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Mittwoch, 01 Februar 2017 21:38

Italien: Hohe Haftstrafen im Urteil um Viareggio

Hohe Haftstrafen wegen mehrfachen Totschlags hat das Gericht in Lucca am 31.02.17 in erster Instanz gegen die Verursacher des Zugunglücks von Viareggio verhängt, bei dem am 29.06.2009 ein mit Flüssiggas beladener Zug in der Stadt Viareggio entgleiste. Das explodierende Gas setzte fast das gesamte Viertel in der Nähe des Bahnhofs in Brand. 32 Menschen kamen um das Leben.

Insgesamt 33 Einzelpersonen und neun Unternehmen wurden wegen verschiedener Delikte wie mehrfacher fahrlässiger Tötung, Brandstiftung, Körperverletzung und Verursachung eines Eisenbahnunglücks angeklagt, 10 der 33 Einzelangeklagten wurden freigesprochen. Der ehemalige Geschäftsführer der FS Italiane, Mauro Moretti, wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt. Der damalige Geschäftsführer von RFI, Michele Mario Elia, erhielt sieben Jahre und sechs Monate Haft, der ehemalige Geschäftsführer von Trenitalia, Vincenzo Soprano, sieben Jahre.

Weitere Haftstrafen von bis zu neun Jahren und neun Monaten erhielten Techniker und Manager der GATX Rail Deutschland, GATX Rail Austria sowie der deutschen Firma Jugenthal Waggon Hannover, die für die Wartung des entgleisten Kesselwaggons zuständig war. Hinzu kamen Geldstrafen von je 700.000 Euro für RFI und Trenitalia und je 480.000 für GATX Rail Austria, GATX Rail Deutschland und Jugenthal Waggon Hannover.

Moretti wurde in seiner Eigenschaft als ehemaliger Geschäftsführer von RFI verurteilt, aber freigesprochen als ehemaliger Geschäftsführer von FS, erklärten seine Anwälte. FS, FS Logistica und Cima Riparazione waren unter den freigesprochenen Unternehmen, während RFI und Trenitalia schuldig befunden wurden. Morettis Anwalt Armando D'Apote bezeichnete das Urteil als ein "skandalöses Ergebnis" und "Frucht des Populismus".

Die Angehörigen der Opfer applaudierten kurz nach dem Urteil, sagten jedoch, sie würden es erst am Mittwoch kommentieren. Der ehemalige Bürgermeister von Viareggio, Luca Lunardini, sprach von einem "nicht natürlichen, sondern durch den Menschen verursachten Ereignis."

Der Güterzug in Viareggio bestand aus 14 Druckgaskesselwaggons, die im Eigentum der GATX Rail Austria GmbH und ihrer Tochterunternehmen standen. Während die Staatsanwaltschaft einen Riss in einem Radsatz des ersten Kesselwagens als Unfallursache betrachtet, der zum Zeitpunkt der letzten Inspektion hätte erkannt werden müssen, ging GATX von einer senkrecht im Boden verankerten Stahltraverse aus, die in den Verantwortungsbereich der italienischen Staatsbahn fällt. Mehrere Verurteilte kündigten den Gang in die Berufung an.

WKZ, GK, Quelle Ansa

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Letzte Änderung am Dienstag, 13 November 2018 21:44

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