Kanada: Ein Streik der Eisenbahner droht die Wirtschaft stillzulegen


Fotos CN, TCRC/CFTC.
Die Verträge für Lokomotivführer, Rangierer und Bahnarbeiter bei CN und CPKC sind am 31. Dezember 2023 ausgelaufen, und die Teamsters Canada Rail Conference verhandelt derzeit neue Verträge mit den Bahngesellschaften. Die drei Arbeitnehmergruppen mit insgesamt 9.300 Beschäftigten stimmten jeweils zu über 95 % für die Genehmigung eines Streiks.
Die Teamsters Canada Rail Conference (TCRC/CFTC) hielt am 01.05.2024 eine Pressekonferenz in Ottawa ab, um die Ergebnisse der Streikabstimmung bei Canadian National (CN) und Canadian Pacific Kansas City (CPKC) bekannt zu geben. Die Gewerkschaft gab bekannt, dass über 95 Prozent der Beschäftigten von Canadian National (CN) und Canadian Pacific Kansas City (CPKC) für einen Streik gestimmt haben. Die Abstimmung erfolgte nach sechsmonatigen Verhandlungen zwischen der Gewerkschaft und den beiden Unternehmen. TCRC-Präsident Paul Boucher zufolge könnte es nach einer obligatorischen 21-tägige Vermittlungsphase bereits am 22. Mai 2024 zu einer Arbeitsniederlegung kommen.
Der potenzielle Streik ist insofern einzigartig, als er beide großen Eisenbahngesellschaften betreffen und den Transport von Schüttgut nahezu zum Erliegen bringen würde, sagte Wade Sobkowich, Geschäftsführer der Western Grain Elevator Association, die Getreideverarbeiter wie Cargill (CARG.UL) und Richardson International vertritt. "Es gibt keinen Plan B, weil es, wie wir schon seit Jahrzehnten sagen, keine wettbewerbsfähigen Alternativen gibt", so Sobkowich.
Die National Grain and Feed Association (NGFA) hat in einer Stellungnahme vom 21. Mai die Arbeitsbeziehungsbehörde (Canadian Industrial Relations Board, CIRB) aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um einen Bahnstreik oder eine Aussperrung zu verhindern. Ein Stillstand oder eine Verlangsamung der vom Schienenverkehr abhängigen Betriebe hätte "schädliche Folgen für die kanadischen Agrarerzeuger und die Industrie sowie für die nationale und globale Ernährungssicherheit", so die NGFA.
Während die Verhandlungen zwischen der Teamsters Canada Rail Conference und den Eisenbahngesellschaften Canadian National und Canadian Pacific Kansas City Railways andauern, hat das Board um Stellungnahmen zu den Auswirkungen des Ausfalls von Bahndienstleistungen auf den Transport von Lebensmitteln in ganz Kanada gebeten.
Die NGFA wies darauf hin, dass viele ihrer Mitgliedsunternehmen auf Bahndienste angewiesen sind, die nach und über Kanada verkehren. Ein Streik oder eine Aussperrung "würde zu Welleneffekten in der gesamten Branche führen". So ist beispielsweise die Viehwirtschaft auf die Bahn angewiesen, um Mais und anderes Futtergetreide anzuliefern, und Biokraftstoffbetriebe, Mühlen und landwirtschaftliche Exportanlagen benötigen einen ununterbrochenen Bahnverkehr. "Eine Unterbrechung des Schienenverkehrs würde den kanadischen Erzeugerpreisen für Rohstoffe, den kanadischen Verladern und Exporteuren von Agrarerzeugnissen sowie den weltweiten Kunden erheblichen Schaden zufügen", erklärte die NGFA.
"Die Auswirkungen eines Streiks wären besonders schwerwiegend, da der Lkw-Transport für viele landwirtschaftliche Verlader aufgrund ihres hohen Bedarfs und der großen Entfernungen für viele Transporte keine praktikable Option ist", so NGFA.
Auch Bundesarbeitsminister Seamus O'Regan hat die kanadische Arbeitsbeziehungsbehörde CIRB aufgefordert zu prüfen, ob der Streik Auswirkungen auf die Sicherheit haben könnte. Die Behörde soll prüfen, ob und welche kritischen Transporte im Falle eines Streiks oder einer Aussperrung fortgesetzt werden müssen. Die Stellungnahmen der Gewerkschaft und des Unternehmens wurden am 21. Mai eingereicht, die Gegenargumente müssen bis zum 31. Mai vorgelegt werden. Es ist unklar, wie lange die Prüfung genau dauern könnte, was bedeutet, dass ein Streik bzw. eine Aussperrung frühestens 72 Stunden nach der Entscheidung der CIRB beginnen kann.
Der Verhandlungsausschuss kam am 16. Mai in Montreal zusammen, um sich auf die Verhandlungen mit der Föderalen Vermittlungs- und Schlichtungsstelle (Federal Mediation and Conciliation Service, FMCS) am 17. Mai vorzubereiten. Nach ergebnislosen Verhandlungen erklärte sich die FMCS ist nach wie vor bereit, die Mediation fortzusetzen, wenn dies erforderlich sein sollte, obwohl keine weiteren Verhandlungstermine geplant sind.
Letztlich wurden in dieser Woche keine Fortschritte in Bezug auf die Forderungen der Gewerkschaft erzielt. Die Bahnbetreiber hatten klar zu erkennen gegeben, dass sie ein Schiedsverfahren den Verhandlungen vorziehen, was darauf hindeutet, dass sie auf ein Eingreifen der Regierung hoffen, um die Tarifverhandlungen zu stoppen.
Die Gewerkschaften sind nach wie vor entschlossen, einen Tarifvertrag auszuhandeln. "Als Gewerkschaft sind wir unseren Mitgliedern gegenüber grundsätzlich verpflichtet, einen akzeptablen Vertrag abzuschließen, der die Bedürfnisse und Wünsche unserer Mitglieder widerspiegelt. Diese Verpflichtung bedeutet, dass wir keine Bedingungen akzeptieren können und werden, die die hart erkämpften Rechte und Leistungen, die unsere Mitglieder verdienen, untergraben. Der Verhandlungsprozess ist eine Herausforderung, aber unser Engagement für eine faire und gerechte Vereinbarung ist unerschütterlich. Unser Ziel ist es, sicherzustellen, dass jeder Vertrag, dem wir zustimmen, ein Vertrag ist, auf den alle Mitglieder stolz sein können und der ihre Rechte schützt und ihre Arbeitsbedingungen verbessert", heisst es in einer Pressemeldung der Teamsters Canada Rail Conference vom 22.05.2024.
WKZ, Quelle NGFA, TCRC/CFTC




