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Freitag, 08 November 2019 07:10

Uganda: Aufbau des Eisenbahnnetzes aus eigener Kraft

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Fotos Matthias Hille, CC BY-SA 3.0 DE.

Uganda wird diesen Monat damit beginnen, sein jahrhundertealtes Schienennetz zu renovieren, um den Massenguttransport anzukurbeln, nachdem es nicht gelungen ist, 2,2 Mrd. USD an chinesischer Finanzierung für eine neue Standardspurlinie zu sichern.

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Grafik Uganda Railways Corporation.

Die Rehabilitierung wird in Phasen über mehrere Jahre hinweg durchgeführt und kostet mindestens 241 Mrd. EUR, sagte Charles Kateeba, Geschäftsführer der staatlichen Uganda Railways Corporation URC, gegenüber Reuters. Die Europäische Union hat einen Zuschuss von 21,5 Mio. EUR gewährt, und die Eisenbahngesellschaft spricht außerdem mit internationalen Entwicklungsgeldgebern.

Die ehemalige Kolonialmacht Großbritannien baute vor einem Jahrhundert das 1.266 Kilometer lange Netz, vor allem zum Transport von Kupfer und anderen Gütern. Aber das Netzwerk verfiel in den Jahren des politischen Umbruchs und der wirtschaftlichen Instabilität, so dass derzeit nur 265 Kilometer nutzbar sind.

"Aufgrund mangelnder Wartung im Laufe der Jahre ist der größte Teil des Netzwerks inzwischen außer Betrieb", sagte Kateeba. "Wir werden einige Bereiche ersetzen, die entweder von Vandalen entfernt wurden oder stark abgenutzt sind."

Die französische Vinci-Tochter Sogea-Satom wird die Arbeiten übernehmen, zu denen der Einbau von Steinschotter, die Neuverlegung von Gleisen und die Reparatur von etwa 500 Güterwagen gehören.

Im Inland wird die URC mit der Sanierung der Strecke zwischen den Städten Tororo (an der Grenze zu Kenia) und Gulu (im Norden des Landes) beginnen, ein Projekt, das 37 Mio. EUR kosten wird. Hinzu kommt ein neues multimodales Frachtzentrum in Gulu, ein Projekt im Wert von 18 Mio. USD, das im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft durchgeführt wird.

Personenverkehr in Kampala

Im Großraum der ugandischen Hauptstadt Kampala werden die Strecke nach Port Bell und Namanve modernisiert. Auch die Passagiere profitieren von dieser Verjüngung. "Vor 1997 hatte die Uganda Railways einen nationalen Personenverkehr, der das gesamte Netz abdeckte", erklärt Kateeba. "Es gab einen rudimentären Stadtservice mit der lokalen Bezeichnung Kayoola. Er wurde mit umgebauten Viehwaggons bereitgestellt, in denen die Passagiere im Stehen reisen konnten." Seitdem wurde ein neuer Service eingeführt, der sowohl Sitz- als auch Stehplätze für Passagiere bietet und sich 14 Kilometer östlich von Kampala erstreckt. Geplant ist eine Verlängerung nach Westen und Süden (Port Bell) um rund neun Kilometer in jede Richtung.

"Unser Ziel ist es, einen Service anzubieten, der Kampala komplett entflechtet, wo eine 15 Kilometer lange Reise bis zu vier Stunden dauern kann. Wir hoffen, dies auf maximal 30 Minuten zu reduzieren, indem wir die Strecke verbessern und moderne und schnellere Dieseltriebzüge einsetzen."

Die Erweiterung der Dienstleistungen in und um Kampala wird voraussichtlich etwa 55 Mio. USD kosten, wobei die URC auch plant, die Mitarbeiterzahl von 450 auf 700 zu erhöhen.

Hoffnung auf die Normalspurbahn

Die ugandischen Behörden verhandelten seit mehr als fünf Jahren mit China und hoffen auf Mittel für den Bau einer eigenen Normalspurbahn (Standard gauche Rail, SRG). Aber Kateeba sagte, dass mehrere Faktoren, einschließlich der verzögerten Ölproduktion in Uganda, ein Kreditgeschäft verzögerten. "Uganda hat einen Anteil von 82,1 Prozent am Transitmarktanteil im Hafen von Mombasa und liegt im Zentrum Afrikas. Es hat das Potenzial, den Kontinent vom Atlantik bis zum Indischen Ozean besser zu verbinden als jedes andere Land.

Uganda entdeckte vor mehr als 12 Jahren im Westen Erdöl in einer Größe von 6 Mrd. Barrel, aber Meinungsverschiedenheiten zwischen der Regierung und den Ölfirmen über Steuer- und Entwicklungsstrategien haben die Produktion immer wieder verzögert. Die ugandische Regierung sagt nun, dass sie frühestens 2022 mit dem Produktionsstart rechnet. Wenn die Ölförderung begonnen hätte, sagte Kateeba, könnte sich Uganda den chinesischen Kredit leisten. Derzeit prüft China noch, ob die Kosten gesenkt oder die Umsetzungsphase verschoben werden könnte.

Uganda als Logistikdrehscheibe

Laut Charles Kateeba muss Uganda seine Rolle als zentrale Logistikdrehscheibe für Afrika ausbauen. "Ich glaube, dass das wirtschaftliche Überleben Ugandas von einem leistungsfähigen Eisenbahnnetz abhängt, das uns mit den Häfen von Mombasa und Dar es Salaam verbindet. Deshalb muss die Eisenbahn immer weiter ausgebaut werden, um eine Verbindung zu allen unseren Nachbarländern wie der Demokratischen Republik Kongo, Ruanda und dem Südsudan herzustellen. Unterstützt wird dies durch ein gut ausgebautes Logistikzentrum und verbesserte Wassertransportleistungen am Lac Victoria und Lac Albert sowie am Nil."

WKZ, Quelle Reuters, AfricaOutlook

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