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Donnerstag, 10 Januar 2019 12:10

Frankreich: Anne Hidalgo beerdigt kostenlose öffentliche Verkehrsmittel in Paris

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Anne Hidalgo stellt den Bericht zum kostenlosen Verkehr vor. Foto Stadt Paris.

Nach neunmonatiger Konsultation hat die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo beschlossen, den öffentlichen Verkehr nicht völlig kostenlos zu machen. Das Projekt hätte im Mittelpunkt der Kampagne für die Kommunalwahlen 2020 stehen und Paris zu einem weltweiten Vorbild machen können. Wie die Bürgermeisterin heute (10.01.18) ankündigte, kann "freier Zugang allein nicht das Alpha und Omega einer Verkehrs- oder Mobilitätspolitik sein".

Sollen Bus, Metro, RER und Straßenbahn für alle in Paris und seinen Vororten völlig kostenlos sein? Anne Hidalgo forderte ihr Team im März auf, "ohne Vorurteile und ohne Dogmatismus" die Frage nach der Gratifikation zu analysieren, die in der öffentlichen Debatte regelmäßig gestellt wird. Insbesondere erachtete sie es als notwendig, zu beurteilen, ob es ein tragfähiges Wirtschaftsmodell gibt, wofür "es derzeit keine Beweise" gäbe

Der Bericht mit dem Titel "Pour un big bang de la tarification des transports dans le Grand Paris" enthält dreißig Vorschläge für Maßnahmen zur Verbesserung des öffentlichen Verkehrs, aber auch für Radfahren und Carsharing in Paris und der Île-de-France. Der Bericht, der heute veröffentlicht wurde, stellt fest: Ein uneingeschränkter freier Zugang würde die Gemeinschaft für eine geringfügige Entlastung der Umwelt teuer zu stehen kommen, und das "auf Kosten einer erhöhten Anspannung im öffentlichen Verkehrssystem".

Der Preis sei nicht das entscheidende Kriterium für die Wahl des Verkehrsmittels. Die Art des Reisens wird insbesondere durtch die Zeitersparnis bestimmt. Unter diesen Bedingungen reicht es nicht aus, den öffentlichen Verkehr kostenlos zu machen, um das Verhalten der Autofahrer zu ändern. Bestenfalls würde die Maßnahme den Verkehr um 2% bis 5% reduzieren, zeigen die Simulationen, die für das Rathaus durchgeführt wurden. Das reicht nicht aus, um die Luftqualität zu verbessern.

Andererseits könnte der freie Zugang viele Fußgänger und Radfahrer dazu veranlassen, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Dies wäre negativ für die öffentliche Gesundheit und würde die Sättigung des Netzes verschlimmern. Schnell könnte die Zahl der Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln von 36% auf 48% steigen, so heisst es im der Bürgermeisterin vorgelegten Bericht.

Die 3,3 Mrd. Euro, die die Nutzer jedes Jahr zahlen, decken 27% der Betriebskosten des öffentlichen Verkehrs. Wer soll diese Summe übernehmen: Steuerzahler, Unternehmen oder Autofahrer, indem eine Maut am Eingang zu Paris eingeführt wird? Um die automobilen Belästigungen zu reduzieren, seien "Verkehrsbeschränkungsmaßnahmen am effektivsten", so die Abgeordneten.

Mit ihrem Team schlägt die Bürgermeisterin von Paris jetzt andere, kostengünstigere Maßnahmen mit Gesamtkosten von 15 Mio. Euro vor, so die Unterstützung bestimmter Zielgruppen wie Kinder beim Zugang zu öffentlichen Verkehrsmitteln. Unternehmen sollen auch nicht mehr die Hälfte, sondern 100% der Fahrkarten ihrer Mitarbeiter zurückerstatten, zumindest für die niedrigen Einkommen.

WKZ, Quelle Rathaus Paris, Le Monde

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