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Mittwoch, 19 Dezember 2018 07:05

Frankreich: Brüssel erschwert Rekapitalisierung von Fret SNCF

Die von der französischen Regierung Mitte April im Zuge der Bahnreform als "notwendig erachtete" Rekapitalisierung des Güterverkehrsbetreibers Fret SNCF erscheint durch EU-Einwände komplizierter zu werden als erwartet. Theoretisch soll Fret SNCF, das derzeit Teil der Logistikbranche ist, ab dem 1. Januar 2020 eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des öffentlichen Konzerns werden.

Dies bedeutet, dass die Tätigkeit vorab rekapitalisiert werden muss, denn das Betriebsergebnis befindet sich mit einer Verschuldung von 4,3 Mrd. Euro jahrzehntelang im roten Bereich. Eine umfassende Rekapitalisierung ist daher unerlässlich, da sonst die künftige Tochtergesellschaft am Tag nach ihrer Gründung in Konkurs gehen würde.

Die Rekapitalisierung setzt jedoch voraus, dass der französische Staat grünes Licht aus Brüssel erhält. Wie aus dem Fachbrief "Mobilettre" hervorgeht, weigern sich die Kommissionsdienststellen jedoch, Diskussionen aufzunehmen, weil 2016 von konkurrierenden Frachtunternehmen eine Beschwerde wegen illegaler staatlicher Beihilfen eingereicht wurde. Brüssel muss erst über die Relevanz dieser Beschwerden entscheiden, bevor es sich mit der Rekapitalisierung von Fret SNCF befasst.

Und dieser Fall wird sich wahrscheinlich noch weiter verzögern, denn nach Informationen des Wirtschaftsblattes Les Echos betrifft das Verfahren nicht nur Fret SNCF: Auch mehrere andere etablierte Betreiber, wie die Deutsche Bahn in Deutschland, werden ins Visier genommen, auch wenn die Gründe für Beschwerden von Fall zu Fall unterschiedlich sind.

Um die Umwandlung am 1. Januar 2020 nicht zu verpassen, arbeitet das Management der SNCF an einem Übergangsszenario. Die Frachttätigkeit soll demnach aus SNCF Mobilités herausgenommen werden, jedoch im Rahmen einer befristeten Regelung, während die Rekapitalisierung stattfindet und die Gründung einer Aktiengesellschaft in ordnungsgemäßer Form erlaubt. Das juristische Hick-Hack blockiert so nicht den Prozess der Filialisierung, macht ihn aber sehr komplex.

WKZ, Quelle Les Echos

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