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Dienstag, 07 November 2017 07:30

Indien: Streit um Ausschreibung über 717.000 t Schienen

Indien steht vor einem Dilemma: Das indische Eisenbahnministerium, das das viertgrößte Eisenbahnnetz der Welt verwaltet, soll nach einer Reihe von Unfällen die veralteten Gleise des Landes erneuern, aber der Mangel an Stahl, der von der staatlichen Steel Authority of India Ltd (SAIL) produziert wird, bremst den Fortschritt. Im September wurde Piyush Goyal zum neuen Eisenbahnminister ernannt, der ein fünfjähriges Modernisierungsprogramm für 92.000 km Gleise der indischen Eisenbahnen im Wert von 130 Mrd. USD durchführen soll. Indiens Stahl- und Eisenbahnministerien streiten sich nun über den Vorschlag, dringend benötigte Schienen in Übersee zu kaufen, was die Bemühungen von Premierminister Narendra Modi zum Aufbau wichtiger Infrastrukturen "Made in India" untergraben würde.

Für das Geschäftsjahr 2017/18 wird SAIL laut einem Schreiben der indischen Eisenbahnen an das Stahlministerium voraussichtlich 920.000 t liefern können, was nur 65 Prozent des benötigten Bedarfs entspricht. Im Jahr 2018/19 wird SAIL voraussichtlich 1,3 Mio. t liefern, was unter den 1,5 Mio. Tonnen liegt, die von den Bahnen angefordert wurden, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters.

"Wir brauchen Schienen. SAIL kann die Schienen nicht liefern,", sagte Ashwani Lohani, der Vorsitzende des Railway Board, das die indischen Eisenbahnen für das Eisenbahnministerium leitet. Am 18. Oktober hat Indian Railways deshalb eine Ausschreibung über 717.000 Tonnen Stahlschienen ausgeschrieben, die zum ersten Mal auch an Firmen im Ausland gerichtet war. Die Ausschreibung könnte für globale Stahlgroßkonzerne wie ArcelorMittal und Thyssenkrupp einen Wert von schätzungsweise 30 Mrd. Rupien (464 Mio. USD) haben.

Das indische Stahlministerium forderte die indischen Eisenbahnen darauf hin auf, nicht gegen eine Politik "Make in India" zu verstoßen, nach der für alle Infrastrukturprojekte im Wert von mehr als 500 Mio. Rupien der Einsatz von lokal hergestelltem Stahl erforderlich ist. Indian Railways entgegnete, dass die Sicherheit der Fahrgäste eine Ausnahme rechtfertige. Die Regierung könnte eine Ausnahme zulassen, wenn es zu Engpässen kommt oder bestimmte Stahlsorten nicht verfügbar sind.

Die indische Privatfirma Jindal Steel and Power bot als einzige inländische Alternative ihre Dienste an, aber ihr ermangel es an Erfahrung am Bau von Schienen.

WKZ, Quelle Reuters

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