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Montag, 23 Oktober 2017 09:34

Kanada: Wie wirkt sich der Zusammenschluss von Airbus und Bombardier aus?

Der Zusammenschluss von Airbus und der Luftfahrtsparte von Bombardier hat in der globalen Luft- und Raumfahrtindustrie zu viel Aufsehen geführt. Die kanadische Zeitung La Presse spricht von einem "großen Coup für Bombardier und hartem für Boeing". Airbus-Chef Tom Enders sagte am Freitag, dass er der Meinung sei, dass Analysten die Nachfrage nach Flugzeugen der Bombardier C-Serie unterschätzen und dass er davon ausgehe, dass die Gruppe "Tausende" von Flugzeugen dieses Modells verkaufen werde. "Airbus weiß, wie man Single-Aisle-Flugzeuge verkauft," sagte er vor der Handelskammer von Montreal.

Ob die Flugzeuge weiterhin unter der Marke von Bombardiers C-Serie vermarktet werden, ist bisher noch nicht zur Sprache gekommen. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg sagte Tom Enders aber, er wolle "dafuer sorgen, dass seine Marke auf diesem Flugzeug sichtbar wird".

Was bedeutet der Verkauf für die einzelnen Betroffenen?

Bombardier: Die Quebecer Firma ist diejenige, deren Aktien am meisten von der Transaktion profitierten. Der Einfluss von Airbus sei den Analysten zufolge für Bombardier positiv, weil er eine starke Validierung darstellt und zudem den Vorteil bringt, dass Airbus sein Modell A319neo zurückstellen wird.

• Airbus: Die C-Serie ist ein gutes Flugzeug, das von allen Seiten auf einer kürzlich abgehaltenen Fluggesellschaften-Konferenz begrüßt wurde. Für Airbus ist die Entwicklung einer kleineren Version des nächsten A320-Nachfolgers nicht mehr erforderlich.

• Boeing: Boeing hat sich Analysten zufolge "in eine Situation gebracht, an der die Firma niemandem außer sich selbst die Schuld geben kann, indem sie dem Hauptkonkurrenten Airbus einen großen Sieg beschert hat". Kurzfristige negative Auswirkungen auf das Unternehmen sind jedoch nicht absehbar. Die Allianz zwischen Bombardier und Airbus sollte Boeing ermutigen, sich schnell bei Embraer umzuschauen.

• Kanada: Kanada wird das fünfte "Heimatland" der Airbus-Familie, das erste außerhalb Europas. Diese Partnerschaft ist ein wichtiger Schritt in dem Bestreben von Airbus, seine langfristige Präsenz in ganz Kanada auszubauen, was sich positiv auf die gesamte Luftfahrtlieferkette in Quebec auswirken werde.

• Großbritannien: Premierministerin Theresa May stützt sich auf eine Koalition mit der regionalen Partei DUP in Nordirland, wo Bombardiers Werk liegt, das die Tragflächen der Flugzeuge der C-Serie als dort größter Arbeitgeber liefert. Deshalb sollte das Werk in Belfast die rund 1.000 damit verbundenen Arbeitsplätze erhalten können.

• China und Russland: Diese beiden Länder waren auch an der Produktion von Single-Aisle-Jet-Flugzeugen interessiert und haben eine große Chance verpasst, sich Bombardier Technologie und Know-how anzueignen.

WKZ, Quelle La Presse, La Tribune

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