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Montag, 12 März 2018 07:05

Vereinigte Staaten: California High Speed wird 20 % teurer, dauert vier Jahre länger und geht nur stückweise in Betrieb

Die Kosten sind gestiegen, der Zeitrahmen wurde verlängert und wichtige Fragen bleiben offen: Das ist das Ergebnis des Entwurfs für den neuen Businessplan, den die kalifornische Hochgeschwindigkeitsbehörde (California High-Speed Rail Authority) am Freitag (09.03.18) veröffentlicht hat. Der neue CEO Brian Kelly war angetreten, um die Herausforderungen des Projekts transparent darzulegen und einen vernünftigen Weg nach vorn zu skizzieren, damit das Projekt doch noch vollendet werden kann.

chs

Die Bahnbehörde könnte Kosten und Risiken reduzieren, wenn es mehr Sicherheit über die zukünftige Finanzierung gäbe, sagte Kelly. Der Bau eines solchen Megaprojekts sei mit einem "pay as you go"-Umlageverfahren nicht möglich.

Mit der Veröffentlichung des Entwurfs des Businessplans erwartet die Behörde nun die öffentliche Stellungnahmen als Teil einer 60-tägigen Frist ab, die am 9. März beginnt und am 7. Mai 2018 endet.

Gesamtkosten

Die Gesamtkosten für die Verbindung zwischen San Francisco und Anaheim liegen jetzt bei 77,3 Mrd. USD, das sind 20 Prozent mehr als die 64 Mrd. USD noch vor zwei Jahren. Der Businessplan stellt fest, dass die Kosten einen Wertebereich zwischen 63,2 Mrd. oder 98,1 Mrd. umfassen und je nach Streckenabschnitt 20-35 % über den 2016 vorgeschlagenen Planungen liegen. Zu den Faktoren, die die Kosten beeinträchtigen können, gehören Bauverzögerungen, Grundstückserwerbe, Naturschutz, unerwartete Ereignisse und höhere Sicherheitsreserven. Wie der Staat das gesamte Projekt alleine tragen kann, bleibt eine kritische Frage. Im Moment liegt das Hauptproblem auf dem Bau der Tunnelverbindung (Pacheco Pass) zwischen dem Silicon und Central Valley, dessen geschätzte Kosten von 25,1 bis 36,8 Mrd. USD ungesichert sind.

Streckenführung

Als erste Betriebslinie ist nun die Strecke zwischen Downtown San Francisco und Bakersfield geplant, die ursprünglich in San Jose beginnen und nördlich von Bakersfield enden sollte. Die Behörde geht davon aus, dass die etwas längere Strecke mit Haltestellen im gesamten Central Valley mehr Pendler und andere Reisende ansprechen wird, sobald der Betrieb eröffnet ist. Der Betrieb soll dann südlich von Bakersfield über die Tehachapi Mountains bis in die Innenstadt von Los Angeles und Anaheim verlängert werden.

Zeitpunkt

Die Eisenbahnbehörde hofft, die gesamte Strecke von San Francisco bis Anaheim 2033 fertig zu stellen, eine Verzögerung um vier Jahre gegenüber der letzten Schätzung. Bis 2027 soll zuvor eine Hochgeschwindigkeitsinfrastruktur im Central Valley (Madera bis Bakersfield) und im Silicon Valley (San Francisco bis Gilroy) fertiggestellt werden, um die Reisezeiten für bestehende Personenbahnen zu verkürzen und die Korridore für Tests und potenzielle frühe Hochgeschwindigkeitsbahnen vorzubereiten.

Herausforderungen

Geld und Berge stellen die größten Hürden dar. Die Behörde plant den Bau von zwei Linien - eine verbindet San Francisco und Gilroy auf der Westseite des Küstengebirges und eine weitere von Madera bis Bakersfield östlich der Berge. Die Verbindung zwischen beiden durch einen Tunnel unter dem Pacheco Pass wird eine harte Abstimmung zur Finanzierung erfordern. Hinzu kommen naturschutzbedingte Herausforderungen wie benötigte Unterführungen für Berglöwen, die dort leben.

Politische Wertung

Während sich die Demokraten - die das Projekt mitinitiiert haben - zum großen Teil zurückhaltend äußerten, gab es harte Reaktionen von den Republikanern.

"Auf den ersten Blick liegt das Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnprojekt immer noch über dem geplanten Budget und die Finanzierung für die Fertigstellung des Programms wurde nicht sicher gestellt", sagte Jim Frazier, Vorsitzender des Assembly Transportation Committee, das am 2. April eine Anhörung über den Plan abhalten wird. "Wir haben immer noch keine realistische Möglichkeit, das Projekt zu bezahlen."

Mehrere Republikaner - lange Zeit kritisch gegenüber dem Projekt - nutzten den aktualisierten Geschäftsplans, um die Behörde zu kritisieren, und nannten den aktuellen Vorschlag eine "Resteverwertungs-Eisenbahn". Der Abgeordnete Jim Patterson sprach von einem "Ausstieg aus dem Businessplan". Das grundlegende Problem sei, "dass sie kein Geld haben", sagte er. "Sie können nicht tun, was ihnen aufgetragen wurde, und dieses Dokument gibt es zu."

WKZ, Quelle California High-Speed Rail Authority, diverse Zeitungsberichte

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