In Kanada führt die bevorstehende Rollmaterialbeschaffung der bundeseigenen Bahngesellschaft VIA Rail zu einer politischen Kontroverse. Während die Regierung von Justin Trudeau sagte, sie werde Via Rail nicht zwingen, Bombardier statt Siemens zu wählen, fordert die Regierung von Quebec die Berücksichtigung lokaler Inhalte.
Die Zeitung La Presse hat unter Berufung auf nicht identifizierte Quellen berichtet, dass VIA Rail den Auftrag im Wert von rund 1 Mrd. CAD (660 Mio. Euro) über 32 Züge für den Quebec-City-Windsor-Korridor an Siemens vergeben will. Der Verlust des Via Rail-Auftrags würde Bombardier innerhalb weniger Monate einen zweiten markanten Rückschlag in seinem Heimatland bescheren. Im April beauftragte die Caisse de Depot et Placement du Quebec Alstom mit dem Bau von Zügen für ein automatisiertes Stadtbahnsystem im Wert von 6,3 Mrd. CAD (4,37 Mrd. Euro) für Montreal.
Siemens wird die 32 Züge in seinem Werk in Sacramento, Kalifornien, herstellen. Das Engineering wird in Deutschland durchgeführt. Bombardier wurde in der Ausschreibung hinter Siemens Zweiter und wollte den Standort La Pocatière nutzen; das Engineering hätte in Saint-Bruno, dem Hauptsitz ihrer Transportabteilung für Amerika, stattgefunden. Dritter Bieter war das spanische Unternehmen Talgo Inc. Die neuen Züge von VIA sollen bis 2022 in Betrieb gehen.
Der Premierminister von Quebec, François Legault, zeigt sich empört: "Es sind die Steuerzahler, die eine Milliarde CAD in diesen Zug investieren werden, und jetzt haben wir eine Bundesregierung, die keine kanadischen oder quebecischen Inhalte verlangt. Das ergibt keinen Sinn." Bombardiers Heimatprovinz Quebec hat Medienberichten zufolge die Bundesregierung aufgefordert, zugunsten des in Montreal ansässigen Herstellers zu intervenieren.
"Unsere Verpflichtungen in Bezug auf Freihandelsabkommen mit Europa und anderen Ländern erlauben es uns nicht, kanadische Unternehmen zu bevorzugen", sagte Bundes-Verkehrsminister Marc Garneau vor Journalisten in Ottawa. Eine Garneau-Sprecherin fügte hinzu, dass die Beschaffung von Via Rail "offen und transparent gestaltet ist und darauf abzielt, das optimale Ergebnis für die kanadischen Steuerzahler zu erzielen".
WKZ, Quelle La Presse, Bloomber