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Freitag, 07 Februar 2020 11:00

Kanada: Bombardier wird ein Dilemma für die Regierung - Heisst die Hoffnung Textron?

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Fotos Bombardier.

Wie kann Bombardier geholfen werden, ohne die Opposition und die öffentliche Meinung zu verärgern? Die beiden Regierungen von Kanada und Quebec sind einerseits ratlos und ziehen andererseits "alle Möglichkeiten" in Betracht. Radio Kanada spricht von einem "Dilemma", die Zeitung La Presse sieht eine "kollektiven Hysterie" in Bezug auf die Frage, ob der Staat Bombardier helfen soll oder das Unternehmen sich auf einen größeren Verkauf von Vermögenswerten vorbereiten muss.

Massive Investitionen in die Entwicklung der C-Serie, der Global 7500-Geschäftsflugzeuge und des Learjet 85 haben die Schulden des Unternehmens auf 9 Mrd. USD erhöht. Zwei Optionen scheinen nun zu bestehen: Entweder verkauft Bombardier seinen Geschäftsbereich Transportation an Alstom, oder es verkauft seinen Geschäftsbereich Business Aircraft an den amerikanischen Konzern Textron, für den es bis zu 7 Mrd, USD erhalten könnte. Die letztere Möglichkeit ist für viele ein Problem, da diese Abteilung mehr als 10.000 Menschen in der Gegend von Montreal beschäftigt, während die Transportsparte nur 1.500 Arbeitsplätze bietet, davon viele im Werk La Pocatière.

Andererseits wird ein Verkauf der Bahnsparte durch die 30%ige Beteiligung der Caisse de dépôt an Bombardier Transportation erschwert, die diese 2016 mit einer Kapitalspritze von 1,5 Mrd. USD übernommen hat. Diese Beteiligung ist mit der Erreichung einer garantierten jährlichen Rendite von 15% verbunden. Wird Alstom eine solche Partnerschaft beibehalten wollen, fragt der Kommentator von La Presse?

Am Dienstag (04.02.2020) wurde über Gespräche zwischen Bombardier und dem amerikanischen Unternehmen Textron im Hinblick auf den Verkauf seiner Geschäftsflugzeugsparte berichtet. Diese neue Episode hat den Fall Bombardier wieder auf die politische Tagesordnung in Quebec City und Ottawa gebracht. In der Nationalversammlung wurde der Fall am Mittwoch (05.02.2020) von der Opposition und der Regierung zur Sprache gebracht.

Quebecs Premierminister François Legault betonte, dass die Erhaltung der Arbeitsplätze von Bombardier für ihn Priorität habe, aber er glaubt, dass Entscheidungen getroffen werden müssen. "Wir wägen die verschiedenen Szenarien ab. Es ist klar, dass es derzeit 13.000 Arbeitsplätze in der Flugzeugabteilung in Quebec gibt, während es in der Bahnabteilung nur 1.000 Arbeitsplätze gibt. Aber das Potenzial liegt auf der Seite der Bahn, so dass die Antwort nicht offensichtlich ist."

In Ottawa blieb Premierminister Justin Trudeau hinsichtlich der föderalen Position vage. "Wir haben bereits stark in die Luft- und Raumfahrtindustrie investiert, und wir wissen, dass es in Quebec und im ganzen Land eine Menge guter Arbeitsplätze gibt. Bombardier muss Entscheidungen treffen. Aber wir werden da sein, um die Luft- und Raumfahrtindustrie und die Arbeitnehmer zu unterstützen."

Quebecs Wirtschaftsminister Pierre Fitzgibbon sagte, dass Bombardier bald sein bevorzugtes Szenario für den nächsten Ausweg aus der Krise enthüllen werde. Der Kommentator von La Presse fragt dazu: "Wird es das letzte sein?

Der Kommentator vom Journal de Montréal spricht sich gegen eine Hilfe des Staates aus: "Was garantiert der Regierung, dass eine neue Zuführung von öffentlichem Kapital zu Bombardier das Unternehmen wieder auf Kurs bringen wird? Leider nichts! Wenn eine Reinvestition in Bombardier eine so gute Investition darstellte, warum investierte die wohlhabende Familie Beaudoin-Bombardier dann nicht selbst in das Überleben ihres multinationalen Konzerns?"

WKZ, Quelle Radio Canada, La Presse, Journal de Montréal

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