

Zu dem gut recherchierten Bericht über die 'S-Bahn' am Kap der guten Hoffnung möchte ich einige Details hinzufügen. In der Tat ist der Hbf Kapstadt ziemlich groß, 23 Bahnsteige. Eigentlich sollte er ein Kernstück des Nahverkehrs darstellen. Akte von unvorstellbarem Vandalismus hatten schon vor den Covid-19 Zeiten dem Zugbetrieb arg zugesetzt. Zig Zuggarnituren wurden in Brand gesetzt und mutwillig zerstört. Die Verursacher wurden bis heute nicht vor Gericht gestellt.
Auf einer Strecke tief in die riesige östliche Township Khayelitsha hatten sich sog. Squatter also Hausbesetzer während des Covid19 Lockdowns nicht nur unmittelbar neben, sondern auch auf den Gleisen häuslich niedergelassen. Diese Menschen sind bis heute nicht bereit, diesen Steckenabschnitt wieder 'freizugeben'.


Kapspur
Als die ersten Eisenbahnen am Südostzipfel Afrikas in Betrieb gingen, gab es den Staat Südafrika noch nicht. Es handelte sich um die britische KAP-Kolonie. Zusammen mit der Kronkolonie NATAL (mit der Hafenstadt Durban) stand mehr als die Hälfte des heutigen Südafrikas unter der Kontrolle des Empires. Mit voller Wucht hatte man sich im 19. Jh. diesen strategisch wichtigen Platz gesichert.
Als die ersten längeren Strecken ab Kapstadt fertig gestellt wurden, wusste niemand, dass man erst in Kimberley Diamanten (1866) und ca. 20 Jahre später in Johannesburg die größten Goldvorkommen der Welt entdecken würde. Die Kapspur war aus Kostengründen vorteilhaft, Geschwindigkeit spielte bis Ende des 20. Jh. keine Rolle.


Spoornet hat allerdings im technischen Sinne einiges auf die Beine gestellt
Hier wurde schweres Gerät eingesetzt. Garratt-Lokomotiven mit vier dampfbetriebenen Zylindern und acht Antriebsachsen, sicherlich ein Höhepunkt der Eisenbahngeschichte. .An jedem Ende ein Wassertender.
Eine erst 1986 bei Henschel gebaute Kapspur-Dampflok mit Kohlefeuerung wurde nach Südafrika exportiert. Ein argentinischer Eisenbahningenieur proppte dieses Einzelstück mit riesigen Zylindern zu einer Leistung von 5000 PS auf. Die Anthrazitkohle wurde mit Laufbändern in die Feuerbüchse transportiert. Die Red Devil wird heute noch ab und an von den eifrigen - meist freiwilligen - Eisenbahnfans von Ceresrail in Kapstadt eingesetzt. Ceresrail ist inzwischen ganz gut im Geschäft und hat mit seinen herrlichen schweren Dampfloks eine attraktive Tourismusattraktion etabliert, die sich sehen lassen kann.
Sie können sich gerne mein eigenes kurzes Youtube Video anschauen https://www.youtube.com/watch?v=VQ70TZrf5HI
Die ölgefeuerte Maschine, die in Deutschland gebaut wurde, kann zu jeder Jahreszeit eingesetzt werden. Nun, sie werden wissen, warum.
In Südafrika verkehrt der schwerste regelmäßige Ganzzug der Welt. Die Sishen-Saldanha Bay Eisenerzzüge transportieren auf 375 Waggons in einem Rutsch eine Ladung von 24000 Tonnen mit einer Geschwindigkeit von 80 km/h ueber 871 km aus der Kalahari zum einem Hafenterminal 2 Stunden nördlich von Kapstadt. Die Züge haben eine Länge von 4 km und ein Gesamtgewicht von 40000 (vierzigtausend) Tonnen.
In anderen Teilen Südafrikas verkehren schwere Kohlezüge, die ihre Ladung überwiegend zu den Massengutfrachtern bringen, die im zweitgrößten Kohleverladeterminal der Welt in Richards Bay anlegen.


Transnet in Schwierigkeiten
Leider ist Transnet in Schwierigkeiten geraten. Sei es durch die häufigen Stromabschaltungen, mangelhafte Wartung oder durch unverfrorene Fahrdrahtdiebstähle. Vor 2 Wochen war ich in Phalaborwa, wo direkt neben dem berühmten Krügerpark in ein großen Tagebau Kupfer gefördert wird.
Auf der langen Strecke bis nach Richards Bay baumeln die Oberleitungen und inzwischen müssen schwere, superlaute dieseleletrische Loks diese Züge ziehen. Es gibt natürlich nicht genügend solcher Lokomotiven. Skandalöse Zustände.


Kaum Personenverkehr
Schon seit einiger Zeit verkehren fast keine Personen-Fernzüge in diesem riesigen Land, das sich flächenmäßig über eine zweimal größere Fläche als die Ukraine erstreckt.
Nur vier Fernzüge pro Monat im ganzen Land. Keine Verbindungen zwischen Pretoria/Johannesburg/Kimberley/Kapstadt, Johannesburg/Pietermaritzburg/Durban und umgekehrt. Die Webseite vom Fernverkehrsbetreiber Shosholoza Meyl ist eine einzige Katastrophe.
Bis auf die 80 km Gautrain Normalspurstrecken im Raum Pretoria/Midrand/ Johannesburg ist mittelfristig kein Land in Sicht. Der Staat ist stark verschuldet.
Die Stadtregierung Kapstadt versucht seit einigen Jahren, das marode S-Bahn Netz in eigener Regie zu übernehmen. Doch die staatlichen Behörden in Pretoria sperren sich dagegen. Es handelt sich eindeutig um ein politisches Intrigenspiel. Die Provinz Westkap und Kapstadt wird nicht vom ANC kontrolliert. Dies wird sich in absehbarer Zeit nicht ändern.
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