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Montag, 18 Juni 2018 07:00

Großbritannien: Sinkende Fahrgastzahlen bringen das Franchise-System ins Wanken

Die Fahrgastzahlen im Vereinigten Königreich gingen im vergangenen Jahr auf 1,7 Mrd. zurück, dem größte Rückgang seit der Privatisierung in den 90er Jahren, wass neue Zweifel an der Lebensfähigkeit des angeschlagenen Franchise-Systems aufkommen lässt. Nach Angaben des Amtes für Schiene und Straße (ORR) ging die Nutzung im Geschäftsjahr 2017-18 insgesamz um 1,4 % zurück, der erste jährliche Rückgang seit 2009/10 und der größte seit 1993/4.

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Vor allem die Fahrgäste mit Zeitkarten (Season tickets) fuhren weniger Eisenbahn. Grafik ORR.

Der Verkauf von Dauerkarten ist um 9,2% eingebrochen, was darauf hindeutet, dass die Pendler immer weniger Vertrauen in das Bahnangebot setzen. Untergraben wird dieses Vertrauen durch gestiegene Fahrpreise und Unterbrechungen während Streiks und durch Kapazitätsengpässe. South Western Railway verzeichnete den größten je haltenen Fahrgastrückgang von 7 % gegenüber dem Vorjahr, was zum Teil auf Arbeitskampfmaßnahmen und das schlechte Wetter im Februar zurückzuführen ist.

Die Fahrpreise stiegen 2017 um 2,3% und im Januar um weitere 3,4%, dem höchsten Wert seit fünf Jahren, was bedeutet, dass die Gesamteinnahmen für die Betreiber weiter gestiegen sind - wenn auch nur um 2,3%, dem niedrigsten Wert seit 2000/2001.

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Franchises mit Wachstum (blau) und Abnahme der Fahrgastzahlen (grau). Grafik ORR.

Die Besorgnis auf dem Franchise-Markt ist groß, da Virgin Trains East Coast am 23. Juni seinen Betrieb einstellen wird, nachdem die Eigentümer Stagecoach und Sir Richard Branson's Virgin Group nicht in der Lage waren, ihre versprochenen 3,3 Mrd. GBP an Investitionen zu zahlen und die Passagierzahlen unter den Prognosen lagen. Die East-Coast-Franchise wird wieder in den öffentlichen Sektor zurückgeführt, und die neuesten Zahlen werden die Spekulationen, dass weitere Franchiseunternehmen scheitern könnten, verstärken. Unter den genannten Kandidaten befinden sich Abellio Greater Anglia, das im letzten Quartal einen weiteren Passagierrückgang von 2% hinnehmen musste, oder Arriva Northern, wo die Kundenzahlen während einer Streikphase um 9% zurückgingen.

Eine Quelle aus der Industrie sagte gegenüber dem Guardian: "Es gab vier oder fünf Franchiseverträge, die sich auf massive Wachstumsraten stützten ... statt dessen sanken die Fahrgastzahlen. Es gibt hier ein strukturelles Problem, das die Zeitplanung in den Schatten stellen könnte, weil es weit verbreitet ist."

Die Bahnindustrie setzt dagegen auf eine Erholung der Fahrgastzahlen. Paul Plummer, Geschäftsführer der Rail Delivery Group, die Bahnbetreiber und Network Rail vertritt, sagte: "Jährlich werden über 1,7 Mrd. Bahnfahrten durchgeführt, und trotz einiger Verlangsamung wird dieses Wachstum langfristig nicht zu bremsen sein."

WKZ, Quelle Guardian, ORR

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