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Freitag, 30 April 2021 07:00

Kanada/Mexiko/Vereinigte Staaten: Der Kampf zwischen CP und CN um KSC wird härter

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Fotos KCS.

Der Tonfall zwischen den beiden größten Eisenbahnen des Landes, Canadian National (CN) und Canadian Pacific (CP), die sich dezeit ein Duell um die US-Bahngesellschaft Kansas City Southern (KCS) liefern, steigt zusehends. Die Bahnanlagen von KCS in Mexiko sind für beide Unternehmen ein begehrtes Übernahmeziel. Beide kanadischen Eisenbahnen wollen jeweils ein Netz besitzen, das über Kanada und die Vereinigten Staaten bis nach Mexiko führt.

Ende März einigten sich CP und KCS auf ein Fusionsgeschäft, bei dem CP die KCS-Aktien in einer Bargeld-Transaktion im Wert von 29 Mrd. USD erwerben würde, einschließlich etwa 3,8 Mrd. USD ausstehender Schulden von KCS. Einige Wochen später unterbreitete CN einen Vorschlag, den es als "überlegen" bezeichnete, um sich mit KCS in einer Bar- und Aktien-Transaktion im Wert von 33,7 Mrd. USD zusammenzuschließen. Finanzanalysten fragen sich jetzt, ob CP den Einsatz erhöhen wird, was bisher nicht geschehen ist.

Letzte Woche feuerte CP-CEO Keith Creel mehrere Pfeile auf seinen Rivalen ab. Insbesondere hatte er Zweifel an der Umsetzung des eingereichten CN-Angebots geäußert und angedeutet, dass es die Zustimmung der US-Regulierungsbehörden wegen seiner negativen Auswirkungen auf den Wettbewerb nicht erhalten würde. Creel hatte gesagt, dass ein Zusammenschluss der CN- und KCS-Aktivitäten das Gleichgewicht des nordamerikanischen Eisenbahnnetzes destabilisieren würde, das bisher zwei Jahrzehnte lang einer weiteren Konsolidierung der sechs größten Eisenbahnen standgehalten hat. Er fügte hinzu, dass dies CP benachteiligen würde, da CP dann auf dem nordamerikanischen Markt der "odd man out" (das fünfte Rad am Wagen) wäre.

In einem Brief an den KCS-Vorstand schlug Jean-Jacques Ruest, Präsident und CEO der CN, einen Tag später auf die CP ein und beschuldigte sie, die Investoren mit einer Vielzahl von falschen und unbegründeten Anschuldigungen abzulenken. Die Angebote von CP sollen nicht den KCS-Aktionären zugute kommen, sondern vielmehr den Interessen von CP dienen und die KCS-Aktionäre um den vollen Wert ihrer Aktien bringen. Der von CN vorgeschlagene Zusammenschluss liege eindeutig im öffentlichen Interesse, werde den Wettbewerb stärken und erhebliche Vorteile für Kunden, Gemeinden und Mitarbeiter bringen, so Ruest.

Eine Rolle in der Entscheidungsfindung dürften auch die Kunden der Bahngesellschaften spielen. Bislang haben die US-Regulierungsbehörden mehrere hundert Briefe von Bahnkunden erhalten, die CP unterstützen. Doch auch CN gab erst gestern (29.04.2021) bekannt, dass ihr Vorschlag aufgrund umfangreicher und wettbewerbsfördernder Vorteile weiterhin überwältigende Unterstützung von Kunden, Lieferanten, gewählten Vertretern und anderen Interessengruppen erhält. CN hat mehr als 200 zusätzliche Briefe zugunsten des beim amerikanischen Surface Transportation Board (STB) eingereichten geplanten Zusammenschlusses von CN und KCS erhalten. Damit erhöht sich die Gesamtzahl der Unterstützungsschreiben, die CN in etwas mehr als einer Woche seit der Veröffentlichung des Vorschlags erhalten hat, auf über 600. Dies übertrifft bei weitem die Anzahl der Schreiben, die CP in über fünf Wochen erhalten hat.

Am Samstag (24.04.2021) teilte KCS schließlich mit, dass  das Board of Directors nach Rücksprache mit den externen Rechts- und Finanzberatern des Unternehmens einstimmig beschlossen hat, dass das unaufgeforderte Angebot der Canadian National Railway vernünftigerweise zu einem "Company Superior Proposal" (besseren Übernahmeangebot) gemäß der Definition im Fusionsvertrag von KCS mit CP führen könnte. KCS beabsichtigt, CN nicht-öffentliche Informationen zur Verfügung zu stellen und mit CN in Gespräche und Verhandlungen über den Vorschlag einzutreten, jeweils vorbehaltlich der Anforderungen des CP-Fusionsvertrags.

"Wir unterstützen KCS voll und ganz bei der Prüfung des Angebots von CN", kommentierte dies CP-CEO Keith Creel. "Wir sind zuversichtlich, dass sie durch diesen Prozess erkennen werden, dass dieses unaufgeforderte Angebot mit Herausforderungen, Ungewissheiten und regulatorischen Risiken behaftet ist, die bei einer nahtlosen, wettbewerbsfördernden und serviceorientierten Kombination von CP und KCS nicht vorhanden sind."

Canadian Pacific hat erklärt, dass ein Zusammenschluss von KCS und CN dem Wettbewerb schaden würde, da diese beiden Unternehmen über Bahnstrecken verfügen, die um den Verkehr zwischen dem Mittleren Westen und der Golfküste konkurrieren. Das Streckennetz von CP sei dagegen mit dem von KCS nur in der Nähe des Hauptsitzes in Kansas City, Missouri, verbunden, aber die beiden Bahnen überschneiden sich sonst nicht.

Ein erfolgreicher CP-Deal würde andererseits bedeuten, dass Minneapolis nicht mehr der Hauptsitz des Unternehmens in den USA wäre. Ungefähr 700 CP-Mitarbeiter arbeiten in den Twin Cities Minneapolis und Saint Paul, darunter etwa 500 im Gleisbauwerk in St. Paul und an anderen Standorten in den Twin Cities. Die Auswirkungen eines Umzugs des Hauptsitzes nach Kansas City auf die Mitarbeiter in den Twin Cities sind noch unbekannt.

CP begrüßte am Samstag (24.04.2021) außerdem, dass die US-Aufsichtsbehörde Surface Transportation Board (STB) eine Ausnahmeregelung bestätigte, die KCS von den gleichen Prüfungen befreit, denen größere Eisenbahnen bei geplanten Fusionen ausgesetzt sind. Das STB hatte KCS, der kleinsten der Class-1-Eisenbahnen, im Jahr 2001 eine Ausnahme von neu eingeführten Fusionsregeln gewährt, weil eine Kombination, an der KCS beteiligt ist, nicht die gleichen Bedenken hervorruft, die eine Transaktion zwischen größeren Eisenbahnen hervorrufen könnte. Verschiedene Verlader und vier Eisenbahnen der Klasse I hatten auf eine STB-Prüfung der CP-KCS-Fusion gedrängt.

WKZ, Quelle KCS, CP, CN, KCS, Ici Radio Canada, Twincities.com

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Letzte Änderung am Freitag, 30 April 2021 08:13