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Donnerstag, 18 Januar 2024 07:00

Thailand: Öffentliche Anhörungen zum Landbrückenprojekt in Chumphon und Ranong

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Foto Dieter Zoubek.

Thailand plant eine Landbrücke, über die Container sowie Schütt- und Stückgüter von Schiffen im Pazifik auf solche im Indischen Ozean umgeladen werden können. Die Landbrücke umfasst Tiefseehäfen an der West- und Ostküste Südthailands in Ranong und Chumphon sowie eine zweigleisige Eisenbahnstrecke, eine Schnellstraße und ein Ölpipelinesystem zur Verbindung der beiden Häfen. Anfang Januar fanden Anhörungen im Kabinett und in den Provinzen zu dem Projekt statt.

Die Landbrücke soll eine Alternative zur Strasse von Malakka schaffen, einer der meistbefahrenen Schiffsrouten der Welt. Ein Viertel der weltweit gehandelten Güter passiert jährlich die 800 Kilometer lange Meerenge zwischen der indonesischen Insel Sumatra und der malaysischen Halbinsel. Sie endet im Osten in Singapur und ist die kürzeste Schiffsroute, um vom Indischen in den Pazifischen Ozean zu gelangen. Die Meerenge passieren jährlich mehr als 100.000 Schiffe. Vor allem Chinas Import von Gas und Öl läuft über sie, weshalb China die thailändische Landbrücke geopolitisch willkommen heißen würde.

Thailands Kabinett hat die Landbrücke bereits verabschiedet und sieht den Beginn der ersten von vier Bauphasen im September 2025 vor. Premierminister Srettha Thavisin verteidigte das  Megaprojekt "Land Bridge" und sagte, es werde die Wirtschaft und Entwicklung des Landes fördern. Herr Srettha sagte, Thailand wolle ein logistisches Drehkreuz sein, um die Welt zu verbinden. Dieses Projekt wird dem Land helfen, seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, fügte er hinzu. Herr Srettha sagte auch, dass das Projekt es anderen Ländern ermöglichen wird, Thailand als Transportzentrum zu nutzen.

Die Menschen in den südlichen Provinzen Ranong und Chumphon sind in Bezug auf das umstrittene Landbrückenprojekt geteilter Meinung. Die Wirtschaft und die meisten lokalen Gemeindevorsteher befürworten das Projekt, während Bürgergruppen, Küstenfischer, Durian- und Ölpalmenbauern ihre Besorgnis über mögliche Umweltauswirkungen zum Ausdruck gebracht haben.

Der Ausschuss des Repräsentantenhauses, der sich mit dem Projekt befasst, hielt Anfang Januar öffentliche Anhörungen in den beiden Provinzen ab, um die Ansichten aller Beteiligten zu erfahren.

In der Provinz Chumphon äußerten insbesondere die Küstenfischer und die Besitzer von Durian- und Ölpalmenplantagen die Befürchtung, dass die Bautätigkeiten, wie z. B. die Landgewinnung für den Bau eines Tiefseehafens und einer Ölpipeline, Auswirkungen auf die Meereslebewesen und -pflanzen haben werden, was sich wiederum auf ihre Einnahmen auswirken wird. Mögliche Ölverschmutzungen durch das Be- und Entladen von Rohöl im Seehafen könnten die Umwelt und das Leben im Meer bedrohen, erklärten sie.

Während der Anhörung in Ranong sprachen sich der private Sektor und viele Gemeindevertreter für das Projekt aus, in der Hoffnung, dass es die lokale Wirtschaft ankurbeln und mehr Arbeitsplätze in der Provinz schaffen wird. Bürgerinitiativen befürchten jedoch, dass das Projekt die Umwelt nachhaltig schädigen wird, und verweisen auf Aktivitäten wie Landgewinnung und Ausbaggern des Meeresbodens.

Die Kosten werden auf etwa eine Billion Baht geschätzt (26 Mrd. EUR), und der Großteil davon soll von ausländischen Investoren kommen, denen die Konzessionsrechte für den Betrieb der Häfen in Ranong und Chumphon für bis zu 99 Jahre erteilt werden.

Die Landbrücke würde nicht nur eine alternative Handelsroute für die internationale Schifffahrt bieten, sondern höchstwahrscheinlich auch die gesamte Fracht aus Südthailand und dem regionalen Markt konsolidieren und über die beiden neu zu bauenden Häfen leiten. Südthailändische Container könnten dann den Hafen von Penang im Norden von Malaysia umgehen und entweder über Chumphon oder Ranong verladen werden, so dass der nordmalaysische Hafen nicht mehr die bevorzugte Option für die Ein- und Ausfuhr von Containerfracht wäre.

WKZ, Quelle Thai BPS, Bangkog Post, NZZ

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