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Dienstag, 09 Oktober 2018 07:05

Kanada: Gescheiterte Pipeline-Projekte stärken Öltransporte auf der Schiene

cern

Foto Cenovus.

Seit Jahren gilt in Kanada ein ungeschriebenes Gesetz: Wenn eine neue Pipeline nicht gebaut werden kann, wird das Öl einfach einen anderen Weg gehen - auf der Schiene. Es ist ein Kompromiss in einem Land, in dem noch vor fünf Jahren bei der Ölkatastrophe von Lac Mégantic 47 Menschen ums Leben kamen.

Doch jetzt ist das auf der Schiene aus Kanada in die Vereinigten Staaten transportierte Ölvolumen in den letzten Monaten stark gestiegen, nachdem das jüngste Pipeline-Projekt des Landes scheiterte.

Wie mehrere kanadische und US-amerikanische Medien berichten, haben die Probleme rund um Erweiterung der Trans Mountain Pipeline die Ölproduzenten beunruhigt und einer zunehmenden Bereitschaft zu Investitionen in die Bahnkapazität geführt.

"Es ist ein Sturm, der sich seit einiger Zeit zusammenbraut", sagte der Ökonom Kent Fellows der University of Calgary gegenüber der Washington Post. "Das Risiko von Störanfällen ist auf der Schiene höher, aber die Tatsache, dass dieses Material auf den Markt kommen muss, weil die Leute es kaufen, bedeutet, dass es den kostengünstigsten Weg sucht."

Vor 2012 wurde nur sehr wenig Öl per Bahn aus Kanada transportiert. Im vergangenen Juni kündigte die Energie-Regulierungsbehörde einen Rekordwert von durchschnittlich 200.000 Barrel pro Tag an. für 2019 wird mit einem Jahresdurchschnitt von 390.000 Barrel pro Tag gerechnet.

Erweiterte Bahnkapazitäten

Die Ölwelt passt sich diesem Trend an. Imperial Oil beschloss 2013 den Bau eines neuen Bahnhofs in Edmonton, dessen Kapazität wegen des steigenden Bedarfs vergrößert werden musste.

Cenovus Energy Inc hat dreijährige Verträge mit großen Eisenbahnunternehmen abgeschlossen, um täglich etwa 100.000 Barrel Schweröl aus dem nördlichen Alberta zu verschiedenen Zielen an der US-Golfküste zu transportieren. Die Vereinbarungen sehen vor, dass ab dem vierten Quartal 2018 Öl mit CN aus dem Bruderheim Energy Terminal von Cenovus und ab dem zweiten Quartal nächsten Jahres mit CP über das Terminal von USD Partners in Hardisty, Alberta, transportiert wird.

"Unsere Schienenstrategie bietet ein Mittel, um die Preisauswirkungen von Pipelinengpässen abzumildern. Wir sind zwar nach wie vor zuversichtlich, dass neue Pipelinekapazitäten gebaut werden, aber diese Eisenbahnvereinbarungen werden dazu beitragen, unser Öl in höherpreisige Märkte zu bringen," sagte Alex Pourbaix, Präsident und CEO von Cenovus.

Der Plan umfasst nicht nur die Fracht- und Verladekomponenten, sondern auch das Leasing von Eisenbahnwaggons, die Entladelogistik, das Marketing und andere Vereinbarungen. Die Spezifikationen der Fahrzeuge, die Cenovus least, erfüllen oder übertreffen alle geltenden aktuellen und angekündigten gesetzlichen Anforderungen.

Gescheiterte Pipeline-Projekte

Mehrere kanadische Pipeline-Projekte sind in den letzten Jahren gescheitert. Im vergangenen Frühjahr zog sich Kinder Morgan aus einer Erweiterung der Trans Mountain Pipeline zurück, die Rohöl nach Vancouver schicken sollte. Die Trudeau-Regierung kaufte das Projekt im Mai 2018, um es als staatseigene "Crown corporation" zu übernehmen. Ein Gerichtsurteil vom 30.08.18 stellte dann fest, dass indigene Gemeinschaften nicht ausreichend konsultiert worden waren. Die Regierung hat gesagt, dass sie erneut versuchen werde, die Pipeline zu genehmigen.

Neue Sicherheitsvorschriften

Die überwiegende Mehrheit des kanadischen Öls fließt aber immer noch per Pipeline nach Süden und nicht per Schiene, die meisten davon zu Raffinerien im Mittleren Westen. In gewisser Weise hat Kanada das Glück, einen Nachbarn zu haben, der über genügend Kapazitäten in den Raffinerien verfügt, um das Rohöl aufzunehmen, für das der internationale Markt sonst eine große Herausforderung wäre.

Angesichts des steigenden Bahnvolumens hat die kanadische Regierung schnell neue Sicherheitsmaßnahmen eingeführt. Im vergangenen Monat kündigte sie an, dass die Genehmigung für eine bestimmte Art von Rohöltankzug bis November auslaufen wird, nachdem eine frühere Frist um 17 Monate verlängert wurde. In den letzten Jahren sind jedoch weitere Unfälle passiert, wobei die Rate der kanadischen Eisenbahnunfälle mit gefährlichen Stoffen von 2016 bis 2017 zugenommen hat. Untersuchungen haben ergeben, dass der Transport von Öl auf der Schiene zwar sicherer als auf dem Lastwagen, aber riskanter ist als der Transport per Pipeline.

WKZ, Quelle Washington Post, Radio Canada, Cenovus

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