Der Iran hat im Dezember 2017 und Januar 2018 zwei große Abkommen mit Russland und Indien zum Aufbau der Eisenbahn des Landes geschlossen. Das Abkommen mit Russland im Wert von 3 Mrd. Euro umfasst die Erweiterung des Fuhrparks, das mit Indien im Wert von 2 Nrd. USD dient vor allem der Entwicklung der Infrastruktur im Südosten des Landes.
Die Iranische Eisenbahn und das Russische Exportzentrum haben am 18.12.17 eine Vereinbarung über die gemeinsame Fertigung von 20000 Güterwagen, 1000 Personenwagen und 350 Güterlokomotiven unterzeichnet. Auf der Grundlage dieser Vereinbarung wird Russland in den nächsten fünf Jahren 3 Mrd. Euro investieren. Es wird davon ausgegangen, dass die Zusammenarbeit im Bereich der Schienenfahrzeuge zwischen den beiden Ländern erheblich intensiviert wird.
Nach diesen Verträgen wird außerdem die gemeinsame Produktion von 600 Güterwagen durch ausländische Finanzierungen über die United Wagon Company of Russia und drei iranische Hersteller (Pars, Kowsar und Foolad Derakhshan) mit Unterstützung des iranischen Ministeriums für Industrie, Bergbau und Handel durchgeführt.
Iran und Indien haben am 13.01.18 während eines Besuchs des iranischen Entwicklungsministers Abbas Akhoundi in New Delhi ein Abkommen im Wert von 2 Mrd. USD für die Zusammenarbeit im Eisenbahnsektor und die Entwicklung der Infrastruktur im Südosten des Landes - hier vor allem den Ausbau und die Bahnanbindung des Hafens Chabahar - unterzeichnet.
Ein erster Teil der Vereinbarung betrifft ein Memorandum of Understanding im Wert von 600 Mio. USD für den Iran zum Kauf von Lokomotiven und Güterwagen aus Indien. Dieses Projekt wird innerhalb von drei Jahren in Betrieb gehen. Ein Teil der Lokomotiven wird im Iran gefertigt. "Unsere Zusammenarbeit mit Indien bedeutet, dass wir mit den neuesten globalen Fortschritten in der Bahntechnik und -industrie versorgt werden," sagte Akhoundi.
Die Fahrzeuge sind für die zukünftige Strecke Chābahār - Zāhedān bestimmt, um das Wachstum in den Häfen von Chābahār im Südosten des Landes zu beschleunigen. Die erste Phase Ausbaues, an dessen Entwicklung Indien beteiligt war, wurde am 3. Dezember vom iranischen Präsidenten Hassan Rouhani eingeweiht. Mit der Eröffnung hat sich die Kapazität auf 8,5 Millionen Tonnen verdreifacht, das entspricht der Kapazität aller nördlichen Häfen des Landes. So wird das Andocken von übergroßen Containerschiffen (zwischen 100.000 und 120.000 DWT) ermöglichen und die Konnektivität Indiens mit Afghanistan erhöhen.
Zwei weitere Projekte, die in den 2 Mrd. USD eingebettet sind, umfassen die Entwicklung der Eisenbahn Chābahār - Zāhedān im Wert von 1 Mrd. USD und die Bahnversorgung für iranische Projekte. Indien wird die 500 km lange Eisenbahnstrecke von Chābahār nach Zāhedān, nahe der afghanischen Grenze bauen. Der staatseigene indische Baukonzern IRCON hat sich bereit erklärt, die Strecke für 1,6 Mrd. USD im Rahmen des Transitkorridors nach Afghanistan zu bauen. Damit kann Fracht aus Afghanistan über eine 1.380 km lange Eisenbahn nach Chābahār transportiert und dann nach Indien verschifft werden. Im Gegenzug schickte Indien schon Ende Oktober seine erste Weizenlieferung für Afghanistan über den Hafen von Chābahār.
Teheran, Neu-Delhi und Kabul unterzeichneten im Mai 2016 in Teheran ein trilaterales Abkommen zur Entwicklung von Chābahār. Der Vertrag sah die Entwicklung und den Betrieb von zwei Terminals und drei Liegeplätzen im Hafen mit Umschlagkapazitäten für zehn Jahre vor. Auf der Grundlage der Vereinbarung soll der Iran indischen Unternehmen Land zur Verfügung stellen, um Industrien für petrochemische Produkte, Düngemittel und gasbasierte Produkte aufzubauen.
"Die inländische Bahnproduktion, obwohl sie im Vergleich zum Import ausländischer Produkte weniger kostspielig ist, kämpft immer noch um höhere Kapazitäten", sagte ein Vertreter der Iranischen Bahn für den Bau und die Entwicklung von Verkehrsinfrastrukturen. Der iranische Stahlproduzent Esfahan Steel Company (ESCO) hat aber zugesagt, 40.000 t Schienen zur Verfügung zu stellen. Dabei arbeitet ESCO außer mit russischen und indischen Unternehmen auch mit dem deutschen Industrieanlagenanbieter Küttner zusammen.
WKZ, Quelle Entwicklungsministerium, Financial Tribune