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Montag, 18 Dezember 2017 07:15

Kanada: Plädoyers im Prozess Lac-Mégantic auf Januar vertagt

Die Anwälte der drei ehemaligen Mitarbeiter der Bahngesellschaft Montreal, Maine und Atlantic Railway (MMA), die der Tragödie von Lac-Mégantic, die den Tod von 47 Personen zur Folge hatte, beschuldigt werden, werden keine Zeugen aufrufen. Die wegen "krimineller Fahrlässigkeit" angeklagten MMA-Mitarbeiter (Triebfahrzeugführer, Bahnkontrolleur und Betriebsleiter) werden daher bei ihrem Prozess, der am 2. Oktober vor dem Sherbrooke Superior Court begonnen hat, nicht aussagen.

Der Anwalt des Triebfahrzeugführers erklärte in einem Telefoninterview, dass "die Beweislast bei dem Gericht liegt, um alle wesentlichen Elemente der angeblichen Straftaten zweifelsfrei festzustellen". Das grundlegende Element sei, "ob das Verhalten des Angeklagten ausreichend von einem etablierten Standard abgewichen ist, um eine kriminelle Fahrlässigkeit zu begründen". Die Rechtsanwälte sind der Ansicht, dass dieser Beweis nicht erbracht wurde, und sie haben am Dienstag angekündigt, dass sie keine Zeugen der Verteidigung aufrufen werden.

Um einen unangemessenen Druck auf die 14 Geschworenen zu vermeiden, noch vor Weihnachten ein Urteil fällen zu müssen, haben sich die Parteien am Dienstag (12.12.17) darauf geeinigt, die Schlusserklärungen der Anklage und Verteidigung nach den Feiertagen zu hören. Der Prozess wird am Mittwoch, dem 3. Januar, fortgesetzt, und die Jury könnte ihre Beratungen am Montag, dem 8. Januar, nach der Anhörung der Anweisungen des Richters beginnen.

Der Konvoi von 72 Kesselwagen mit Rohöl, der über Nacht in Nantes abgestellt wurde, hatte sich am 06.07.13 nach einem Brand in der Lokomotive und aufgrund unzureichend angesetzter Handbremsen in Bewegung gesetzt und rollte eine leichte Steigung hinunter, bevor er 10 km weiter im Zentrum von Lac-Mégantic entgleiste. Die Explosionen und ein ausgelöster Brand forderten 47 Todesopfer.

Während des Prozesses war noch von einem falschem Einsatz der Führungslokomotive 5017 die Rede, die mit älterem Datum aus einer anderen Produktionsreihe stammte und technisch anders ausgerüstet war als die anderen sechs Lokomotiven. Die 5017 hätte deshalb nicht als Führungslokomotive eingesetzt werden dürfen. Der während des Brandes in dieser Lokomotive ausgeschaltete Dieselmotor führte zu einem Druckausfall in der Bremsleitung.

Die Chronologie des Unfalls wurde wie folgt beschrieben:

• 22 h 47: Halt des Zuges in Nantes
• 23 h 57: Motorstopp der Lokomotive 5017 durch Feuerwehrleute aus Nantes
• 00 h 04: Beginn des Druckabfalls (Luftbremsen)
• 00 h 56: Zug gerät in Bewegung
• 01 h 13: Entgleisung. Die Geschwindigkeit am Eingang der führenden Lokomotive in der Innenstadt von Lac-Mégantic beträgt 63 mph (101 km/h)

Die MMA, die die Eisenbahn besaß und betrieb, ist inzwischen bankrott. Ein separater Prozess wird voraussichtlich zu einem späteren Zeitpunkt beginnen. Im Rahmen des Vergleichs des Konkurses der MMA wurde ein Entschädigungsfonds in Höhe von 431 Mio. USD für die Opfer eingerichtet.

WKZ, Quelle L'Actualité, Radio Canada

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Letzte Änderung am Sonntag, 17 Dezember 2017 08:57