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Montag, 17 Februar 2020 08:00

Kanada: Pipeline-Proteste legen den Fern- und Güterverkehr lahm

Ein kleiner Protest in Ontario im Osten Kanadas, der die Bemühungen der Indigenen im Westen des Landes unterstützt, eine Tausende von Kilometern entfernte Pipeline zu blockieren, hat in Kanada zu großen Störungen im Eisenbahnverkehr geführt. Die Schließung des östlichen Eisenbahnnetzes durch den Infrastrukturverwalter Canadian National (CN), Probleme mit dem Wareneingang in den Häfen, eine mögliche Propanknappheit, die Verlagerung von Verkehrsströmen und die Androhung der zeitweiligen Entlassung von 6000 Eisenbahnern sorgen für wirtschaftliche Turbulenzen.

Die Mohawks von Tyendinaga (Ontario) protestieren gegen die 416 Meilen lange, 6,2 Mrd. CAD (4,3 Mrd. EUR) teure Küsten-Gasleitung im Westen Kanadas, die vom Norden Britisch-Kolumbiens zu einer Erdgasanlage in der Nähe von Kitimat, Britisch-Kolumbien, führt. Sie haben Schneepflüge, Fässer und Holzbarrikaden eingesetzt, um die Gleise zu blockieren. VIA Rail hatte darauf hin am Donnerstag (13.02.2020) alle Verkehre durch das Land ausgesetzt.

Sowohl British Columbia als auch die gewählten Band Councils der Wet'suwet'en First Nation - der nach kanadischem Recht eingerichteten Führung - haben das Pipeline-Projekt unterzeichnet. Aber ein anderer Zweig der Wet'suwet'en, die Erbhäuptlinge (Hereditary Chiefs), sagt, die Pipeline würde ihr traditionelles Land verändern; sie protestieren seit über einem Jahr in einem Lager auf der Baustelle. Letzte Woche versuchte die Polizei, ein Protest-Camp zu entfernen, worauf Sympathiesanten im ganzen Land ihre eigenen Blockaden an Transportwegen einrichteten, so zuerst in Tyendinaga in Ontario.

Hunderte von Güterzügen wurden blockiert, und die Häfen im Osten Kanadas wurden vom Rest Kanadas und den Vereinigten Staaten isoliert. Die Fabriken haben sich auf Lieferunterbrechungen auf die Schließung eingestellt. "Von diesen Blockaden sind nicht nur Personenzüge betroffen, sondern alle kanadischen Lieferketten," sagte JJ Ruest, Präsident und Geschäftsführer von Canadian National.

In einer Pressemitteilung beklagt CN, dass die gerichtlichen Verfügungen, die das Unternehmen beantragt und erwirkt hat, in Ontario nicht durchgesetzt wurden und von den Demonstranten weiterhin ignoriert werden. "Angesichts der mehr als 400 Zugausfälle seit der letzten Woche und neuer Proteste an strategischen Orten auf unserer Hauptstrecke haben wir beschlossen, dass eine schrittweise Einstellung unserer Operationen in Ostkanada der verantwortungsvolle Ansatz für die Sicherheit unserer Mitarbeiter und der Demonstranten ist." CN sagte, dass die Entscheidung bald zu vorübergehenden Entlassungen unter seinen operativen Mitarbeitern in Ostkanada führen könnte. Die Gewerkschaft Teamster ist besorgt, dass bis zu 6.000 Eisenbahner entlassen werden könnten.

Die Dienste von VIA Rail und Amtrak wurden sogar in ganz Kanada vollständig eingestellt. In einer Pressemitteilung von VIA Rail heisst es: "Nach einer Mitteilung des Eigentümers der Infrastruktur, CN Rail, dass sie nicht mehr in der Lage sind, ihre Verpflichtungen aus dem Train Service Agreement zwischen VIA Rail und CN Rail zu erfüllen, hat VIA Rail keine andere Möglichkeit, als alle ihre Dienstleistungen auf dem Netz mit Ausnahme von Sudbury-White River (CP Rail) und Churchill-The Pas (Hudson Bay Railway) bis auf weiteres einzustellen."

Damit entfällt der Intercity-Dienst von VIA Rail auf dem gesamten kanadischen Netz. Die Passagiere mussten mit dem Busverkehr Vorlieb nehmen. Keolis fügte am Donnerstag 12 weitere Fahrten auf der Strecke Montréal - Québec und am Freitag 22 weitere Fahrten hinzu.

Die Regierung Trudeau setzt weiterhin auf Dialog und Konsens. Seit seiner ersten Wahl im Jahr 2015 versucht Herr Trudeau, sich mit Kanadas indigenen Völkern für vergangene Fehler zu versöhnen und gleichzeitig die wirtschaftlich wichtige Öl- und Gasindustrie des Landes aufrechtzuerhalten. "Ich bin sehr besorgt über die Proteste, es geht um Arbeitsplätze und Lebensgrundlagen", sagte Verkehrsminister Marc Garneau. Er sei jedoch "optimistisch, durch Dialog Lösungen zu finden".

"Sie kamen mit den Streitkräften, um friedliche Menschen zu entfernen, die zur rechten Zeit und aus den richtigen Gründen das Richtige tun", sagte Na'Mok, einer der Häuptlinge der Wet'suwet'en, gegenüber dem Nachrichtenmagazin NPR. "Wir schützen das Land, die Luft, das Wasser, unsere Rechte und unseren Titel als Erbhäuptlinge und wir üben unsere Gerichtsbarkeit aus."

WKZ, Quelle VIA, CN, New York Times, NPR

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