrestauration und Gepäckaufbewahrung verwaist, auch der Fahrkartenverkauf findet – so er nicht schon am Mobiltelefon erledigt wurde – ausschließlich über Automaten statt.


Der Inselbahnhof steht – ebenso wie der Ringlokschuppen nebst Drehscheibe – zwar unter Denkmalschutz, hinterlässt beim Reisenden aber eher Ratlosigkeit. Da helfen auch zahllose Details in astreinem Jugendstil – darunter ein Glasmosaik mit dem steirischen Landeswappen - nicht.
Zu viel steht hier leer und wirkt trotz vieler Reisenden irgendwie geisterhaft. Auch die vier kaum genutzten Kopfgleise zwischen den Zungenbahnsteigen wirken wie aus der Zeit gefallen – die Denkmaldampflok passt da gut ins Bild.
Ohne jetzt frühere Fahrpläne konsultiert zu haben: Möglicherweise gab es in Selzthal noch nie so viele Zugbewegungen wie heute, mit vertaktetem Railjet- und IC-Verkehr und mit der S-Bahn Steiermark.
Rechnet sich hier tatsächlich nicht einmal ein Zeitschriftenladen? Kein Würstelstand? Wäre es wirtschaftlich unmöglich, die wunderbaren Räumlichkeiten der Bahnhofsrestauration mit neuem gastronomischem Leben zu erfüllen?
Und wer soll das glauben?
Bilder und Text Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!, 31. 8. 2023