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Dienstag, 11 Dezember 2018 07:10

Österreich: Bahnübergang "Windensteg" - das Dorf Lauffen kämpft gegen die ÖBB

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Der alte Bü mit direktem Zugang zum Windensteg und die von der ÖBB vorgeschlagene Rampe zum Traunufer.

Ein Dorf sieht rot - die ÖBB wollen die Salzkammergutstrecke ausbauen und dabei mehrere Bahnübergänge schließen, darunter in der Ortschaft Lauffen den 140 Jahre alten Bahnübergang beim denkmalgeschützten Windensteg, einer Brücke über die Traun. Als Ersatz sollen Fußgänger künftig über eine Rampe (weiß eingezeichnet) zum Ufersteig hinunter geführt werden, wo es eine Unterführung unter die Bahn gibt.

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Bei Hochwasser ist der Weg am Traunufer nicht zugänglich.

Nach einer großen Protestkundgebung im November hat die Bürgerinitiative "Bahnübergang Windensteg" Lauffen an den Landeshauptmann von Oberösterreich, Günther Steinkellner, am 20.11.18 einen Protestbrief geschrieben. Darin heisst es:

Die Bevölkerung des uralten Marktes Lauffen bei Bad Ischl ist verzweifelt. Nach 140 Jahren soll der Bahnübergang beim historischen und denkmalgeschützten „Windensteg“ einfach geschlossen werden. Die Bevölkerung war darüber nur sehr mangelhaft informiert und erfuhr nur durch Zufall von der jetzt geplanten Schließung, die rechtlich bereits abgehandelt ist.

Sofort bildete sich eine Bürgerinitiative, zu der sich der ganze Ort mit seinen etwa 170 Einwohnern bekennt, darunter der Pfarrer des Ortes, Mag. Richard Czurylo, der Altbürgermeister von Bad Ischl Georg Nitzler (ein gebürtiger Lauffner) und Zeitungsherausgeber Alexander Savel als Initiator. Auch bekundet der Vizebürgermeister von Bad Ischl, Anton Fuchs (FPÖ) seine Unterstützung, ebenso der Heimatverein von Bad Ischl mit seinen 800 Mitgliedern. Bei einer Protestaktion am 17. November kamen spontan etwa 100 Lauffner und Bewohner des benachbarten Bad Goisern und auch von Bad Ischl. Niemand von ihnen war über die Schließung genau informiert und deshalb wurde von einem Willkürakt der ÖBB und der Politik gesprochen.

Die Bevölkerung war vor den Kopf gestoßen und fühlt sich nun völlig übergangen. Die Schließung wird vor allem aus folgenden Gründen abgelehnt:

1) Der „Windensteg“ gehört zum historischen Ortsbild des ältesten Marktes des ursprünglichen Salzkammergutes. Er ist älter als der Kirchturm von Lauffen und somit ein Wahrzeichen des alten Salzmarktes.

2) Um der Bevölkerung und den vielen Besuchern des alten Wallfahrtsortes den Übergang an dieser Stelle zu ermöglichen, soll eine Rampe in das Hochwassergebiet (rote Zone) gebaut werden. Diese Rampe wäre weder behindertengerecht (zwölf Prozent Gefälle!) noch ist eine Absicherung zur Traun hin vorgesehen. Weil an dieser Stelle eine Forststraße besteht und diese Straße durch die Rampe zu schmal würde, ist eine Verbreitung der Uferböschung erforderlich, was nicht nur das Ortsbild erheblich stören würde, sondern auch von den Kosten nicht im Verhältnis zur Aufrechterhaltung des Bahnüberganges steht.

3) Die Rampe führt auch direkt zu einem stark befahrenen Radweg. Es käme zum Konflikt zwischen Radfahrern und Fußgängern und das auf einem schmalen Weg ohne Schutz zum Fluss. Die Bahn schützt in diesem Bereich ihre Fahrgäste durch ein hunderte Meter langes Geländer am Bahndamm. Nur für den Fall, dass der Zug einmal außerhalb des Bahnhofs stehenbleiben müsste und die Fahrgäste aussteigen müssten, was bisher noch nie vorgekommen ist. Die Bewohner von Lauffen, vor allem die Kinder und älteren Menschen, würden durch die Rampe einer immensen Gefahr ausgesetzt. Es ist weder geklärt, wer die Rampe bei Schneefall betreut, noch was im Falle eines Hochwassers passiert, das fast jedes Jahr diesen Bereich völlig unter Wasser setzt und zu großen Schäden bei der Straße führt.

4) Wir Lauffner haben unsere Kinder immer von der Traun ferngehalten, vor allem bei Hochwasser, weil im Laufe der letzten 100 Jahren mindestens drei Kinder ertranken. Nun sollen unsere Kinder direkt in diese Todeszone gehen müssen.

Wir Lauffner haben also nichts mehr zu verlieren und gerade deshalb werden wir für die Erhaltung des Bahnübergangs bis zuletzt kämpfen. Wenn es sein muss, werden wir uns auch auf die Schienen legen.

Wir bitten Sie inständig, sehr geehrter Herr Landeshauptmann, uns zu helfen. In Schwertberg wurde im Vorjahr in einem Maisfeld eine Schrankenanlage gebaut, die niemand braucht und in Lauffen, wo sie jeder brauchen würde, wäre das nicht möglich? Das kann doch nicht sein.

GK, WKZ, Quelle und Fotos Bürgerinitiative "Bahnübergang Windensteg" Lauffen

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Letzte Änderung am Dienstag, 11 Dezember 2018 07:32

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