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Freitag, 27 Juli 2018 07:00

Dänemark: Aarhus Letbanen läuft rund

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Fotos Letbanen.

Am 21. Dezember 2017 eröffnete Aarhus Letbane Dänemarks erstes modernes Stadtbahnsystem im jütländischen Aarhus, nachdem rund 45 Jahre lang keine Straßenbahnen im Land fuhren. Betreiber der Aarhus Letbane ist Keolis Danmark, ein Tochterunternehmen der französischen Staatsbahn SNCF. Die neuen Straßenbahnen sind unter dem Logo der Verkehrsgesellschaft Midttrafik unterwegs, die in der Region Mitteljütland für die Bestellung und Fahrplangestaltung von Bussen und Bahnen verantwortlich ist.

Befahren werden die neuen Strecken mit 26 Straßenbahnen aus dem Hause Stadler, davon 14 Fahrzeuge des Typs Variobahn sowie zwölf Stadtbahnen des Typs Tango. Auf dem ersten Teilstück des Systems L2 sind bislang fünfteilige Variobahnen-Zweirichtungszüge mit einer Länge von 32,6 Metern und einer Breite von 2,65 Metern im Einsatz. Die modular aufgebauten Einheiten setzen sich aus drei Fahrwerks- und zwei dazwischen eingehängten Sänftenmodulen zusammen. Die Wagenkästen bestehen aus nichtrostendem Edelstahl mit geklebten Außenverkleidungen. Auf jeder Seite gibt es im ersten, zweiten und vierten Modul jeweils eine große Doppelschiebetür, im fünften Modul eine einfache Schiebetür, die sich mit Leuchtdrucktastern öffnen lassen. Der Fahrgastraum der Variobahnen, die über acht Antriebsmotoren mit einer Leistung von jeweils 45 Kilowatt verfügen, ist zu 100 Prozent niederflurig. Die Niederflurigkeit des Fahrzeuges sorgt für einen barrierefreien und komfortablen Fahrgastfluss über die gesamte Länge. Der Stromabnehmer sitzt auf dem mittleren Fahrwerksmodul. Die Fußbodenhöhe beträgt 38,5 Zentimeter, die an den Einstiegen auf 35 Zentimeter absinkt. In jeder Variobahn können bis zu 216 Fahrgäste befördert werden, 84 davon sitzend. Die Einzelsitze sind in Reihen- und Vis-à-vis-Anordnung montiert. Große Mehrzweckzonen in den Sänftenmodulen bieten viel Platz für Rollstuhlfahrer und Reisende mit Kinderwagen und Fahrrädern. Der klimatisierte Innenraum ist videoüberwacht, wodurch das Sicherheitsempfinden der Fahrgäste erhöht wird. Darüber hinaus haben die Variobahnen eine moderne LED-Beleuchtung, deren Helligkeit sich automatisch dem Tageslicht anpasst. Klimatisiert sind auch die Fahrerräume, die vom Fahrgastraum durch eine Glaswand abgetrennt sind. Die Cockpits sind mit einer modernen, bildschirmgestützten Fahrzeugsteuerung ausgestattet. Anstelle von Außenspiegeln kommen Kameras zum Einsatz, die ihre Bilder ins Cockpit übertragen, sodass der Fahrer die Türbereiche im Blick hat. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 80 Stundenkilometer.

Bilanz nach den ersten 100 Tagen: 99,3 Prozent stabiler Betrieb

Rund 100 Tage sind die Variobahnen im neu eröffneten Stadtbahnsystem unterwegs und haben in der Zeit mehr als 230‘000 Kilometer zurückgelegt. Die erste Bilanz fällt rundum positiv aus. Seit der Betriebsaufnahme läuft der Betrieb zu 99,3 Prozent stabil. „Eine beinahe 100 prozentige Verfügbarkeit ist an sich schon sehr gut für ein komplett neues LRV-System, das mit Neufahrzeugen befahren wird. Vor dem Hintergrund, dass die Betriebsaufnahme ausgerechnet in die Wintermonate mit Frost, Nebel und Glätte gefallen ist, ist es ein wirklich ausgezeichneter Wert“, sagt Michael Borre, Direktor bei Aarhus Letbane.

Der stabile Betrieb ist das Resultat eines bis ins Detail durchgeplanten Systems, das neben einer modernen Strecke vor allem von gut ausgebildeten Fahrern profitiert, die die Stadler-Neufahrzeuge mit mehr als 100‘000 gefahrenen Testkilometern hervorragend kennen und bedienen lernen konnten. Man hat sich in Aarhus an Dänemarks erste moderne LRV-Strecke schnell gewöhnt. Viele Anwohner sind vom Bus auf die Schiene umgestiegen, das Fahrgastaufkommen auf der Schiene liegt ersten Erhebungen zu Folge um 40 Prozent über den Fahrgastzahlen der Buslinie. die Immobilienpreise entlang der betriebenen sowie entlang geplanter Strecken ziehen bereits an. „Gegenden, die an das Streckennetz angeschlossen sind, gewinnen zunehmend an Attraktivität als Wohn- und Unternehmensstandort“, so das Fazit ortsansässiger Immobilienmakler.

Weiterer Streckenausbau

Bislang verkehren die Variobahnen auf dem ersten, sechs Kilometer langen Teilstück L2 der Letbane zwischen Hauptbahnhof und Universitätskrankenhaus. Wochentags fahren die Bahnen tagsüber im Zehn-Minuten-Takt, abends und an Sonn- und Feiertagen im Viertelstundentakt. Bis Ende des Jahres soll die Aarhus Letbane bis Lisbjergskolen, Lystrup und Grenaa im Norden und Odder im Süden verlängert werden. Dabei werden zwei Nebenbahnen mitbenutzt, die elektrifiziert und teilweise zweigleisig ausgebaut wurden. Insgesamt wird das Netz der Aarhus Letbane nach Inbetriebnahme der ersten Ausbaustufe knapp 110 Kilometer lang sein. Planungen für Erweiterungen liegen bereits vor. Die Linie L2 soll von Lisbjergskolen über Søften nach Hinnerup verlängert werden, wo sie auf die DSB-Hauptstrecke Aarhus – Randers – Aalborg trifft. Des Weiteren soll eine neue Ausbaustrecke von Aarhus Hauptbahnhof in westlicher Richtung in den Stadtteil Braband führen.

Pressemeldung Stadler

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