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Dienstag, 22 August 2017 08:05

Österreich: Neustart für die Kaltenleutgebner Bahn

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Zum Einsatz kommt die historische Lokomotive 2050.09, gebaut 1959 / Fa. Henschel, Foto Istvan David. Ehrenamtliche Erneuerungsarbeiten an einem Fußgängerübergang, Foto Dagmar Junker.

Nach mehr als dreieinhalb Jahren ist es am Sonntag, den 3. September, endlich so weit: Auf der Kaltenleutgebner Bahn finden wieder Sonderfahrten statt. Eine Diesellokomotive wird mit historischen Waggons zwischen Liesing, Rodaun, Perchtoldsdorf und Waldmühle verkehren, zwei Abfahrtsmöglichkeiten wird es auch ab Wien-Hauptbahnhof und Wien-Meidling geben

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Beim 1883 erbauten Bahnhofsgebäuden von Perchtoldsdorf findet ein kleines Fest statt, Foto Horst Winkler.

Beim alten Bahnhof in Perchtoldsdorf (Feldgasse 2) erwartet die Besucher ein Bahnhofsfest mit Informationen über die mehr als 130 Jahre alte Bahn sowie mit Musik (Trachtenkapelle Perchtoldsdorf am Vormittag, das Trio Traditional Jazz Unit am Nachmittag) und regionalen Speisen und Getränken. Auch Ersttagsfahrkarten und Sonderbriefmarken werden angeboten. Die gesamte Veranstaltung wird vom Verein Kaltenleutgebner Bahn organisiert und durchgeführt.

Der Fahrplan

Eine Abfahrtsmöglichkeit ab Wien-Hauptbahnhof nach Waldmühle gibt es um 09:05 Uhr, von Wien-Meidling um 09:12 und 12:12 Uhr. Von Wien-Liesing fahren Sonderzüge um 09:24, 12:24, 14:24 und 16:24 Uhr Richtung Waldmühle ab. Längere Aufenthalte (beim Frühzug wegen der offiziellen Festeröffnung bei der Hinfahrt 60 Minuten, alle anderen Züge 30 Minuten bei der Rückfahrt) gibt es im Bahnhof Perchtoldsdorf.
Der Fahrpreis für Hin-und Rückfahrt (gesamte Strecke) beträgt für Erwachsene 15 Euro, für Kinder 5 Euro. Der Fahrplan im Detail (auch mit allen Abfahrtszeiten vom Bahnhof Perchtoldsdorf) steht auf www.kaltenleutgebnerbahn.at

„Ein Bestandteil der Region“

Die Marktgemeinde Perchtoldsdorf hat heuer die Bahnstrecke von den ÖBB gekauft. „Damit ist ihr Erhalt langfristig gesichert“, sagt Fabian Köhazy, Obmann des Vereins „Kaltenleutgebner Bahn“. Der Verein organisiert die Sonderfahrten auf der Strecke und übernimmt ehrenamtlich einen großen Teil der Erhaltungsarbeiten. Mit dem Slogan „Die Bahn zu Brauchtum und Kultur, Heurigen und Natur“ will der Verein auf das Potenzial der Bahnstrecke hinweisen: „Sie ist ein Bestandteil der Region, der Menschen und Organisationen verbindet. Die Sonderfahrten ermöglichen einen sanften Ausflugstourismus in den Wienerwald. Die Bahn ist ein Mobilitätsbringer für die Heurigen und für viele kulturelle Veranstaltungen in der Region.

Ziel des Vereins „ist die Förderung und Erhaltung der Bahnlinie Liesing-Waldmühle als technisches Kulturgut und als öffentliche Verkehrsinfrastruktur“. Auch die dringend notwendige Sanierung und der Erhalt des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes in Perchtoldsdorf sind den Vereinsmitgliedern ein großes Anliegen.

Nostalgiefahrten soll es in Zukunft ebenso geben wie Fahrten mit modernen und innovativen Schienenfahrzeugen. Obmann Köhazy: „Wichtig ist uns auch, generell auf die Bedeutung des öffentlichen Verkehrs gerade in ökologisch sensiblen Zonen wie der Wienerwaldregion hinzuweisen.“

Die Geschichte der Kaltenleutgebner Bahn

Die fast sieben Kilometer lange Bahnstrecke zwischen Liesing und Kaltenleutgeben wurde am 17. August 1883 feierlich eröffnet. Zahlreiche Gäste der Kuranstalten in Kaltenleutgeben nützten die neue Verbindung. 1951 wurde der Personenverkehr eingestellt und 1959 die Schienen zwischen der Waldmühle und dem Endbahnhof in Kaltenleutgeben abgetragen. 2010 wurde dann auch der Zement-Güterverkehr beendet.
Die ersten Personen-Sonderfahrten gab es bereits im Februar 1956: Für eine Wintersport-Großveranstaltung – bei der auch der damalige Bundeskanzler Julius Raab anwesend war – wurden zahlreiche Sonderzüge zwischen Wien-Südbahnhof und Kaltenleutgeben geführt.

Was der Verein seit 2007 leistet

2007 wurde der Verein „Pro Kaltenleutgebnerbahn“ (heute: Verein „KaltenleutgebnerBahn“) gegründet. Durch Kooperationen mit anderen Eisenbahnvereinen und dank zahlreicher ehrenamtlicher Mitarbeiter konnten zwischen 2011 und 2013 insgesamt 20 Sonderfahrten mit rund 5000 Fahrgästen stattfinden.

Zahlreiche Arbeitseinsätze

Der Verein veranstaltet aber nicht nur Sonderfahrten. Alleine 2015 und 2016 organisierten die Mitglieder jeweils an die 40 Arbeitseinsätze zur Streckeninstandhaltung: Sträucher entlang der Strecke wurden zurückgeschnitten, Gras geschnitten, Unkraut gejätet, Gräben ausgehoben, Weichen repariert und geschmiert, Spurrillen gereinigt, Schwellen getauscht sowie Schilder ergänzt und getauscht. Um diese Arbeiten effizient durchführen zu können, wurden aus Spendenmitteln eine Motordraisine und ein Materialwagen angeschafft.

Der Gleisoberbau ist generell in einem sehr guten Zustand, da er in den Jahren 2007 bis 2009 von den ÖBB umfangreich erneuert wurde.

Pressemeldung Verein Kaltenleutgebner Bahn, Marktgemeinde Perchtoldsdorf

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