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Montag, 13 Mai 2024 07:00

Neuseeland: Kiwi Rail sucht verzweifelt nach einer Lösung für den Interislander-Fährdienst

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Fotos Kiwi Rail.

Die Regierung in Neuseeland hat in Frage gestellt, ob KiwiRail das richtige Unternehmen ist, um das Fährgeschäft Interislander über die Cook Strait weiterhin zu betreiben. Die von neuseeländischen Medien aufgearbeiteten Informationen stammen aus einer proaktiven Veröffentlichung von Dutzenden von Informationen und Korrespondenzen zwischen Verkehrs- und Finanzministerium und KiwiRail.

Die neue konservative Regierung weigerte sich bereits kurz nach ihrem Amtsantritt, KiwiRail mehr Geld für die neuen Megafähren zur Verfügung zu stellen, so dass der Plan, die alternde Interislander-Flotte zu ersetzen, aufgegeben werden musste. Die veröffentlichten Dokumente beinhalten den Brief, den Finanzministerin Nicola Willis an KiwiRail geschickt hat, um die Entscheidung der Regierung mitzuteilen. Sie enthüllen auch einige der alternativen Optionen und mehr über die Frage der Eignung von KiwiRail, das Interislander-Geschäft zu betreiben.

Die Gesamtkosten, einschließlich der neuen Terminals und des Ausbaus der Anlegestellen, hatten sich auf fast 3 Mrd. NZD (1,7 Mrd. EUR) aufgebläht. Aufgrund der Kostenspirale, die sich vervierfacht hat, hätte das Projekt nach 2050 immer noch 1,3 Mrd. NZD Verlust gemacht. Das Projekt selbst hätte einen positiven Nettowert gehabt, wenn es sich nur um die Schiffe gehandelt hätte, aber die ausufernden Kosten für die Hafenarbeiten und die Terminalinfrastruktur haben es zu Fall gebracht. Obwohl der Bau der beiden Fähren, die beim koreanischen Hersteller Hyundai Mipo Dockyard in Auftrag gegeben wurden, noch nicht begonnen hat, besteht für Kiiwi Rail das Risiko zur Zahlung einer Strafgebühr durch den Rückruf des Auftrags.

"In Anbetracht der Schwierigkeiten, die KiwiRail mit dem Projekt iReX hatte, und der Tatsache, dass das Unternehmen eine Reihe von Kernproblemen im Bahnbereich zu lösen hat, stellt sich die Frage, ob KiwiRail geeignet ist, das Interislander-Geschäft mittel- bis langfristig zu betreiben. Das Interislander-Geschäft könnte in ein anderes staatliches Unternehmen ausgegliedert oder im Rahmen eines Trade Sales verkauft werden. Es wird erwartet, dass KiwiRail einen Vertrag mit einem anderen Unternehmen abschließt, um Frachtdienste über die Cook Street zu erbringen, aber wie dies erreicht wird, bleibt eine kommerzielle Entscheidung zwischen den Parteien," verlautet es aus dem Finanzministerium.

Ein relativ kleiner Teil des gesamten Schienengüterverkehrs wird über die Cook Strait befördert, und fast der gesamte Verkehr könnte laut Regierung statt über eine Eisenbahnfähre auch über die Verladung der Container auf ein Fahrzeug erfolgen, das sie auf die Fähre bringt. Kiwi lehnt dieses Verfahren ab, da es zeitaufwendiger ist.

Der Geschäftsführer von KiwiRail, Peter Reidy, sagte dass KiwiRail dem Betrieb des Interislander-Dienstes verpflichtet bleibe und Möglichkeiten für einen belastbaren Interislander-Fährdienst und eine robuste Hafeninfrastruktur mit einer Lebensdauer von 100 Jahren sehe: "Wir betreiben den Dienst seit über 60 Jahren und wollen ihn auch in den nächsten 60 Jahren weiter betreiben. KiwiRail arbeitet mit allen Parteien zusammen, um eine integrierte Fähr- und Terminallösung zu finden, die weiterhin einen zuverlässigen Service für den Transport von Gütern und Personen über die Cook Strait bietet."

Laut Peter Reidy zeigen die Dokumente das Ausmaß der Arbeit, die geleistet wurde, um eine praktikable Lösung für das iReX-Projekt zu finden. "iReX war ein komplexes Projekt, mit dem ein integriertes Verkehrssystem über die Cookstraße geschaffen werden sollte, das zwei neue Fähren und eine modernisierte Hafeninfrastruktur umfasst. Die Terminalbauprojekte waren komplex, da beide Häfen in einer seismisch schwierigen Umgebung liegen. Neben anderen Faktoren wurden die iReX-Kosten durch das erhöhte Bewusstsein für seismische Risiken und Anfälligkeiten nach dem Erdbeben in Kaikoura sowie durch unvorhergesehene Material- und Arbeitskostensteigerungen in der Zeit nach dem Covid beeinflusst."

Peter Reidy sagte, dass er und der Vorstand bei seinem Eintritt in KiwiRail im August 2022 sofort einen führenden Baupartner ernannt haben, um die Infrastrukturentwürfe zu überprüfen und die Konstruktionsmethodik und Preisgestaltung vorzubereiten, was bei Projekten dieser Größenordnung üblich ist. KiwiRail richtete auch eine unabhängige Steuerungsgruppe ein, die sich aus Personen zusammensetzte, die über umfangreiche Erfahrungen im Bauwesen und in der Schifffahrt verfügten, um das Projekt während seiner gesamten Laufzeit zu überwachen. Es fanden formelle Überprüfungen durch externe Dritte und globale Experten statt. Alle Analysen und Informationen wurden dem Verkehrsministerium und dem Finanzministerium regelmäßig zur Verfügung gestellt.

"Im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld und angesichts der fiskalischen Herausforderungen, denen sich Neuseeland gegenübersieht, versteht, respektiert und akzeptiert KiwiRail die Entscheidung seines Aktionärs, der Regierung, das Projekt nicht weiter zu finanzieren. Ein kleiner Teil der Arbeiten in Wellington und Picton wird fortgesetzt, um sicherzustellen, dass beide Standorte für den bestehenden Betrieb sicher und funktionsfähig bleiben. KiwiRail blickt nun in die Zukunft und arbeitet mit allen Parteien zusammen, um eine zuverlässige, sichere und praktikable Lösung für die Erbringung des kultigen Interislander-Dienstes zu finden", sagt Peter Reidy.

"Im vergangenen Jahr haben wir mit den internationalen Experten von DNV (Det Norske Veritas) zusammengearbeitet, um unsere Flottenmanagementpraktiken umfassend zu überprüfen und sicherzustellen, dass wir den Interislander nach den weltweit besten Standards betreiben. Diese Arbeit trägt Früchte: Unsere Flotte verkehrte in der Hochsaison von Dezember 2023 bis April 2024 mit einer Zuverlässigkeit von 99 Prozent und einer Pünktlichkeit von 92 Prozent gegenüber dem Fahrplan. Im April, in dem die arbeitsreichen Osterfeiertage lagen, stieg die Pünktlichkeit für die Kunden auf 98 Prozent. Infolge unserer konstanten Serviceleistung verzeichneten wir im Februar und März ein Rekordaufkommen an Passagieren, die mit uns fuhren."

Peter Reidy sagte, KiwiRail werde nun mit den Hafengesellschaften zusammenarbeiten, wenn diese die künftige Infrastrukturentwicklung ihrer Anlagen in Betracht ziehen, die zum Teil davon abhängen wird, welche Optionen für den Ersatz der Interislander-Flotte entwickelt werden. "Wir arbeiten auch mit DNV zusammen, um herauszufinden, wie wir die sichere und wirtschaftliche Nutzungsdauer der bestehenden Flotte verlängern können, und suchen aktiv nach gebrauchten Ersatzschiffen, falls welche verfügbar werden. Wir sind zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden werden, und wir freuen uns darauf, diese gemeinsam mit allen Beteiligten des Cook-Strait-Verkehrssystems zu verwirklichen."

WKZ, Quelle Kiwi Rail, Wellington Scoop, NZ Herald

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