english

Montag, 14 September 2020 08:00

Australien: Adani gründet heimlich eigene Eisenbahngesellschaft zum Kohletransport

adani2adani1
Fotos Bowen Rail Company, #StopAdani movement.

Unter dem Schleier des neu gegründeten Bahnbetreibers Bowen Rail Company will Adani die Kohle der Carmichael-Mine selbst zum Hafen Abbot Point transportieren. Es scheint, dass Adani versucht hat, diesen Zusammenhang zu verbergen, doch Recherchen australischer Medien zeigen, dass die Direktoren der Bowen Rail Company leitende Mitarbeiter von Adani in Australien sind. Für Adani ergeben sich Probleme mit steigenden Kosten der Kohleförderung.

Die Bowen Rail Company Pty Ltd (BRC) hat beim Office of the National Rail Safety Regulator (ONRSR) eine Akkreditierung als Betreiber von Schienenfahrzeugen beantragt. Das in Bowen ansässige Unternehmen gab in einer Pressemitteilung vom 17.08.2020 bekannt, dass es sich auf die Bedienung des Abbot Point-Terminals konzentrieren wird. Eine Verbindung mit Adani und der Carmichael-Mine wird nicht erwähnt:

"Ein neues Eisenbahnunternehmen mit Sitz in Bowen soll den Queenslandern Arbeitsplätze und Chancen bieten. Der anfängliche Schwerpunkt der Bowen Rail Company wird darin bestehen, mit der technologisch fortschrittlichsten Schienenflotte der Branche Speditionsdienste zum bestehenden Abbot-Point-Exportterminal anzubieten. David Wassell, Leiter der Projektabwicklung bei der Bowen Rail Company, sagte, das Unternehmen habe seine eigenen hochmodernen Lokomotiven und rollendes Material gekauft. Die ersten vier Lokomotiven sollen 2021 eintreffen."

Der neue Bahnbetreiber beschreibt seine Tätigkeit wie folgt: "Wir sind ein innovatives neues Unternehmen und wir planen, führende Technologie zu nutzen, um Ressourcen aus den Bergwerken in Queensland für den Export effizient zu transportieren. Durch die Ansiedlung unseres Unternehmens in Bowen werden wir Teil der lokalen Gemeinschaft sein und dem Herzen der Rohstoffindustrie in Queensland nahe sein. Wir werden eine Schlüsselrolle bei der Bedienung der internationalen Nachfrage nach australischen Ressourcen spielen und die Wirtschaft zu einer Zeit unterstützen, in der sie am meisten gebraucht wird."

BRC ist auf der Suche nach Mitarbeitern: "Wir wollen den Einwohnern von Queensland Möglichkeiten und Wege bieten und werden Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund, Alter, Erfahrung und Geschlecht einstellen. Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass etwa die Hälfte unserer Belegschaft aus Mitarbeitern besteht, die neu in die Bahnbranche kommen."

Doch australische Medien wie ABC wurden hellhörig. Weder in der Medienmitteilung noch auf der Website des Unternehmens werden Adani oder die Carmichael-Mine erwähnt. Aus Firmenrecherchen ging jedoch hervor, dass BRC über zwei Holdinggesellschaften in Singapur im Besitz eines Unternehmens der Adani-Gruppe in Indien, Adani Ports and Special Economic Zone Limited, ist.

Die Recherchen zeigen ferner, dass die Direktoren von BRC alle leitende Mitarbeiter von Adani in Australien sind. Es handelt sich dabei um den Geschäftsführer von Adani Australia, Jeyakumar Janakaraj, den Geschäftsführer der Infrastruktur von Adani Enterprises, Trista Brohier, den Geschäftsführer von Adani Australia, Samir Vora, und den Finanzmanager von Adani Abbot Point Operations, Damien Dederer.

Die Biographien der Mitarbeiter auf der BRC-Website erwähnen diese Verbindungen mit Adani nicht. In der Biografie von David Wassell heißt es, dass "David vor seinem Eintritt in die Bowen Rail Company die Position des nationalen Managers für die Entwicklung der Versorgungskette bei Asciano" innehatte und "wichtige Projekte zur Geschäftsentwicklung und Geschäftsumwandlung für die Transport- und Logistikunternehmen Asciano, Pacific National und Aurizon" betreute. Erst in seinem LinkedIn-Profil ergibt sich der Hinweis, dass er drei Jahre lang als Manager des Bahnbetriebs bei Adani Australia gearbeitet hat.

Berichten der ABC zufolge hätten mehrere Eisenbahngesellschaften es bisher abgelehnt für Adani zu fahren, darunter Genesee & Wyoming Australia, Aurizon und Pacific National. Diese wurden von Umweltorganisationen unter Druck gesetzt, sich nicht am Kohletransport für die Carmichael-Mine von Adani zu beteiligen, ganz im Gegensatz zu Siemens, dass einen Vertrag zur Einrichtung der Signalisierung auf der neuen Bahnverbindung unterzeichnet hatte.

adani
Grafik WKZ.

Adanis gegenwärtiger Plan hängt vom Bau einer 189 km langen Eisenbahnlinie von der Mine zum Anschluss an das Central Queensland Coal Network von Aurizon ab, das bis Abbot Point führen soll. Der Sprecher von Aurizon sagte, man sei gesetzlich verpflichtet, alle Anträge auf Zugang zu prüfen, sie aber auch vertraulich zu behandeln.

Adani hatte zuvor geplant, eine eigene, 388 km lange Strecke zu bauen, um bis zu 30 Mio. t Kohle pro Jahr zu transportieren. Das Unternehmen sah sich jedoch gezwungen, seine Pläne zurückzuschrauben, nachdem sich der auserwählte Bauunternehmer Downer nach Protesten der Umweltaktivisten zurück zog.

Adani scheut sich inzwischen nicht einmal, zivilrechtlich gegen einzelne Umweltaktivisten wie Ben Pennings vorzugehen. Die Reduzierung auf 10 Mio. t Kohle pro Jahr hätte "zu einem Anstieg der Kapitalkosten pro Tonne Kohle um mindestens 15 Prozent geführt hat". Adani sei "nicht immer in der Lage gewesen, so genannte Tier-1-Unternehmen oder die Branchenführer zu verpflichten", was seine Risiken erhöht und seine Versicherungskosten "erheblich" in die Höhe getrieben habe, sagte sein Anwalt in einer eidesstattlichen Erklärung.

Ein weiterers Problem zeigt sich: Die Verbindung zwischen BRC und Adani Ports könnte Investoren und Banken von einer weiteren Finanzierung von Adani Ports abzuhalten. Dies ist besonders für die Banken relevant, die Anleiheemissionen für Adani Ports arrangiert haben und die die Finanzierung von Carmichael-Kohle und des Abbot-Point-Hafens ausgeschlossen haben. Bei diesen Banken handelt es sich um DBS, JP Morgan, Standard Chartered, Deutsche Bank, Barclays, Citi und Credit Suisse. 

WKZ, Quelle Bowen Rail Company, ABC, Market Forces

Zurück

Letzte Änderung am Montag, 14 September 2020 08:24