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Sonntag, 28 Oktober 2018 13:09

Albanien: An der Bahn wird gearbeitet

Nach dem Tiefpunkt der Hekurudha Shqiptare S.A. HSH von 2016/2017 kommt wieder Bewegung in die Bahn. Der Staat hat Mittel freigegeben, womit einige Reparaturen an der Strecke Vorë – Shkodër durchgeführt werden konnten und der Personenverkehr bis Shkodër konnte im Laufe des Jahres wieder aufgenommen werden. Ebenso läuft der Güterverkehr ins benachbarte Montenegro wieder. Beim internationalen Güterverkehr wurden zudem Massnahmen zur Beschleunigung unternommen.

So wurde noch 2017 ein Abkommen zwischen den beiden Bahnen unterschrieben, wonach die Formalitäten zur Übergabe von Güterzügen in beiden Richtungen, inklusive deren fahrdienstlichen Abfertigung die Dauer von 75 Min. nicht überschreiten darf. Zuvor konnte eine solche Abfertigung mehrere Stunden in Anspruch nehmen.

Im Süden hat 2018 die Sanierung der 81 km langen Strecke Rrogozhinë – Fiër – Vlorë begonnen. Man hat zwar keine neuen Schienen dafür beschafft, aber es werden neue Schwellen und Schotter eingebaut. Der Abschnitt Rrogozhinë – Fiër wurde per 01.09.2018 im Personenverkehr wieder eröffnet. Es verkehrt ein tägliches Zugpaar Durrës – Fiër welches in Rrogozhinë in beiden Richtungen einen Anschluss von/nach Elbasan herstellt, damit auch zwischen Elbasan und Fiër (bzw. umgekehrt) eine Fahrt möglich ist.

Insgesamt bietet die HSH wieder folgende tägliche Zugpaare:

• Shkodër – Durrës – Shkodër 1x;
• Durrës – Fiër – Durrës 1x;
• Kashar – Durrës – Elbasan – Durrës – Kashar 1x;
• Elbasan – Durrës 1x.

Mit nur einem Zugpaar, welches Kashar am Rande der Hauptstadt Tiranë bedient ist auf dieser Relation ein Tiefpunkt in der Bedienung eingetreten. In den Sommermonaten gab es noch ein zusätzliches Zugpaar von Kashar an die Küste bei Durrës, da sich diese Fahrgelegenheit nach wie vor recht grosser Beliebtheit erfreut. Bei der Knappheit an einsetzbaren Personenwagen, musste in jener Zeit (Juli-August) die Verbindung nach Shkodër ruhen.

Am 22.09.2018 begannen neue Ausbildungskurse, um Lokführer auszubilden. Die Ausbildung umfasst eine Probezeit von 3 Monaten mit Theorieausbildung, gefolgt von der praktischen Ausbildung in allen Bereichen, wie Technik, Fahren, Rangieren, Unterhalt, Sicherheit und fahrdienstliche Belange. Um dem früher weitverbreiteten „Schlendrian“ vorzubeugen, werden die Kurse mit viel Disziplin durchgeführt und wer diese nicht befolgt, kann nicht zu den Prüfungen zugelassen werden. Man bemüht sich also sehr internationale Standards zu erreichen, wobei die neugeschaffene Eisenbahnaufsichtsbehörde diese Kurse verfolgt.

In Librazhd wurde eine neue Brücke zur Entflechtung von Bahn und Strasse gebaut. Die Strasse führt in die Orte im Norden und der Durchlass unter Bahn musste bereits vor einigen Jahren für die meisten Fahrzeuge aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Diese Arbeiten gelten auch schon als Massnahme für die geplante Sanierung und Wiedereröffnung der Bahn nach Pogradec am Ohrid-See und deren spätere Verlängerung nach Mazedonien.

2019 will die HSH in Abstimmung mit den anderen Bahnen Europas den jährlichen Fahrplanwechsel ebenfalls jeweils auf das 2. Wochenende im Dezember vereinheitlichen. Wobei ab jenem Zeitpunkt feste Fahrplantrassen festgelegt werden sollen, die sowohl von den HSH Personen- und Güterzügen, als auch durch private Züge, nach vorgehendem Antrag und Bewilligung durch die Aufsichtsbehörden belegt werden können. Damit öffnet Albanien sein Bahnnetz ebenfalls im freien Netzzugang.

Für 2019 gelten folgende Strecken als „für jeglichen Verkehr aus technischen Gründen gesperrt“:

• Xhirë – Pogradec 42 km;
• Kashar – Tiranë 7 km;
• Budull – Fushë Krujë 6 km;

Dies geht aus dem Infrastrukturplan für 2019 hervor, demnach wird die Strecke Fiër – Vlorë bis 2019 wieder betriebsfähig sein. Obwohl noch im Inventar der HSH Infrastruktur enthalten, so gelten die Strecken Fiër – Ballsh und Milot – Rrëshen als stillgelegt.

Bis auf weiteres ist das elektrische Signalisationssystem der HSH auf dem ganzen Netz ausser Betrieb. Es herrscht für alle Zugsbewegungen welche die Aussengrenzen jeder Station verlassen der Zwang eine schriftliche Fahrtberechtigung auszustellen. Innerhalb der Bahnhöfe sind alle Zugsbewegungen (Rangierfahrten, Umhängen von Fahrzeugen nur noch unter Aufsicht der Fahrdienstleiter zugelassen. Die Schrankenposten (40 auf dem ganzen Netz) müssen entweder nach Fahrplanzeit oder wo vorhanden auf die Anmeldung der Züge über Funk die Schranken bedienen. Diese Vorschriften gelten auch über 2019 hinaus, einzig bei der Strecke Durrës – Kashar wird es nach deren Ausbau und Verlängerung bis Tiranë und Rinas zu Änderungen kommen. Bis auf weiteres gilt auf allen Strecken, abgesehen von Langsamfahrstellen, die Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h, nur zwischen Durrës und Kashar sind abschnittsweise 60 km/h zugelassen.

Im Frühjahr 2018 wurden die Einzelheiten zur Bahn von Durrës zum Flughafen Rinas ausgeschrieben. Der Ausbau der bestehenden Strecke beginnt ab Km 0,640, ausserhalb des Bahnhofes Durrës und geht bis Km 32,680 (zwischen Kashar und Tiranë). Rund 3 km vor Kashar (km 27 ab Durrës) wird mittels Gleisdreieck die Strecke zum Flughafen Rinas über die Distanz von 5,7 km gebaut. Über das Dreieck können die Züge sowohl von Tiranë (neue Station) via Kashar nach Rinas, aber auch von Durrës via Vorë nach Rinas verkehren und überdies bleibt so die Hauptstrecke Durrës–Tiranë ebenfalls offen. Die Flughafenbahn endet genau vor dem Terminal. In allem werden 15 Bahnsteige in 7 Stationen benötigt, so in Tiranë, Kashar, Rinas, Vorë, Sukth, Shkozet, Durrës. Die Strecke wird durchgehend für 100 km/h gebaut. 45 km Geleise werden saniert und neu geschottert und insgesamt (mit Nebengleisen) 14,5 km neu verlegt. 7 Brücken müssen saniert und 3 neu gebaut werden. Die Strecke bekommt automatische Signalisation, Telekommunikationseinrichtungen und den Streckenblock. 19 Bahnübergänge werden mit automatischen Halbschranken ausgerüstet, weitere 5 Bahnübergänge für Fussgänger erhalten Blinklichtanlagen. Die Bauzeit, mit Beginn ab 2019, wird mit 30 Monaten angegeben und die Kosten belaufen sich auf € 90,5Mio., alles inbegriffen. Rund € 72Mio. kommen je zur Hälfte von der EU und der Europäischen Entwicklungsbank, der Rest wird vom albanischen Staat getragen, wobei dies in erster Linie die Grundstückskäufe und die Befreiung des Projektes von der Mehrwertsteuer und anderer Steuern umfasst. Nicht ganz 1400 Personen werden in der Bauzeit beschäftigt, danach sollen rund 2200 Mitarbeiter bei der HSH für diese Bahnstrecke zur Verfügung stehen.

S. Rachdi, www.fahrplancenter.com

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Letzte Änderung am Sonntag, 28 Oktober 2018 13:19

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