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Dienstag, 19 Februar 2019 07:10

Großbritannien: Bahnbetreiber schlagen einfachere Fahrpreisgestaltung vor

Die von der Rail Delivery Group vertretenen britischen Bahnbetreiber schlagen als ersten Beitrag zur laufenden Berichterstattung von Keith Williams über das britische Eisenbahnsystem eine radikale Reform des Fahrpreissystems vor. Es soll "einfachere Tarife für alle" enthalten und die Tarife "entbündeln", um einen Grundpreis zu schaffen, der variiert werden kann. Es gäbe eine tägliche Preisobergrenze auf Pendlerrouten und eine stärkere Nutzung des kontaktlosen Pay-as-you-go-Verkehrs.

Eine in Zusammenarbeit mit der unabhängigen Nutzerorganisation Transport Focus erfolgte Konsultation, an der fast 20.000 Menschen und über 60 Dachverbände teilnahmen, ergab, dass die Fahrgäste eine Änderung des derzeitigen Systems wünschen, wobei eine gerechtere, transparentere und benutzerfreundlichere Durchführung im Mittelpunkt standen.

Aus der Konsultation ergab sich, dass acht von zehn Benutzern das System überarbeitet haben wollen, neun von zehn wollen intelligente oder elektronische Tickets mit der Möglichkeit für Preisobergrenzen und acht von zehn wollen Tarife, die auf der Förderung von Reisen zum Auffüllen leerer Plätze basieren. Die Vorschläge zu "Einfacheren Tarifen für alle" (Easier Fares for All) legen dar, wie ein transparentes, einfacheres und verständlicheres Tarifsystem geschaffen werden kann, das erstmals durch eine "Garantie für den besten Tarif" (Best Fare Guarantee) der Branche gestützt wird.

Die Reform würde Fahrpreise nach dem Prinzip "Einsteigen, Aussteigen" (Tap-in, Tap-out) unterstützen, sobald diese im ganzen Land eingeführt worden sind, und eine bessere Integration der Bahntarife in die anderer Verkehrsträger gestatten. Mit einem neuen System könnten Pendler, die flexibel arbeiten und in Nebenverkehrszeiten reisen, Einsparungen erzielen, während die Überbelegung auf einigen der verkehrsreichsten Fernverkehrsstrecken um bis zu ein Drittel reduziert werden könnte.

Basierend auf diesen Prinzipien werden die Angebote mit einem einfachen Grundsatz erstellt: dass die Kunden nur für das bezahlen, was sie benötigen, und immer den günstigsten Tarif erhalten. Dies würde die einzelnen Reisegruppen folgendermaßen betreffen:

• Pendler, die derzeit Wochenkarten kaufen und von außerhalb Londons in die Hauptstadt oder anderswo reisen, könnten mit Pay-as-you-go-Preisen und einem Tap-in-Tap-out-System Geld sparen, wenn sie weniger als fünf Tage pro Woche reisen oder in der Lage sind, Spitzenzeiten zu meiden. Dies unterstützt Veränderungen im Arbeitsverhalten, da Teilzeitarbeit und Selbständigkeit in 22 Jahren um mehr als ein Drittel zugenommen haben. 90% der Befragten wünschten sich eine Berücksichtigung der Preisobergrenze.

• Fern- und Freizeitreisende könnten mit einer gleichmäßigeren Verteilung der Nachfrage über den Tag fahren und so Überbelegungen auf den verkehrsreichsten Strecken um bis zu einem Drittel reduzieren. 78% der Befragten wünschten sich Tarife, die die Besetzung leerer Plätze fördern.

• Alle Kunden könnten mehr Optionen erhalten und müssten sich nicht mehr zum Zeitpunkt des Kaufs ihrer Hinreise auf die Tageszeit ihrer Rückkehr festlegen, sondern könnten verschiedene Arten von Einzeltickets mischen und kombinieren, was die Änderung der Reisepläne erleichtert. 74% der Befragten wünschten, dass die Tarife auf der Grundlage der erforderlichen Flexibilität berücksichtigt werden.

Wenn die Vorschläge entwickelt und angenommen werden, könnten sie es der Branche ermöglichen, eine "Garantie für den besten Tarif" (Best Fare Guarantee) anzubieten, so dass die Kunden sicher sein könnten, dass sie immer den niedrigsten verfügbaren und ihren Bedürfnissen entsprechenden Tarif bezahlen würden, wo und wann sie ihn kaufen.

Die Reformen würden "einkommensneutral" sein, wobei einige Leute mehr bezahlen, die meisten aber billigere Reisen erhalten würden. Etwaige Verluste würden durch einen erwarteten Anstieg der Passagierzahlen ausgeglichen, wobei das einfachere Tarifsystem innerhalb eines Jahrzehnts zu zusätzlichen 300 Millionen Bahnfahrten pro Jahr führen würde, was einem Anstieg von etwa einem Fünftel entspricht. Die Erprobung des neuen Systems wird bis Ende des Jahres erwartet, wobei die Änderungen in drei bis fünf Jahren umgesetzt werden könnten.

Die bestehenden Fahrpreis-Vereinbarungen sind seit Mitte der 90er Jahre unverändert geblieben. Sie reichen zurück bis zu der Zeit, als British Rail 1985 Sparpreise für Fahrten über 50 Meilen und vereinheitlichte Tagesrückfahrten auf lokalen Strecken einführte. Diese wurde 1995 nach der Privatisierung der Eisenbahnen übernommen. Seitdem wurden weitere Bedingungen in Franchisevereinbarungen mit privaten Bahnbetreibern eingeführt. Mittlerweile werden rund 55 Millionen Fahrpreise gleichzeitig angeboten.

WKZ, Quelle Rail Delivery Group, The Times

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