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Freitag, 19 November 2021 11:00

Vereinigte Staaten: Studie - COVID-19 beeinflusst die Wahl des Verkehrsmittels

Die Autoren Kenneth B. Medlock III, Ted Temzelides und Shih Yu (Elsie) Hung* untersuchten in einer am 04.11.2021 in der Zeitschrift Nature veröffentlichen Studie "COVID-19 and the value of safe transport in the United States" den Zusammenhang zwischen der Wahl des Verkehrsmittels im Berufsverkehr und der Wahrscheinlichkeit der Übertragung von COVID-19. Diese Wechselwirkung wird wahrscheinlich die Wahl der Verkehrsmittel in den kommenden Jahren beeinflussen.

Die Daten zeigen wichtige Zusammenhänge zwischen der Bevölkerungsdichte, der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel und der Übertragungswahrscheinlichkeit auf. Arellano-Bond und Instrumentvariablenschätzungen bestätigen eine starke Korrelation zwischen der COVID-19-Inzidenz und der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Die Autoren fanden starke Belege dafür, dass die Gesamtfahrgastzahlen im öffentlichen Nahverkehr in allen untersuchten urbanen Flächen (UZA) durch COVID-19 und die politischen Reaktionen auf die Pandemie negativ beeinflusst wurden.

Gleichzeitig wirkten sich höhere Beschäftigungszahlen und steigende Benzinpreise positiv auf die Fahrgastzahlen aus. Diese Ergebnisse machen deutlich, dass die Besorgnis über die Krankheitsübertragung und die mit COVID-19 zusammenhängenden politischen Maßnahmen einen negativen Effekt auf die Fahrgastzahlen hatten, der über den negativen Effekt des beobachteten Beschäftigungsrückgangs hinausgeht.

Die Analyse könnte auf verschiedene Weise erweitert werden. Da sich die Autoren auf städtische Gebiete konzentriert haben, konnten zusätzliche Herausforderungen, die Pendler auf dem Land betreffen, nicht berücksichtigt werden, da es dort möglicherweise nur wenige oder gar keine alternativen Verkehrsmittel gibt. Ebenso könnten bei der Ableitung des Werts der vermiedenen Übertragung (value-of-avoiding-transmission, VAT) verschiedene Arten von Heterogenität unter den Pendlern berücksichtigt werden. Eine solche Heterogenität könnte zu unterschiedlichen Schwellenwerten für die Einstellung zum Übertragungsrisiko führen. In künftigen Forschungsarbeiten könnten verschiedene Einkommensgruppen berücksichtigt werden, wobei einige Pendler mit niedrigem Einkommen nur wenige Alternativen haben.

Eine naheliegende Frage ist, wie lange es nach dem Abklingen der COVID-19-Vorfälle dauert, bis die Nachfrage nach öffentlichen Verkehrsmitteln wieder auf ein normales Niveau zurückkehrt. Da Angst und psychologische Faktoren eine Rolle spielen und es Hinweise darauf gibt, dass wiederholte Pandemien in den letzten Jahrzehnten immer häufiger auftreten, könnte der "Schock" eine dauerhafte Komponente haben. Dies wiederum hätte Auswirkungen auf den Kraftstoffverbrauch, die Verkehrsüberlastung, die Unfallhäufigkeit und die Luftqualität. Anfälligere Gemeinden könnten infolgedessen unverhältnismäßig stark betroffen sein. Für die Gestaltung unserer verkehrspolitischen Zukunft nach COVID-19 ist eine politische Planung erforderlich.

WKZ, Quelle Sci Rep 11, 21707 (2021) 

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Letzte Änderung am Freitag, 19 November 2021 11:05