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Freitag, 12 Juli 2019 12:00

Südafrika: The Red Devil - Der rote Teufel

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Im Rahmen einer mehrtägigen FarRail-Tour fuhr die einzigartige Northern der SAR-Reihe 26 # 3450 am 20. Juni mit einem Güterzug von Worcester, Western Cape Province nach Ashton und zurück. Obwohl diese Strecke nicht authentisch für diese Lok ist, war es ein Genuss, sie wieder im Einsatz zu sehen. Die Maschine schien in guter Verfassung zu sein und hatte keine Probleme mit den teilweise starken Steigungen. Das sonnige Wetter war ein willkommener Bonus.

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Zwischen 1953 und 1955 lieferten Henschel und Sohn und die North British Locomotive Company (NBL) 140 2'D2'-Dampflokomotiven der Baureihen 25 und 25NC (“non condensing”) an die South African Railways. Sie waren mit den modernsten Einrichtungen wie einem einteiligen Stahlgussrahmen mit integrierten Zylindern, Rollenlagern an allen Achsen sowie mechanischer und Druckschmierung ausgestattet. Die letzte von Henschel gebaute 25NC erhielt die Betriebsnummer 3450, trug die Fabriknummer 28769 und wurde im Oktober 1953 in Betrieb genommen.

Obwohl sich das SAR-Management bereits entschieden hatte, die gesamte Dampftraktion durch elektrische und dieselelektrische Lokomotiven zu ersetzen, wollte der SAR-Ingenieur David Wardale zeigen, dass der Wirkungsgrad von Dampflokomotiven deutlich gesteigert werden konnte. 1979 erhielt er dann die Genehmigung, die 25NC # 3450 umzubauen. Die Umbauarbeiten hatten drei Hauptziele: 1) Verbesserung des Verbrennungswirkungsgrades und Erhöhung der Dampfproduktion, 2) Reduzierung der Rauchentwicklung und 3) Beseitigung von Klinkerproblemen in der Feuerbüchse.

Der Umbau, der in den Salt River Works der SAR in Kapstadt durchgeführt wurde, stützte sich auf die Theorien des argentinischen Ingenieurs L.D. Porta, mit dem Wardale während der Modifikation in Verbindung stand. Die Maschine wurde u. a. mit einem gaserzeugenden Verbrennungssystem (GPCS), verbesserten Kolbenschiebern, einer doppelten Lempor-Saugzug-Anlage zur Verbesserung der Leistungsabgabe der Zylinder und einem vergrößerten Überhitzer ausgerüstet. Der Doppelkamin bedingte eine Verlängerung der Rauchkammer nach vorne. Außerdem wurde der Umlauf etwas höher gelegt. Ein weiterer optischer Unterschied sind die vergrößerten Windleitbleche. Abgesehen von der Farbe waren dies die auffälligsten Unterschiede zur 25NC.

Die Vielzahl der Änderungen führte zum einzigen Exemplar der Baureihe 26, obwohl die ursprüngliche 25NC-Nummer 3450 beibehalten wurde. Die Lokomotive war in einer roten Farbgebung lackiert und erhielt den offiziellen Namen L.D. Porta, wurde aber unter dem Spitznamen Red Devil bekannt. Am Montag, dem 9. Februar 1981 beförderte die Maschine ihren ersten Dreiwagenzug nach Dal Josafat, etwa 66 km von Kapstadt entfernt. Die beeindruckende Maschine wurde auf den Strecken von Kimberley nach De Aar und Bloemfontein im Rahmen der laufenden Leistungsüberwachung eingesetzt.

Das Ergebnis im Vergleich zu den konventionellen 25NC-Maschinen war beeindruckend:

- Der Kohleverbrauch wurde um 30 % bei niedrigen Geschwindigkeiten und um 60 % bei hohen Geschwindigkeiten reduziert.

- Der Wasserverbrauch wurde um 20 % bis 40 % reduziert.

- Die Leistung betrug 3.000 kW, mehr als 4.000 PS.

Die Leistung bei hohen Geschwindigkeiten ließ erwarten, dass die Lokomotive über 160 km/h (100 mph) hätte fahren können. Entsprechende Testfahrten wurden jedoch nicht genehmigt; außerdem hätten auch die Treibräder mit nur 1.524 mm Durchmesser diese Geschwindigkeit wahrscheinlich verhindert.

- Der Schmieröl-Verbrauch wurde um ca. 26 % reduziert.

Ebenso beeindruckend ist, dass die Lokomotive in der Wartung und im Betrieb billiger war als die damals vorhandenen dieselelektrischen Lokomotiven.

Die große Zugkraft des Red Devils erwies sich aber auch als ihre größte Schwäche. Die 25NC-Loks waren bekannt für das Schleudern beim Beschleunigen und bei der wesentlich leistungsfähigere Reihe 26, mit im Wesentlichen den gleichen Abmessungen wie die 25NC, war es noch schlimmer. Sie schleuderte oft stark bei der Anfahrt oder bei niedrigen Geschwindigkeiten an starken Steigungen.

Obwohl sie zum Schluss die effizienteste und leistungsfähigste Dampflokomotive auf südafrikanischen Schienen war, hatten elektrische und dieselelektrische Elektrolokomotiven bereits Anfang der 80er Jahre den Dampf fast vollständig ersetzt und das Projekt wurde mit nur einem einzigen jemals gebauten Prototyp gestoppt. Wardale verließ Südafrika und verfolgte weitere Dampflok-Projekte in China und in den USA.

Nachdem der Red Devil zuletzt im November 2004 mit einem Sonderzug für Union Limited unterwegs war, wurde die Lok eingemottet und von privaten Enthusiasten im Auftrag der Transnet Heritage Foundation (THF) in der Monument Station von Kapstadt betreut. In November 2015 begannen Vertragsverhandlungen zwischen der THF und der neu gegründeten Ceres Rail Company, die die Lokomotive für Wochenendausflüge zwischen Kapstadt und Robertson wieder in Betrieb nehmen wollte. Am Freitag, dem 13. Juli 2018 absolvierte sie ihre erste Fahrt seit fünfzehn Jahren.

Aufgrund der Vereinbarung mit dem THF kann die Lok jedoch nur während der südafrikanischen Wintermonate eingesetzt werden. Auskunft über Fahrten (allerdings mit Personenwagen in einer roten Farbgebung): https://www.ceresrail.co.za 

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Letzte Änderung am Freitag, 12 Juli 2019 11:01