

Fotos Trenes Argentinos Cargas, SOFSE.
Die neue argentinische Regierung unter Javier Mileis setzt kontinuierlich die angekündigte Umwandlung des Eisenbahnsektors um. Im März wurden der Infrastrukturminister Guillermo Ferraro abgelöst, das Verkehrsministerium dem Wirtschaftsministerium angegliedert sowie die Privatisierung der Bahn, die Kürzung von Fern- und Nahverkehrsdiensten und ein großer Stellenabbau eingeleitet.
Am 10. Dezember 2023 wurde Guillermo Ferraro zum Minister für Infrastruktur ernannt, einem neuen Ministerium, das aus der Zusammenlegung der Ministerien für öffentliche Arbeiten, Verkehr und territoriale Entwicklung und Lebensraum entstand. Am 25. Januar 2024 kam in den Medien das Gerücht auf, dass er seines Amtes enthoben werden sollte, weil er Informationen aus Kabinettssitzungen über ein Omnibusgesetz weitergegeben haben sollte. Ferraro bezeichnete dies als "eine böse Absicht" von jemandem aus dem Umfeld des Präsidenten.
Am 27. Januar gab das Präsidialamt in den sozialen Medien eine Erklärung ab, in der es hieß, dass Ferraro aus "persönlichen Gründen" zurücktreten und der Bereich Infrastruktur in das Wirtschaftsministerium überführt werden würde. Am 5. März wurde sein Rücktritt schließlich offiziell in den Dekreten 194 und 195/2024 verkündet. Das Verkehrsministerium wurde vom Wirtschaftsministerium übernommen, so dass der Wirtschaftsminister Luis Caputo nun für die Bereiche Verkehr, öffentliche Arbeiten, Wohnungsbau und Telekommunikation sowie Wirtschaft, Energie und Bergbau zuständig ist.
Die argentinische Regierung von Javier Milei will nun die "Kettensäge im Eisenbahnsektor" ansetzen, um ein Anpassungsprogramm umzusetzen, das neben der Privatisierung der staatlichen Bahngesellschaften im Wesentlichen vier Maßnahmen zu Kürzungen bei Subventionen vorsieht:
• freiwillige Pensionierungen,
• Kürzungen bei den Leiharbeitern,
• Neuverhandlung der Schulden bei den Zulieferern und die
• Einstellung der meisten Regional- und Fernverkehrsdienste.
Im Gegensatz zu den abrupten Veränderungen, die in anderen öffentlichen Einrichtungen und Organismen stattgefunden haben, wird der Plan zur Reorganisation und Rationalisierung der staatlichen Eisenbahnholding schrittweise und im Laufe dieses Jahres umgesetzt.
Die vom Sekretariat für staatliche Unternehmen und Betriebe unter der Leitung von Mauricio González Botto, ehemaliger Geschäftsführer der Banco Itaú und derzeitige rechte Hand von Kabinettschef Nicolás Posse, konzipierte Umstrukturierung soll bei der Sociedad Operadora Ferroviaria Sociedad del Estado (SOFSE) beginnen, die für die Personenzüge im Großraum Buenos Aires (Área Metropolitana de Buenos Aires, AMBA) sowie den Regional- und Fernverkehr zuständig ist.
Unter der Leitung von Luis Adrián Luque beschäftigt die SOFSE 23.839 Mitarbeiter und verzeichnet ein jährliches Betriebsdefizit von 342.080 Mio. ARS (365 Mio. EUR), das durch staatliche Subventionen gedeckt wird. Anfang März übermittelte Luque allen Management- und Technikbereichen eine Mitteilung des Verwaltungsrats mit den drei Hauptleitlinien seiner Verwaltung: Nichtbesetzung freier Stellen, Reduzierung der Betriebsstruktur und Einführung eines Mechanismus für den freiwilligen Ruhestand. Mit diesem konzertierten Entlassungsprozess und einer Reihe von gerechtfertigten Entlassungen will die SOFSE-Leitung in den nächsten drei Monaten etwa 3.200 Beschäftigte entlassen. Ab der zweiten Jahreshälfte würde eine neue Anpassungsphase beginnen, um die Zahl der Beschäftigten um weitere 15 % zu senken.
Fast zur gleichen Zeit soll auch bei Belgrano Cargas y Logística (BCyL), dem Betreiber der Güterzüge auf den Strecken Belgrano, San Martín und Urquiza, der 4.631 Mitarbeiter beschäftigt und jährlich 35.852 Mio. ARS (838 Mio. EUR) an staatlicher Unterstützung erhält, und bei der Eisenbahninfrastrukturverwaltung (ADIF), die für die Instandhaltung der Gleise und Bahnhöfe zuständig ist, mit 704 Mitarbeitern und einem Budget von 16.384 Mio. ARS (18 Mio. EUR) im Jahr 2023 die Kettensäge angesetzt werden. Für diese beiden staatlichen Unternehmen planen González Botto und sein Team freiwillige Ruhestandsregelungen, Vorruhestandsregelungen und eine extreme Verkleinerung der Führungsbereiche.
Der Anpassungszug macht auch Halt bei Desarrollo del Capital Humano Ferroviario (Decahf) und Ferrocarriles Argentinos Sociedad del Estado (FASE). Decahf ist für die Ausbildung, die Verwaltung und die Auszahlung der Gehälter des Personals von Belgrano Cargas und der Fernverkehrszüge zuständig. Sie beschäftigt 1.098 Mitarbeiter und verfügte zuletzt über ein Jahresbudget von 18,877 Mio. ARS (20 Mio. EUR). Die FASE, die mindestens 75 Mitarbeiter beschäftigt und über ein Jahresbudget von 979 Mio. ARS (1 Mio. EUR) verfügt, ist für die Koordinierung der Politik und der Investitionspläne der übrigen Unternehmen des Sektors zuständig. In diesen Fällen werden die Kürzungen vor allem das Vertragspersonal und die Beratungs- und Consultingdienste betreffen.
Abgesehen von den Maßnahmen zum Personalabbau und den Konflikten, die sich aus der Reaktion der betroffenen Gewerkschaften ergeben könnten, ist mit einer gravierenden Verschlechterung der Dienstleistungen auf allen Strecken zu rechnen, die auf die ausbleibenden Zahlungen an die Lieferanten und die Stornierung von Ausrüstungs- und Ersatzteilkäufen zurückzuführen ist, die in den letzten Monaten ausgeschrieben worden waren. So muss damit gerechnet werden, dass die die Ölgesellschaft YPF die Lieferung von Treibstoff für Dieselzüge aufgrund "unbezahlter Rechnungen seit Ende Januar" jederzeit unterbrechen könnte.
Was die Betriebspläne betrifft, so wird der Regionalverkehr in den Provinzen Salta, Entre Ríos, Chaco, Santa Fe und im Landesinneren von Buenos Aires in der kommenden Woche flächendeckend eingestellt. Im Fernverkehr werden nur einige wenige Züge von der Bundeshauptstadt nach Mar del Plata und Tucumán auf den Gleisen bleiben.
Hinzu kommt, dass die Behörden die Instandhaltungsarbeiten an den Gleisen und die Reparaturen an den Bahnhöfen der elektrischen Nebenstrecken verringert haben, deren Züge ebenfalls am Limit fahren und deren geplante Reparaturen seit mehreren Monaten ausstehen, ohne dass ein endgültiges Datum für deren Abschluss feststeht.
Die Gewerkschaften des Sektors, vor allem La Fraternidad, der alle Lokführer angehören, die Stellwerker und die mächtige Unión Ferroviaria, sind mit dem Rückgang ihrer Mitgliederzahl nicht einverstanden. Es liegt auf der Hand, aber es wird im Eisenbahnsektor sicherlich zu Konflikten kommen.
WKZ, Quelle Letra P, El Argentino, Wikipedia