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Donnerstag, 22 November 2018 19:38

Rumänien: Hydrologische Probleme gefährden Strecke Marasesti - Barbosi

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Der Sereth, ein linker Nebenfluss der unteren Donau, bringt derzeit die rumänische Bahnstrecke Marasesti - Tecuci - Barbosi - Galati in Gefahr. Die zweigleisige und elektrifizierte Strecke ist ein wichtiger Bestandteil des Güterverkehrs zum Hafen Galati, dem dortigen Stahlwerk sowie im Verkehr über den Grenzübergang Giurgiulesti zur Republik Moldau und der Ukraine.

Eine Reihe von hydrologischen Phänomenen sind in den letzten Monaten in Galati/Galatz, der Dunarea/Donau und dem Siret/Sereth aufgetreten. Das spektakulärste Phänomen tritt an der Donau auf, direkt vor der Stadt Galatz, wo eine Insel den Fluss in zwei Arme teilt und täglich wächst. Die Untere Donau-Verwaltung (Administratia Fluviala a Dunarii de Jos; AFDJ) hat versichert, dass der Flussverkehr vorerst nicht beeinträchtigt wird, auch wenn die Insel ihre Oberfläche in den letzten drei Monaten um etwa das Fünffache vergrößert hat, sie ist bereits etwa einen Kilometer lang und mehrere zehn Meter breit.

Ein anderes aggressives Phänomen der Erosion tritt am Nebenfluss Sereth in der Nähe von Serbestii Vechi auf. Dort hat der Fluss in diesem Sommer eine "Bucht" gegraben, welche der Bahnstrecke Barbosi-Tecuci sehr nahe kommt. Im Oktober 2018 wurde festgestellt, dass die Entfernung zwischen der Eisenbahn und dem Fluss nur noch 30 Meter gegenüber 60 Metern im Juni dieses Jahres beträgt. Gleichzeitig hatte die Ablagerung des alluvialen Materials am rechten Ufer eine rasche Entwicklung, was die Konzentration der hydrodynamischen Kräfte auf das linke Ufer begünstigte und die Entwicklung der Erosion beschleunigte, wobei die Geschwindigkeit der Erosionsentwicklung durch die sandige Natur der Bank begünstigt wurde.

Die Nationale Wasserverwaltung "Apele Române" sagte, sie habe bereits rund 7,3 Mio. RON für Notarbeiten bereitgestellt, aber um die Auswaschungen zu stoppen muss noch mehr investiert werden. Sowohl die Erosion der Sereth-Bank als auch die Schwemmlandungen der Donauinsel haben die gleiche Ursache: "menschliche aggressive Eingriffe in die Umwelt". Der Sereth habe seit mindestens zwei Jahrzehnten einen unvorhersehbaren Flusslauf, weil in seinem Becken eine massive Abholzung stattgefunden hat, die Wildbäche überflutet sind und eine große Menge Sediment vorhanden ist. Auch die Flussufer würden irrational ausgebeutet. Im April und im Juni 2018 wurden Unternehmen in Flagranti beim Abbau von Sand und Kies im Flussbett überrascht. Nach durchgeführten Kontrollen stellte die Polizei fest, dass die Unternehmen keine Betriebsgenehmigung besitzen. Die Gesetzgeber erfahren jeden Monat zwei solcher Fälle, was darauf hindeutet, dass diese Art der illegalen Mineralgewinnung zunimmt.

An der gefährdeten Bahnstrecke bei Serbestii Vechi haben unterdessen erste Sicherungsarbeiten begonnen (Foto). Bereits beim Bau der Strecke gab es ähnliche Probleme: 1868 erhielt der deutsche Unternehmer Bethel Henry Strousberg die Konzessionen zum Bau der Strecke Bucuresti - Galati - Roman und ließ noch im gleichen Jahr die Arbeiten an der überwiegend durch ebenes Gelände führenden Strecke beginnen, allerdings erschwerten zahlreiche Flüsse den Bau, die bedingt auch durch die unkontrollierte Abholzung der Wälder in der Walachischen Tiefebene häufig ihren Lauf änderten und die Errichtung kostspieliger Brücken erforderlich machten. Sie ging schließlich am 13.9.1872 als zweite Eisenbahnstrecke im damaligen Rumänien in Betrieb.

 

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