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Samstag, 09 Februar 2019 16:31

Kanada: Handbremsen nach neuer Entgleisung zwingend

Der kanadische Verkehrsminister hat gestern (08.02.19) das Anlegen von Handbremsen für alle Züge angeordnet, die nach einer tödlichen Entgleisung Anfang dieser Woche in den Rocky Mountains an Berghängen halten müssen. Marc Garneau sagte in einer Erklärung am späten Freitag, dass die Anordnung eine Vorsichtsmaßnahme sei, bis die Ursache der Entgleisung festgestellt ist. Sie wird sofort wirksam.

Ein Vancouver-gebundener Zug der Canadian Pacific (CP) mit 112 Getreidewagen hat am 04.02.19 zwei Stunden lang mit angezogenen Druckluftbremsen auf einer Steigung östlich von Field, B.C., gehalten, als er sich selbstständig machte. Der Zug erreichte eine zu hohe Geschwindigkeit, bevor 99 Wagen und zwei Lokomotiven entgleisten. Drei Mitarbeiter der Canadian Pacific Railway kamen dabei um das Leben.

Bei den drei Opfern handelt es sich nach Angaben der Transportgewerkschaft Teamsters um einen Lokführer, einen Zugbegleiter und einen Auszubildenden. Seit November 2017 sind in Kanada inzwischen acht Eisenbahner gestorben. Die Untersuchungen zu diesen Unfällen sind noch im Gange. "Heute liegt unser Fokus auf diesem Unfall sowie auf den Freunden und Familien der Opfer. Aber wenn wir weiterkommen wollen, müssen die Regierung und die Eisenbahnindustrie erkennen, dass etwas nicht stimmt und Veränderungen notwendig sind. Acht Todesfälle am Arbeitsplatz in etwas mehr als einem Jahr sind nicht das, was man erwarten oder akzeptieren sollte", sagte Lyndon Isaack, Präsidentin des TCRC.

In der Pressemeldung des Ministeriums heisst es: "Transport Canada führt eine Untersuchung durch, um die Einhaltung sowohl des kanadischen Arbeitsgesetzbuches als auch des Railway Safety Act im Zusammenhang mit dem Eisenbahnunfall vom 4. Februar 2019 zu überprüfen, bei dem die drei CP-Mitarbeiter ums Leben kamen. Als Vorsichtsmaßnahme bis zur Feststellung der genauen Unfallursache hat meine Abteilung allen Eisenbahngesellschaften, die das Tragen von Handbremsen vorschreiben, eine Ministerialverordnung nach dem Eisenbahnsicherheitsgesetz erlassen, wenn ein Zug nach einer Notfallanwendung der Druckluftbremsen auf einer Bergstufe angehalten wird. Diese Anprdnung wird sofort wirksam und bleibt so lange in Kraft, wie es nötig ist.

Die Sicherheitsbehörde TSB, die den Fall untersucht,  hat gesagt, dass die Handbremsen nicht angelegt wurden.

Zum Zeitpunkt der Entgleisung betrug die Temperatur etwa -20 C. Ein auf der Interseite der CP veröffentlichtes White Paper "Railroading in the Canadian Winter" besagt, dass Kälte die Luftleckage aus dem Druckluftbremssystem eines Zuges erhöht, was zu unterschiedlichen Luftdrücken zwischen dem Kopf- und Endstück eines Zuges führt. Die Züge werden verkürzt, wenn die Temperaturen unter -25 C sinken, um sicherzustellen, dass der Druck über die gesamte Länge konstant bleibt. Im Winter werden deshalb Lokomotiven an verschiedenen Stellen entlang eines Zuges platziert, um den Druckverlust besser auszugleichen. Der entgleiste Zug hatte vorne, in der Mitte und am Ende eine Lokomotive.

Auch das Eisennbahnunglück von Lac-Mégantic mit 47 Todesopfern bestätigte die übliche Praxis durch Sicherung mit Druckluft- statt Handbremsen

WKZ, Bengt Dahlberg, Quelle Canadian Press, TSB

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Letzte Änderung am Samstag, 09 Februar 2019 16:45