Südafrika: S-Bahn Kapstadt


Die südlichste Großstadt am afrikanischen Kontinent, Kapstadt, zählt offiziell über 4 Mio. Einwohner. Ein Öffentlicher Personen Nah-Verkehr (ÖPNV) ist nur rudimentär vorhanden und im Verhältnis zur Bevölkerungsdichte und den Anforderungen an eine mobile Gesellschaft, völlig unzureichend. Von 1863 - 1939 verfügte Kapstadt über ein Straßenbahn Netz welches durch den Obus (1935 - 1964) abgelöst wurde.
Zaghafte Versuche eines öffentlichen Busverkehrs in Form eines BRT-Systems sind erkennbar aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Die Hauptlast der Mobilität tragen Linientaxis mit fragwürdigen Eigentümerstrukturen und ebensolchen Praktiken, was der lokalen Politik zunehmend zu schaffen macht und natürlich den Auf- und Ausbau moderner ÖPNV Strukturen massiv erschwert.
1862 wurde in der Kap-Region die erste Bahnstrecke – natürlich mit Kapspur (1067 mm) - eröffnet und es entwickelte sich in der Folge ein dichtes Eisenbahnnetz welches ab 1927 mit 3000 Volt Gleichspannung elektrifiziert wurde und heute ca. 460 Streckenkilometer mit 119 Stationen (inkl. Diesel-Vorortverkehr) umfasst. Nach der Zerschlagung der Staatsbahnen (SAR) im Jahr 1990 werden die Strecken heute von den Nachfolgegesellschaften TransNet und PRASA betrieben wobei sich die Infrastruktur in einem bemitleidenswerten Zustand befindet und unter Vandalismus, Diebstahl und Sabotage leidet. Ein großes Manko sind seit einigen Jahren die täglichen Stromausfälle welche große Bereiche des Wirtschaftslebens lahmlegen. Trotzdem nutzen ca. 500.000 Passagiere werktäglich das System welches jedoch nicht einmal ein S-Bahn-adäquates Zugangebot bietet. Außerhalb der Hauptverkehrszeiten verkehren die Züge maximal 1-2x stündlich pro Linie. Die auch touristisch entwickelbare Linie nach Simon`s Town ist aktuell eingestellt.
Zentraler Ausgangspunkt für alle elektrischen S-Bahn Züge ist der Hauptbahnhof von Kapstadt, zentral im Herzen der Stadt gelegen. Der heutige Bahnhof stammt aus dem Jahr 1966 und hat seine beiden Vorgänger aus 1861 bzw. 1875 – an der gleichen Örtlichkeit gelegen – abgelöst. Neben dem S-Bahn Verkehr dient der Hauptbahnhof auch dem noch vorhandenen, dürftigen Fernverkehr mit der Destination Johannisburg.
Für den S-Bahn Verkehr nutzt Metrorail – der staatliche Betreiber aller S-Bahn Netzte in Südafrika zwei Triebwagenfamilien – die Klasse 5M2A welche auf ein Modell von Metro-Cammell (GB) aus 1958-1960 zurückgeht und 1962 – 1985 bei Union Carrage & Wagon(SA) 1962 – 1985 nachgebaut wurde und inzwischen verschiedenen Phasen der Modernisierung unterworfen war. Insgesamt wurden 4447 Trieb- und Beiwagen gebaut und diese werden in bis zu 14 Wagenzügen eingesetzt. In den letzten Jahrzehnten wurden zahlreiche Triebwagenzüge dieser Bauart neu aufgebaut und werden als Type 10M3 eingesetzt.
Fotos
• Im Hauptbahnhof von Johannisburg ausgestellt – die älteste Lokomotive Südafrikas – Baujahr 1859, gebaut bei Howthorns and Company in Leith (GB) als B-Kuppler. 1874 erhielt die Lokomotive eine Nachlaufachse und ist seit 1897 (!) ein geschütztes Museumsstück.
• Diese beiden Typen tragen die Hauptlast des S-Bahn Verkehrs in der Kap-Region; links ein 5M2A, rechts ein aus dieser Grundtype modernisierter 10M3 an den finsteren und wenig einladenden Bahnsteigen des Hauptbahnhofs von Kapstadt.


• Minimalismus für Fahrgäste und Triebfahrzeugführer – auf jeden Komfort wird verzichtet


• Linienplan des S-Bahn Systems der Kap Region
• Wenig Passagieraufkommen im Hauptbahnhof einer Millionenmetropole

• Simon`s Town – ein touristisches Ziel nahe dem Kap der guten Hoffnung, aktuell leider ohne Zugverkehr.
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