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Donnerstag, 14 März 2019 07:10

Australien: Am falschen Zug angezogene Handbremsen führten zum führerlosen Erzzug

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Fotos BHP, ATSB.

Die australische Unfalluntersuchungsstelle ATSB hat am 12.03.19 ihren vorläufigen Bericht zu dem 211 km südlich von Port Hedland in Westaustralien am 05.11.2018 außer Kontrolle geratenen Erzzug M02712 des Minenbetreibers BHP veröffentlicht. Das zu Hilfe geschickte Wartungspersonal hatte die Handbremsen am falschen Zug angezogen.

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Ein Kommunikationsausfall zwischen der führenden Lokomotive des Zuges M02712 und dem Kontrollmonitor am Ende des Zuges löste eine automatische Notbremsung aus und stoppte den Zug, als er sich Garden South näherte.

Der Triebfahrzeugführer alarmierte die Zugkontrolle über den Notfall, bestätigte die Anordnung der Handbremse, stellte den Richtungsschalter auf neutral, schaltete den Generator aus und betätigte die unabhängige Bremse, bevor er den Lokomotivführerstand verließ, um mit dem manuellen Anziehen der Handbremse an den 268 Erzwagen des Zuges zu beginnen, während er auf die Unterstützung durch ein Wartungspersonal wartete.

Während dieser Zeit stoppte ein leerer Erzzug, M02727, auf dem angrenzenden Gleis aufgrund des Streckenblockschutzes, der nach dem Anhalten des Zuges M02712 aktiv wurde.

Etwa 30 Minuten später traf das zu Hilfe angeforderte Wartungspersonal ein und die Zugkontrolle forderte es auf, von der Rückseite des Zuges aus die Handbremsen anzulegen und sich auf den Lokführer zuzubewegen, der von vorne arbeitete.

Etwa 60 Minuten nach dem Anhalten hörte der Lokführer des M02712, während er noch Handbremsen betätigte, die Entlüftung der Bremsen und bemerkte, dass sich der Zug leicht vorwärts bewegte, bevor er schließlich losrollte. Kurz darauf alarmierte der Triebfahrzeugführer die Zugkontrolle, dass M02712 als "Ausreißer" unterwegs war. Das automatische Zugsicherungssystem löste eine Reihe von Notbremsungen aus, die jedoch ineffektiv waren.

Vier Minuten später berichtete der Triebfahrzeugführer des leeren Erzzugs (M02727) die Zugzentrale, dass das Bodenpersonal versehentlich Handbremsen an seinem Zug und nicht am M02712 gezogen hatte.

M02712 setzte seinen Weg als "Runaway" ohne Lokführer fort und erreichte eine Geschwindigkeit von 162 km/h, bevor er auf einer Steigung in Richtung Woodstock langsamer wurde.

Die Zugsteuerung hatte inzwischen die Weichen einer Überleitstelle zwischen benachbarten Gleisen bei Turner South und Turner North so geschaltet, dass der M02712 entgleisen sollte. Der M02712 fuhr mit 144 km/h durch Turner South und entgleiste. Die führenden Lokomotiven fuhren weitere 1,6 km, bevor sie zum Stehen kamen.

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Die Entgleisung zerstörte zwei Lokomotiven, 245 Erzwagen und 2 km Gleisinfrastruktur in Turner Süd.

Die Untersuchung wird fortgesetzt und eine Reihe von Faktoren untersuchen, darunter die Auslegung der vom Betreiber verwendeten Zugbremssysteme und die Verfahren im Sicherheitsmanagementsystem des Betreibers.

Die Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen ist und das ATSB kann noch nicht bestimmen, welche weiteren Informationen zu diesem Zeitpunkt öffentlich werden können.

WKZ, RL, Quelle ATSB

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Letzte Änderung am Mittwoch, 13 März 2019 19:20