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Montag, 11 März 2019 07:10

Estland/Finnland: 15 Mrd. Euro für privaten Eisenbahntunnel Tallinn - Helsinki

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Der zweiröhrige Eisenbahntunnel und die Entlüftungsinsel. Fotos FinEstBay Area.

Die Entwicklungsgesellschaft FinEstBay Area Development Oy mit Sitz in Helsinki hat am Freitag (08.03.19) bekannt gegeben, dass sie eine Absichtserklärung (MoU) über 15 Mrd. Euro an Finanzmitteln mit Chinas Touchstone Capital Partners für einen Eisenbahntunnel unterzeichnet habe, der Helsinki mit der estnischen Hauptstadt Tallinn verbindet.

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Das Projekt besteht darin, Helsinki (Finnland) mit Tallinn (Estland) durch einen zweiröhrigen Tunnel unter dem Meer zu verbinden, eine Röhre für den Güter- und eine für den Personenverkehr. Mit 100 km Länge wird dies der längste Tunnel unter Wasser sein. Notausgänge und Belüftung erfolgen über zwei künstliche Inseln, die mit Bohrklein - durch den Bohrprozess zertrümmerte Gestein - errichtet werden. Diese künstlichen Inseln werden nach den aktuellen Plänen etwa 15 km vor Helsinki und Tallinn liegen.

Ein Drittel der Finanzierung wird als Private-Equity-Investition erfolgen - was Touchstone eine Minderheitsbeteiligung am Projekt verschafft - und zwei Drittel werden Fremdkapitalfinanzierungen sein. Finanzielle Details werden in den nächsten sechs Monaten verhandelt. Die Gesamtkosten des Tunnels werden auf 15-20 Mrd. Euro geschätzt. "Jetzt ist die Finanzierung geklärt und wir können weitermachen", sagte Projektleiter Peter Vesterbacka, ehemaliger Geschäftsführer des Spieleherstellers Rovio von Angry Birds, gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Entwicklungsgesellschaft hat im Dezember 2018 die erste Fremdfinanzierung in Höhe von 100 Mio. Euro vom in Dubai ansässigen Bauunternehmen ARJ Holding erhalten und sucht nach europäischen Investoren.

Finnland und Estland überlegen seit Jahren, ihre Hauptstädte, die durch den Finnischen Meerbusen getrennt sind, zu verbinden. Zehntausende von Esten arbeiten in der Region Helsinki und pendeln wöchentlich auf dem Seeweg, während Tallinn ein beliebtes Reiseziel für Finnen ist. Ein Tunnel würde die Fahrzeit von der zweistündigen Fahrt mit einer Fähre auf rund 20 Minuten verkürzen.

Eine von den beiden Regierungen in Auftrag gegebene und 2017 veröffentlichte Machbarkeitsstudie sagte, dass der geplante 100 km lange Tunnel 2040 eröffnet werden könnte, aber Vesterbacka bekräftigte, dass der Tunnel bis Ende 2024 gebaut werden würde, wenn die Bauarbeiten 2020 beginnen.

Dem steht noch die Regierungsinitiative FinEstLink entgegen. FinEst Link ist eine Initiative, die von den Städten Helsinki und Tallinn, dem estnischen Ministerium für Wirtschaft und Kommunikation, dem finnischen Ministerium für Verkehr und Kommunikation, dem Regionalrat Helsinki-Uusimaa und der estnischen Regionalregierung Harju gegründet wurde. Das Dokument über die Zusammenarbeit im finnisch-estnischen Verkehr wurde am 5. Januar 2016 in Tallinn genehmigt.

Im Gegensatz zu der Regierungsinitiative FinEstLink ist das Tunnelprojekt der FinEstBay Area Development Oy rein privat. Noch vor einem Jahr machte Anne Berner, Ministerin für Verkehr und Kommunikation in Finnland, deutlich: "Wir haben ein Projekt. Es wird Raum für Innovation geben, aber wir haben nur ein Projekt."

Egal wie - das Tunnelprojekt muss noch von den beiden Regierungen und der Europäischen Union abgesegnet werden. "Die langfristige Vision für Finnland beinhaltet, dass wir durch den Tunnel nach Tallinn kommen können", sagte der finnische Premierminister Juha Sipila Anfang letzter Woche bei einem Besuch in Estland.

WKZ, Quelle FinEstBay Area Development, FinEstLink

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Letzte Änderung am Montag, 11 März 2019 13:54

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