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Freitag, 01 November 2019 07:10

Kanada: Unfallort Lac-Mégantic soll eine Umfahrung erhalten

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Fotos CMQR.

Quebecs Umweltminister Benoit Charette hat am 24.10.19 den Bericht Büros für öffentliche Anhörungen zum Thema Umwelt (Bureau d'audiences publiques sur l'environnement, BAPE) über das Projekt einer Umfahrung von Lac-Mégantic vorgelegt.

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Grafik der Umfahrung (rot) und vorhandene Strecke (schwarz). Grafik BAPE.

Die fast 12,8 km lange Umgehungsstrecke stellt ein Projekt im Wert von 133 Mio. CAD (91 Mio. EUR) dar. Im vergangenen Mai hat sich die Regierung Trudeau verpflichtet, 60 % der Kosten zu zahlen, während Quebec den Rest bezahlen muss. Der Baubeginn ist für 2020 geplant.

Die neue Umgehungsstrecke umgeht die Innenstadt von Lac-Mégantic, wo 47 Menschen bei der Tragödie vom 06.07.2013 getötet wurden. In dieser Nacht geriet ein im Nachbarort Nantes geparkter Zug ohne Lokführer den Hang hinunter in Fahrt, bevor er im Stadtzentrum mit 5600 Einwohnern entgleiste und eine gigantische Explosion verursachte. Die 72 Waggons transportierten sechs Mio. Liter Rohöl.

Die an der Lac-Mégantic-Eisenbahntragödie beteiligte Bahnfirma Montreal Maine (MMA) ging kurze Zeit später bankrott. Die amerikanische Investorengruppe Railroad Acquisition Holdings, eine Tochtergesellschaft der Fortress Investment Group, hatte die bankrotte Eisenbahngesellschaft 2014 mit einem Abschlag von 17 Mio. CAD gekauft. MMA wurde zur Central Maine and Quebec Railway (CMQR) und fast 20 Mio. CAD wurden in die Sanierung der Schienen investiert.

CMQR steht Medienberichten zufolge derzeit wieder zum Verkauf. Da CMQR aber auch für die Projektleitung der Umfahrung verantwortlich ist, ist derzeit noch nicht sicher, ob diese planmäßig realisiert werden kann. Das Verkehrsministerium Transport Canada will sich nicht weiter zu einem möglichen Verkauf von CMQR äußern. Die beteiligten Regierungsebenen sind allerdings entschlossen, das Projekt innerhalb der Fristen durchzuführen und damit die Stadt Lac-Mégantic zu unterstützen.

Auch die Bevölkerung der Stadt ist nicht einheitlicher Meinung. Die Einwohner wollen nicht mehr, dass Züge durch die Innenstadt fahren, aber die Bürger haben Angst, dass eine neue Umfahrung zu nahe an ihren Häusern vorbeiführt. Mehrere Streckenverläufe standen zur Auswahl und das BAPE hat nun eine Entscheidung für die Route 2c gefällt.

Ungeachtet dieser Unsicherheiten muss der Umweltminister das Projekt nun genehmigen, was in den kommenden Monaten geschehen könnte.

WKZ, Quelle Radio Canada, BAPE, Journal de Montréal

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