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Freitag, 12 Oktober 2018 07:05

Vereinigte Staaten: Drei Modelle für ein Hochgeschwindigkeitsnetz in Texas

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Fotos TCP.

Die SNCF mit ihrer Tochtergesellschaft SNCF America und die japanische Gruppe Texas Central Partners (TCP) liegen derzeit im Wettstreit, um ein Eisenbahnnetz zwischen den Großstädten von Texas aufzubauen. Hinzu kommt als dritter Wettbewerber Virgin Hyperloop One, um ebenfalls das "Texas Triangle", das Dreieck Dallas - San Antonio - Houston, zu erschließen. Die Eisenbahn-Bundesbehörde FRA muss eine Entscheidung treffen.

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Grafik WKZ.

Während auf der Eisenbahnseite das SNCF-Projekt mit der Beschreibung "Texas T-Bone" und einer Gesamtlänge von 770 km aus einer Strecke Dallas - Forth Worth - Temple - Houston mit einem Abzweig nach San Antonio besteht, schlägt TCP das "Texas Triangle" mit 1230 km Gesamtlänge mit einem Dreieck Dallas - San Antonio - Houston vor, wobei vorerst nur der Bullet Train Dallas - Housten gebaut werden soll.

Die japanische Gruppierung will ein Hochgeschwindigkeitsnetz mit Shinkansen-Zügen aufbauen. Das Projekt erlaubt direkte Reisemöglichkeiten zwischen Dallas und Houston und später auch nach San Antonio, andererseits ist es nicht mit dem konventionellen Netz kompatibel, was es wesentlich teurer macht. Auch wenn die Spurweite gleich ist, der Shinkansen ist viel breiter als die Züge auf dem konventionellen Netz.

Salini Impregilo hat dafür am 04.10.18 mit Texas Central eine befristete Aufforderung zur Fortführung (LNTP) unterzeichnet, um als Federführer für das zivile Baukonsortium zu fungieren, das ihn bauen wird. Die Gruppe, ein weltweit führender Anbieter komplexer Infrastrukturen, ist bereits über ihre US-Tochter Lane in das Projekt eingebunden. Salini Impregilo wird das Engineering und die Designentwicklung der Infrastruktur für das Projekt übernehmen. Weitere Dienstleistungen umfassen die Optimierung von Ausführungsansätzen, Strategien und Logistik sowie die Durchführung von Analysen zu Installationskosten und -plänen.

Texas Central hat aktuell am 10.10.18 Renfe Operadora in Zusammenarbeit mit Adif zum Betriebspartner des Zuges ernannt. Sie wird technische Beratung bei der Planung und dem Bau des Texas-Zuges leisten und bei der Weiterentwicklung der Betriebs- und Wartungspläne von Texas Central helfen, um die Eisenbahn für den Personenverkehr vorzubereiten. Sowohl Renfe Operadora als auch Adif haben jahrelange und meilenlange Erfahrung in der Entwicklung von Hochgeschwindigkeitsbahnen.

Die SNCF will ihrerseits keine Züge oder Infrastrukturen liefern, sondern nur als Betreiber fungieren. Sie erachtet ein Hochgeschwindigkeitsnetz bei Städten, die so nah beieinander liegen, nicht als sinnvoll und will die Strecken mit mittleren Geschwindigkeiten befahren. Laut SNCF benötige man keine direkte Verbindung Dallas - Houston, da man mit Temple als Verknüpfungspunkt auch unterhalb 3 h Reisezeit bleiben würde.

Eine wichtige Frage bleibt die Fianzierung. Die SNCF versucht, die politischen Entscheidungsträger von der Notwendigkeit zu überzeugen, eine Finanzierung aus öffentlichen und privaten Mitteln zu schaffen. Gerade Kalifornien zeigt, dass eine öffentliche Finanzierung auf große Widerstände stoßen kann.

Doch im September erklärte TCP, dass die japanische Regierung (über die Japan Overseas Infrastructure Investment Corp. for Transport & Urban Development und die Japan Bank for International Cooperation) ihnen ein Darlehen von 300 Mio. USD zur Finanzierung ihres Shinkansen-Projekts zwischen Dallas und Houston gewährt hat. Das Unternehmen sagte, es werde die Finanzierung nutzen, um Genehmigungen, Design und Engineering auf der ersten Hochgeschwindigkeitsbahn in Amerika voranzutreiben. Das Unternehmen hofft, dass die Bahnstrecke bereits 2024 eröffnet werden kann, wenn die Genehmigung rechtzeitig erstellt wird.

Die SNCF fühlte sich angegriffen und brandmarkte die Unterstützung des japanischen Steuerzahlers: "Zwei japanische Regierungsbehörden unterstützen den Versuch, den Markt mit Technologien zu füllen, die keine Interoperabilität bieten und ein Monopol für die Zukunft der Hochgeschwindigkeitsstrecke in Texas schaffen", sagte SNCF America. TCP erwiderte daraufhin mit folgender Stellungnahme: "Natürlich ist die SNCF, ein staatliches und hochsubventioniertes Unternehmen, gegen die Idee des Wettbewerbs und will verhindern, dass die beste Hochgeschwindigkeits-Technologie die Vereinigten Staaten erreicht."

Beide Kontraenten fordern den Gesetzgeber zu einer Entscheidung heraus. Die Federal Railroad Administration (FRA) will ihre Umweltverträglichkeitserklärung bis zum 31. Januar abschließen. Sie hofft dann, bis Ende August 2019 eine Entscheidung über das Projekt, das auf dem Abschlussbericht basieren würde, zu treffen.

Ein drittes Hochgeschwindigkeitsprojekt steht übrigens ebenfalls in der Warteschlange: Virgin Hyperloop One schlägt vor, das erste Hyperloop-Netzwerk entlang des Texas Triangle zu bauen. Das 1030-km-System soll Dallas, Houston, Austin und San Antonio mit einem Ast nach Laredo verbinden.

WKZ, Quelle French Morning, Governing, TCP, Salini

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Letzte Änderung am Donnerstag, 11 Oktober 2018 17:53