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Freitag, 02 August 2013 10:29

Spanien: 80 Tote bei Zugunglück in Santiago de Compostela

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Am Abend des 24.07.13 um 20.41 Uhr ereignete sich ein Zugunglück bei Santiago de Compostela, bei dem bisher 80 Tote und 130 Verletzte verzeichnet wurden, davon 30 kritisch. Der Alvia 151 von Madrid Chamartín nach Ferrol hatte 218 Fahrgäste an Bord und entgleiste kurz vor einer Kurve (Curva de a Grandeira) in Angrois, einer Gemeinde etwa vier Kilometer vor dem Bahnhof von Santiago de Compostela.

unfall

Mitarbeiter von ADIF, Renfe, Katastrophenschutz, der Guardia Civil und der Polizei sind zur Zeit mit der Sicherung der Unfallstelle beschäftigt. Für Betroffene wurden Hotlines unter 900 444 222 (Guardia Civil) und 900 101 660 (Renfe) eingerichtet.

Ein Anschlag auf den Zug wird ersten Berichten zufolge ausgeschlossen, möglich wäre vielmehr erhöhte Geschwindigkeit.

Wie die spanische Zeitung "El País" berichtet, ist der Zug mit 190 km/h statt der erlaubten 80 km/h in der Kurve gefahren. Der im Führerhaus eingeschlossene Lokführer soll über Funk der Zentrale gesagt haben: "¡Voy a 190!" und "Somos humanos, somos humanos", "Wir sind Menschen, wir sind Menschen".

Die Ministerin für Entwicklung, Ana Pastor, hat den Familien der Opfer des Zugunglücks ihr Beileid ausgesprochen und wünschte den Verletzten eine rasche Genesung. Zusammen mit dem Ministerpräsidenten, Mariano Rajoy, und dem Präsidenten der Regionalregierung von Galizien, Alberto Núñez Feijoo, besuchte sie den Unfallort. Die Unfalluntersuchungsstelle (Comisión de Investigación de Accidentes Ferroviarios, CIAF) hat die Arbeit aufgenommen. Ministerpräsident Rajoy verordnete drei Tage Staatstrauer.

Kommentar

Der Lokführer kann einem jetzt schon leid tun, gilt er doch als der Verursacher der schlimmmen Katastrophe. Man würde es sich allerdings zu einfach machen, nur ihn zu verurteilen, denn der Zug der Serie 730 erreicht auf dem Neubauabschnitt zwischen Orense und der Einfahrt in den Bahnhof von Santiago de Compostela eine Höchstgeschwindigkeit von 220 km/h. Dann kommt eine Kurve, die nur für maximal 80 km/h zugelassen ist. Spätestens hier stellt ich die Frage nach einer Signaltechnik, die solches verhindert hätte. Möglicherweise wird der Netzbetreiber ADIF da in Erklärungsnöte kommen. So etwas kann man auch als Organisationsverschulden bezeichnen. Doch hängen wird man wohl den verantwortlichen Fahrzeugführer. HD

Rekonstruktion des Unfallgeschehens

unfall 2

Der Zug Alvia Nr. 00151 verlässt den Tunnel von Santiago, auf den davorliegenden Kilometern hatte er eine Geschwindigkeit von 192 km/h.

1. Dreihundert Meter vor der Entgleisung hat der Zug noch eine Geschwindigkeit von 184 km/h. Zu diesem Zeitpunkt betätigt der Maschinist die Bremse.

2. Vier Sekunden vor der Entgleisung betätigt der Maschinist das Notbremssystem.

3. Der Zug fliegt bei einer Geschwindigkeit von 153 km/h um genau 20.41 Uhr aus dem Gleis.

Am Km 84,2 (ab Orense) wird dem Maschinisten laut Buchfahrplan eine Geschwindigkeit von 80 km/h vorgeschrieben. Zum Zeitpunkt der Entgleisung führt der Maschinist mit einem Renfe-Mitarbeiter ein Telefongespräch. Das Gespräch dauerte zu diesem Zeitpunkt bereits eine Minute.

Der Zug führt zwei Blackboxes (cajas negras) mit sich. Sie sind jeweils in den Triebköpfen untergebracht.

Von einer durch eine Signaltechnik ausgelöste Zwangsbremsung ist in den Protokollen nichts vermerkt

HD, WKZ, Quelle Renfe u.a.

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Letzte Änderung am Mittwoch, 25 Juli 2018 10:37

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