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Freitag, 06 April 2018 07:00

Kanada: Rückstau im Getreidetransport erhöht Handelsdefizit

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Fotos CN.

Kanadas Handelsdefizit ist im Februar 2018 gegenüber dem Januar von 1,94 Mrd. auf 2,69 Mrd. CAD (1,72 Mrd. Euro) gestiegen, da fehlende Wagen zum Transport die Exporte von Weizen und Raps stark einschränkt haben. Diese Zahlen gab die statistische Bundesbehörde Statistics Canada am Donnerstag (05.04.18) bekannt.

Die Exporte insgesamt stiegen um 0,4 Prozent, hervorgerufen durch Stärke im Fahrzeug- und Luftfahrtsektor. Die Exporte von Flugzeugen und anderen Transportgeräten stiegen sogar um 19,6 Prozent.

Die Exporte von landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Fischereierzeugnissen und Zwischenprodukten gingen jedoch um 17,2 Prozent zurück, was den größten Rückgang in der Geschichte darstellt. Die anhaltende Knappheit an Eisenbahnwaggons im Westen Kanadas führte zu einem Rückgang der Ausfuhren für Weizen um 41,6 Prozent und Raps um 40,1 Prozent.

Seit Monaten sind Milliarden von Dollar an Getreide, das abtransportiert hätte werden sollen, in den Silos der Prärie gefangen, weil die Eisenbahnen nicht genug Züge auftreiben konnten. Der Löwenanteil der Verspätungen hat Canadian National (CN) zu verantworten. CN konnte nur 17 Prozent des Getreidebedarfs transportieren, der Komkurrent Canadian Pacific immerhin 50 Prozent.

CN rühmt sich seiner schlanken Abläufe und hat sogar den Beinamen "Nordamerikas effizienteste Eisenbahn" erhalten. Eine straff geführte Firma bedeutet aber auch, dass sich das Unternehmen letztes Jahr völlig unvorbereitet zeigte, mit Nachfragespitzen umzugehen. Nicht nur die Nachfrage nach Getreide war hoch, auch Öl, Bergbau, Schnittholz und Schiffscontainer erlebten einen historisch hohen Ansturm. Der CEO von CN, Luc Jobin, musste als direkte Folge des Rückstaus letzten Monat zurücktreten.

Ein Grund für das Übel mag auch sein, dass die Transportpreise für den Export staatlich geregelt sind, da die Bahnen hier eine Monopolstellung einhalten. Dies kann dazu führen, dass Getreidetransporte nicht genug Einnahmen generieren.

Inzwischen wurden zusätzliche Lokomotiven herbeigeholt und Ingenieure und Lokführer aus dem Ruhestand gelockt. Allerdings wird es noch einige Zeit dauern, sich aus diesem Getreidestau zu befreien. Für viele Farmer ist der Schaden bereits entstanden. Ein Landwirt wird erst bezahlt, wenn das Produkt geliefert wird, was bedeutet, dass viele Farmerbetriebe seit Monaten ohne Geldfluss arbeiten. Für November angesagte Lieferungen konnten noch nicht abtransportiert werden. Unterdessen ist es schwierig, einen guten Weltmarktpreis für kanadisches Getreide zu bekommen, wenn die Lieferung so unzuverlässig ist.

WKZ, Quelle Reuters, National Post

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