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Samstag, 16 Februar 2019 17:22

Österreich: 100 Jahre Salzburger Stieglbahn

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Fotos Gunter Mackinger und Archiv Mackinger.

Am 16. Februar 1919 - also heute vor 100 Jahren - wurde die Salzburger Stieglbahn eröffnet. Diese - ca. 3km lange - Normalspurbahn führt von Salzburg Lehen an der Strecke Rosenheim - Salzburg Hbf. zur 1492 gegründeten Stieglbrauerei, Österreichs größter privater Brauerei. Die Anfänge dieser, trotz ihrer Kürze - vielfältigen Bahnstrecke, liegen im Jahr 1899 als erstmals ernsthaft über das Projekt einer neuen Lokalbahnstrecke zwischen der Südlinie der Salzburger Lokalbahn in Nonntal und dem Bf. Salzburg Lehen via Stieglbrauerei an der "Bayerischen Bahn" nachgedacht wurde.

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1912 wurden die umfangreichen Genehmigungen erteilt und sogar die erforderlichen Grundstücke eingelöst. Aber erst die Not des 1. Weltkrieges ermöglichte letzlich den Bau - wenn auch nur als Torso zwischen Salzburg Lehen und der Stieglbrauerei ohne Weiterführung bis Nonntal und auch nur als Schleppbahn für den Güterverkehr. Auch die Idee - die Stieglbahn als Keimzelle für eine Lokalbahn zu nutzen - blieb ebenso unausgeführt, als mehrere Projekte zur Elektrifizierung, zuletzt in den 1960er Jahren.

Diente die Stieglbahn bei ihrer Eröffnung nahezu ausschließlich der namensgebenden Brauerei, so änderte dies rasch als in der Zwischenkriegszeit, aber vor allem in den Kriegsjahren 1939-1945, als zahlreiche (militärische) Betriebe entlang der Anschlussbahn angesiedelt wurden. Die Reichsbahn verfolgte sogar Planungen, die Stieglbahn als Südumfahrung von Salzburg Hbf. zu nutzen, sollte dieser wichtige Bahnknoten durch Feindeinwirkung ausgeschalten werden.

Nach 1945 boomte die mittelständische Industrie in Salzburg und letztlich verfügte die Stieglbahn über nicht weniger als 15 Nebenanschlussbahnen, welche eine gute wirtschaftliche Basis darstellten. Zwei Nebenanschließer verfügten sogar über eigene Lokomotiven, eine Nebenanschlussbahn war sogar elektrifiziert. Der Strukturwandel von Gewerbe und Industrie hin zu Wohnen und Büro verschonte auch die Stieglbahn nicht und so sind von der einstigen Pracht lediglich 3 Anschlussbahnen übrig geblieben - wichtigster Ver-und Entlader ist (wieder) die Stieglbrauerei.

Die Strecke gehört der Stieglbrauerei und wird sei 100 Jahren von den Salzburger Lokalbahnen (SLB) betrieben. Seit 1992 ist der beschränkt-öffentliche Personenverkehr zulässig, der bis vor einigen Jahren auch rege als Zubringer zur Brauerei genutzt wurde.

Spannend der Park der in 100 Jahren eingesetzten Lokomotiven. Eröffnet mit Dampftramway Lokomotiven der SLB, bald umgestellt auf leistungsfähigere Gebrauchtlokomotiven der Staatsbahn wurde die Verdieselung 1960 eingeleitet obwohl sich die Dampftraktion bis in die 1970er Jahre halten konnte. Gelegentlich gelangten auch ÖBB Lokomotiven auf die Stieglbahn - nachgewiesen sind Loks der Baureihen 52, 657 (G 10), 658 (G 12) und 2060,2062,2067 und 2068. Ein Schrottverwerter an der Stieglbahn war der Empfänger vielfältigster Lokomotiven, Triebwagen und Waggons von ÖBB und DB.

Mit dem beschränkt-öffentlichen Personenverkehr steigerte sich die Vielfalt weiter und so waren auch Dampfloks der Baureien 50, 770 und 93 zu Gast, aber auch die Dieseltraktion in Form von 5047 und 5081 "verirrte" sich auf die Anschlussbahn. Das geräumige Heizhaus bot auch immer wieder historischen, elektrischen Fahrzeugen "Unterschlupf" so auch einer 1161 oder einem Triebwagen der Montafonerbahn.

Seit Jahrzehnten wird (wieder) über die Nutzung der Stieglbahn für den SPNV nachgedacht. Rund 10.000 Einwohner entlang der Strecke und zahlreiche Arbeitgeber verlangen förmlich nach einer Nutzung im Personenverkehr. Aber gut Ding braucht Weile - so wie seinerzeit die Umsetzung auch schon 20 Jahre benötigte - Geduld ist gefragt.

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Letzte Änderung am Samstag, 16 Februar 2019 17:32