english

Montag, 17 Juni 2019 07:05

Vereinigte Staaten: US-Freiheitsgas soll per Bahn nach Europa transportiert werden

tank

Foto PHMSA.

Am 6. Juni gab die U.S. Pipeline and Hazardous Materials Safety Administration (PHMSA) bekannt, dass das Unternehmen Energy Transport Solutions LLC (ETS) - eine Tochter der 2014 gegründeten und im Januar 2019 an die Börse gebrachten Energieentwicklungs-Firma New Fortress Energy - eine Sondergenehmigung für den Transport von verflüssigtem Erdgas (LNG) in 100 Wagen langen Ganzzügen zu ihren Exportanlagen beantragt hat. Derzeit ist dieser Transport per Bahn noch gesetzlich verboten, soll aber nun den Forderungen der Trump-Administration zufolge für den Export nach Übersee (Europa) ermöglicht werden.

Die Bekanntmachung im Bundesregister erfolgte mit einer Kommentierungsfrist bis zum 8. Juli. Derzeit erfolgt der Gastransport vorwiegend per Pipeline als Gas oder per LKW-Tankwagen in flüssiger Form. Laut PHMSA wäre der Transport von LNG auf der Schiene kostengünstiger und umweltfreundlicher. Darüber hinaus böten "die bestehenden regulatorischen Anforderungen, die den Verkehr mit kryogenen brennbaren Materialien regeln, voraussichtlich angemessene Sicherheitsmaßnahmen für LNG, das in DOT-113C120W-Tankwagen transportiert wird".

Die Genehmigungsunterlagen und die Umweltbewertung der PHMSA deuten nach Ansicht des sich für Klimaschutzfragen engagierenden Blogs "Desmog" darauf hin, dass die Bundesregulierungsbehörden, "anstatt aus den tödlichen Fehlern des im Wesentlichen unregulierten Ölpreisbooms zu lernen - bereit sind, es der fossilen Brennstoff- und Eisenbahnindustrie zu ermöglichen, das gleiche Geschäftsmodell mit LNG zu wiederholen, mit potenziell noch höheren Folgen für die öffentliche Gesundheit und Sicherheit".

Zu dem schlimmstmöglichen Unfall eines LNG-Zuges - dem BLEVE-Ereignis (boiling liquid expanding vapor explosion, Gasexplosion einer expandierenden siedenden Flüssigkeit) stellt die PHMSA fest: "Es gibt keine Testdaten oder mathematischen Modelle, um vorherzusagen, ob und wann ein LNG-Kesselwagen, der einem externen Brand ausgesetzt ist, einem BLEVE unterzogen wird." Reaktions- und Abhilfetechniken über die Evakuierung bei Verletzungen durch kryogene Kesselwagen hinaus "existieren nicht oder sind während eines Entgleisungsszenarios nicht praktikabel."

Nach der Zulassung soll in Eisenbahnkesselwagen zu transportierendes LNG vor allem für ausländische Märkte, also auch Europa, bestimmt sein. Dies folgt einer Anordnung von Präsident Donald Trump vom April dieses Jahres, die das DOT anweist, innerhalb von 100 Tagen eine Regel vorzuschlagen, die es ermöglicht, LNG in Eisenbahnkesselwagen zu transportieren und den Transport genauso zu behandeln wie andere kryogene Flüssigkeiten.

All dies steht auch in Übereinstimmung mit einer Ankündigung des US-Energieministeriums (DOE) vom 28.05.19, die Genehmigung zusätzlicher Exporte von inländisch produziertem Erdgas aus dem Freeport LNG Terminal auf Quintana Island, Texas, vorantreiben zu wollen: "Die Erhöhung der Exportkapazität aus dem Freeport LNG-Projekt ist entscheidend für die Verbreitung von Freiheitsgas in der ganzen Welt, indem den amerikanischen Verbündeten eine vielfältige und erschwingliche Quelle für saubere Energie zur Verfügung gestellt wird", heisst es dort. Das Energieministerium werde "alles in seiner Macht Stehende tut, um die Moleküle der US-Freiheit in die Welt zu exportieren."

Die US-LNG-Exportkapazität, die derzeit 5 Mrd. Kubikfuß pro Tag beträgt, soll sich bis Ende 2020 verdoppeln. Die U.S. Energy Information Administration erwartet einen weiteren Anstieg der inländischen Erdgasproduktion mit Rekorden von von 90,3 Bcf/d im Jahr 2019 und 92,2 Bcf/d im Jahr 2020.

Bei dem LNG handelt es sich um durch Fracking-Methoden freigesetztes Schiefergas, einer nicht sehr umweltfreundlichen Methode, bei der mit Chemikalien angereichertes Wasser in die Gesteinsschichten gepresst wird.

Die Erlaubnis zum LNG-Transport in Kesselwagen könnte sich für New Fortress Energy als sehr wertvoll erweisen. Das Unternehmen, das von dem Mitbegründer und Milliardär Wes Edens gegründet wurde, entwickelt Erdgasverflüssigungsanlagen in der Marcellus-Schieferregion in Pennsylvania mit der Kapazität von durchschnittlich 3,6 Mio. Gallonen LNG pro Tag, so ein aktuelles Finanzdokument. Die Fertigstellung der Anlage ist für Anfang 2021 geplant.

Im Januar 2019 schloss New Fortress Energy einen Vertrag in einen Hafen am Delaware River mit exklusiven Rechten zur Lieferung und Umladung von per LKW oder Bahn angefahrenem LNG auf Seeschiffe. ETS rechnet damit, dass bis zu sechs Sätze von 100-Wagen-Kesselzügen im LNG-Transport eingesetzt werden können.

WKZ, Quelle Freight Waves, US-Energieministerium

Zurück

Letzte Änderung am Montag, 17 Juni 2019 07:36