english

Dienstag, 23 Oktober 2018 10:00

Dänemark: Güterzüge nach Grenaa benötigen 19 Stunden Vorlaufzeit

hyt1hyt2

Die hochklappbaren Bahnsteigkanten oder "Hattehylder". Fotos Aarhus Letbane.

Aarhus Letbane hatte Ende September angekündigt, dass die Eröffnung der Strecke nach Grenaa nicht schon Ende des Jahres erfolgen kann, sondern mindestens auf Ende März verschoben werden muss. Dies ist teilweise auf das Genehmigungsverfahren zurückzuführen, das Aarhus Letbane durchführt, und teilweise auf die von der dänischen Transport- und Baubehörde verlangte Bearbeitungszeit. Am 25.08.18 konnte die Strecke nach Odder immerhin eröffnet werden.

Die Verspätung hat auch eine Bedeutung für den kollektiven Verkehrsplan, der im Januar in Kraft treten soll. Der Verkehrsplan ist abhängig von der Stadtbahn, da eine Anzahl von Buslinien, die die gleichen Bereiche wie die Stadtbahn bedienen, geschlossen oder geändert werden müssen. Verantwortlich für die Aufstellung der Fahrpläne ist Midttrafik.

In einem offenen Brief vom 9. Oktober erwartet das Handicap Council in Odder, dass alle Zwischenstopps zwischen Odder und Grenaa für Leute mit eingeschränkter Mobilität voll verfügbar sein sollen. Aarhus Letbane weist darauf hin, dass einige der Bahnsteige in Kurven liegen. An den Orten, an denen deshalb die empfohlene Norm nicht eingehalten werden kann, beträgt der Abstand zwischen Stadtbahn und Bahnsteig zwischen 90 und 141 mm, empfohlen sind 75 mm.

Probleme bereitet in diesem Zusammenhang eine von der Politik vorgegebene Bedingung: Es müssen weiterhin Güterzüge von und nach Grenaa Hafen möglich sein. "Das war eine klare Voraussetzung für die Akzeptanz der Stadtbahnübernahme: Grenaa Havn kann mit der Bahn bedient werden - wie in der Vergangenheit", sagte der Bürgermeister von Grenaa, Jan Petersen.

Da ein Stadtbahnzug fast einen Meter schmaler ist als ein normaler Zug, müssen die Bahnsteige der 19 Bahnhöfe für den Stadtbahnzug aber etwas breiter sein, so dass auch mobilitätsbehinderte Personen einsteigen können. Die vielen Bahnsteigkanten sind daher über sogenannte "Hattehylder" (Hutablagen) hochklappbar, wenn ein Güterzug passieren soll. Allerdings muss das Hochklappen an jeder der 19 Stationen zwischen Aarhus und Grenaa von Hand gemacht werde. "Die Lösung ist ziemlich einzigartig und findet sich nur an wenigen anderen Orten der Welt", heisst es von Seiten der Letbane.

Die dänische Zeitung Extra Bladet hat deshalb Aarhus Letbane gebeten, die Zeit anzugeben, die für das manuelle Hochklappen aller "Hattehylder" auf den Grenaabanen im Falle eines sich nähernden Güterzuges erforderlich ist. "Damit haben wir nicht wirklich gerechnet. Aber wir schätzen, dass zwei Männer eine halbe Stunde pro Bahnsteig verbringen werden," sagt Helle Sjørslev von der Letbane-Pressestelle. "Da einige der 19 Stationen Bahnsteige auf beiden Seiten der Bahn haben, wird es mindestens 19 Mannstunden erfordern - zwei Tage lang - bis die Strecke für den Güterverkehr bereit gemacht werden kann."

So erscheint die politische Vorgabe zwischen dem Staat und Aarhus Letbane über den weiteren Güterverkehr nahezu unrealistisch. "So gesehen ist es ein Glück, dass es derzeit keine Trassenanmeldungen nach Grenaa gibt," sagt dazu der Bürgermeister von Grenaa.

Bengt Dahlberg, WKZ, Quelle EkstraBladet, Aarhus Letbane, Jyllands-Posten

Zurück

Letzte Änderung am Montag, 22 Oktober 2018 20:03

Nachrichten-Filter