Seitdem der Amtrak Cascades Train 501 von Seattle nach Portland am 18.12.2017 in einer Kurve entgleist war und sich herausstellte, dass das die Geschwindigkeit überprüfende Sicherheitssystem "Positive Train Control" (PTC) nicht aktiviert war, sind in den Vereinigten Staaten die Rufe nach der raschen Einführung des Zugbeeinflussungssystems lauter geworden. Anfang August zeigen sich der die Bahnbetreiber vertretene Interessenverband APTA (American Public transportation Association) und die Industrievereinigung der großen Gütereisenbahnen ARA (Association of American Railroads) zuversichtlich, dass der gesetzte Termin zum 31.12.2018 zu großen Teilen eingehalten werden kann.
Ende 2015 verlängerte der Kongress die Frist für PTC um mindestens drei Jahre bis zum 31.12.2018, mit einer möglichen Verlängerung bis zum 31.12.2020, wenn eine Eisenbahn bestimmte gesetzliche Anforderungen erfüllt hat, so die Bundesbahnverwaltung FRA (Federal Railroad Administration). Alle Bahnen wurden zunächst verpflichtet, bis zum 27.01.2016 einen überarbeiteten PTC-Einbauplan PTCIP (PTC Implementation Plan) vorzulegen, der darlegt, wann und wie die Bahn das System vollständig installiert und aktiviert haben würde.
Nach beunruhigenden Berichten, dass einige Stadtbahnen mit der Umsetzung im Rückstand sind, berief der U.S. Senator John Thune, Vorsitzender des Senatsausschusses für Handel, Wissenschaft und Verkehr, am 1. März 2018 eine Anhörung zu dem Thema.
Die BNSF Railway Company (BNSF) erläuterte, dass sie PTC vollständig installiert hat, aber trotzdem einen Antrag auf eine zweijährige Verlängerung der PTC-Frist stellte, da der volle Umsetzungsstatus nicht erreicht werden kann, solange nicht alle Züge und/oder Ausrüstungen, die auf mit PTC ausgerüsteten Strecken verkehren, ebenfalls PTC-konform sind. "Diese Interoperabilität der PTC-Systeme zwischen den Verkehrsträgern der Klasse I, Nahverkehr und Kurzstreckenverkehr bleibt eine Herausforderung", so BNSF.
In ähnlicher Weise erklärte Union Pacific (UP), dass PTC Ende 2018 zu 100% auf den geforderten Schienenstrecken installiert und zu 75% implementiert sein wird.
Auch der Nahverkehrsbetreiber SEPTA (Southeastern Pennsylvania Transportation Authority) ist guter Dinge: Die Implementierung von PTC erfolgte während einer schwierigen Phase der Kapitalfinanzierung kontinuierlich in Zusammenarbeit mit Amtrak, Frachtpartnern und Drittanbietern, um technische und Interoperabilitätsprobleme zu lösen. "SEPTA-Züge auf allen 13 Regionalbahnlinien sind mit PTC ausgerüstet und in Betrieb, und SEPTA ist stolz darauf, diese Sicherheitstechnologie für unsere Kunden und Mitarbeiter implementiert zu haben".
Die ARA hat auf ihrer Website erklärt, dass die Klasse-I-Bahnen, die den Installationstermin 2018 einhalten, weitere 24 Monate Zeit brnötigen, um das System zu testen und sicherzustellen, dass es vollständig interoperabel ist. "Es reicht nicht aus, PTC auf einer einzigen Eisenbahnstrecke zu betreiben; es muss interoperabel sein. Interoperabilität bedeutet, dass das System mit jeder mit PTC ausgestatteten Lokomotive funktioniert, die auf einer der Eisenbahnstrecken durch die Vereinigten Staaten fährt, auf der PTC erforderlich ist", heisst es dort. "Während einige Eisenbahnen bis Ende 2018 vollständig implementiert sein werden, werden andere weiterhin getestet und spätestens bis 2020 vollständig interoperabel sein."
Nach einer Analyse der APTA machen die Stadtbahnbetreiber starke und kontinuierliche Fortschritte bei der Installation und Implementierung PTC. Ende Juni konnten folgende Erfolge erzielt werden:
• 91% des Spektrums wurden erworben;
• 85% der 13.698 Teile der Bordausrüstung wurden in Lokomotiven, Kabinenwagen usw. eingebaut;
• 79% der 14.083 Gleisanlagen sind fertiggestellt;
• 78% der technischen Steuerungen sind betriebsbereit;
• 74% der 14.847 Mitarbeiter wurden in PTC geschult; und
• 34% der Nahverkehrsbahnen sind in der Erprobungs-, Demonstration- oder Betriebsphase mit PTC.
Die Kosten der Nahverkehrsbahnen für die Implementierung von PTC werden nach APTA-Angaben 4,1 Mrd. USD übersteigen, wodurch Mittel von anderen kritischen Infrastrukturprioritäten abgezogen werden müssen. Seitdem der Kongress PTC beauftragt hat, hat die Bundesregierung 272 Mio. USD an PTC-Subventionen vergeben. Zusätzlich wurden im Mai 2018 weitere 250 Mio. USD zur Verfügung gestellt.
WKZ, Quelle APTA, AAR, DTN