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Dienstag, 19 Februar 2019 11:00

Spanien: SNCF-Tochter Rielsfera will am Fernverkehrsmarkt teilnehmen

Die französische Aktiengesellschaft SNCF möchte nach der Liberalisierung für den Fernverkehr 2020 in Spanien als Wettbewerber der Renfe Personenverkehr betreiben. Dem Finanzblatt Vozpópuli zufolge wurde die renommierte spanische Anwaltskanzlei Uría damit beauftragt, die 100-prozentige SNCF-Tochter Rielsfera zu gründen und sowohl die Lizenz als auch das für den Betrieb im Personenverkehr erforderliche Sicherheitszertifikat zu beantragen.

Bisher war die SNCF in das von Adif eingerichtete Sonderregister für Bahnbetreiber eingetragen, um Anträge von Unternehmen zu bearbeiten, die sich am Liberalisierungsprozess beteiligen wollen, allerdings als bereits in einem anderen Mitgliedstaat der Europäischen Union, in diesem Fall in Frankreich, zugelassenes Unternehmen. Die ersten Schritte der SNCF in Spanien bestanden darin, Rielsfera eine Führungsstruktur mit einem kleinen Verwaltungsrat zur Verfügung zu stellen, zu dem bereits ein Partner von Uría als Sekretär dieses Gremiums gehört.

Die Liberalisierung des Personenverkehrs auf der Schiene wird ab 2020 Realität sein, der Frist für die Umsetzung des so genannten vierten Eisenbahnpakets in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Sowohl Spanien als auch Frankreich gehören zu der großen Gruppe von Ländern, die die Vorteile der Verlängerung zur Marktöffnung ein Jahr später als ursprünglich geplant, 2019, genutzt haben.

Die Nationale Kommission für Märkte und Wettbewerb (CNMC) hat Ilsa (Acciona/Air Nostrum) kürzlich den Betrieb der Strecke Madrid - Montpellier genehmigt, da der Personenverkehr zwischen verschiedenen Ländern bereits im Rahmen der Kabotage liberalisiert ist. Ebenfalls existent ist eine Anfrage des Verkehrsbetreibers Arriva, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn, der daran interessiert ist, eine Verbindung zwischen La Coruña und Porto zu fahren.

Doch auch Renfe Operadora verfügt bereits über eine Roadmap, um sich an die für den 31. Dezember 2020 geplanten Liberalisierung des Marktes für den Schienenpersonenverkehr anzupassen. Der Vorstand des staatlichen Unternehmens unter dem Vorsitz von Isaías Táboas hat Ende Januar den Strategieplan 2019-2023 verabschiedet, mit dem eine Fünfjahresfrist für die Positionierung des Unternehmens vorgesehen ist.

Der Plan umfasst zwei Schlüsselelemente für das Wachstum des Unternehmens: die Internationalisierung (Dallas - Houston, AVE nach Mekka, AVE nach Paris, Großbritannien) und die Umsetzung eines neuen Angebots für kostengünstige Hochgeschwindigkeitszüge vor Januar 2021, das die bestehenden ergänzen und darauf abzielen wird, Kunden von alternativen Verkehrsmitteln auf den Zug zu bringen. Die Prognose des Strategieplans, dessen Erstellung unter Beteiligung der Beratungsfirma McKinsey erfolgte, lautet, dass dieses neue Produkt am Ende des Fünfjahreszeitraums zu 15% des Geschäftseinkommens und zu 20% im nächsten Jahrzehnt beitragen wird. Ferner sollen Verhandlungen mit Uber oder Cabify aufgenommen werden, um deren Angebote in das Renfe-Programm zu integrieren.

WKZ, Quelle Vozpópuli, El Confidencial.

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