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Freitag, 01 März 2019 11:05

Ägypten: Zugunglück war Folge eines Lokführer-Streits - Verkehrsminister zurückgetreten [Update]

Das Zugunglück am Mittwoch (27.02.19) auf dem Hauptbahnhof von Kairo war mehr als ein schrecklicher Unfall, es war eine vermeidbare Tragödie. Obwohl ein Streit zwischen zwei Lokführern die unmittelbare Ursache des Unfalls und der darauf folgenden Explosion gewesen sein mag, liegt die Hauptursache im ägyptischen Eisenbahnsystem, dass zu einem Relikt der Vormoderne geworden ist.

Bei dem Zugunglück starben mindestens 28 Menschen am Bahnsteig und 50 weitere wurden verletzt. Nach Angaben des von der Zeitung Ahram Online zitierten Generalstaatsanwalts befand sich die Unglückslokomotive zurück auf dem Weg ins Depot, als sie von einer anderen Lokomotive auf einer angrenzenden Strecke berührt wurde. Der Lokführer der ersten Lokomotive ließ seine Maschine unbeaufsichtigt, ohne den Motor abzustellen oder die Bremse zu betätigen, um mit dem anderen Lokführer zu sprechen, der bereits daran arbeitete, seinen Zug von der Lokomotive zu trennen. Beim Auseinanderrangieren geriet die unbemannte Lokomotive in Fahrt und bewegte sich mit hoher Geschwindigkeit auf den Bahnhof zu, bis sie am Ende des Stumpfgleises mit einem Prellbock kollidierte und in Flammen aufging. Der verhaftete Lokführer erwähnte später auch korrodierte Bremsen und Radsätze.

Verkehrsminister Hisham Arafat ist Stunden nach der Katastrophe am Mittwoch zurückgetreten.

Laut der ägyptischen Zentralagentur für öffentliche Mobilisierung und Statistik (CAPMAS) erlitt das Land zwischen 2006 und 2016 mehr als 12.000 Zugunfälle - im Jahresdurchschnitt 1.100. Ursache ist eine seit Jahren nicht behobene Unterfinanzierung des Eisenbahnsystems, schreibt der Nachrichtenkanal Al Jazeera. Die derzeitige Regierung von Präsident Abdel Fattah el-Sisi hätte das Eisenbahnsystem nicht erneuert.

Im Jahr 2017 lehnte el-Sisi den Vorschlag von Verkehrsminister Hisham Arafat, erhebliche Mittel für den Wiederaufbau des Eisenbahnsystems bereitzustellen, mit der Bemerkung ab, dass es für die ägyptische Regierung besser wäre, das Geld auf der Bank zu deponieren und 10 Prozent Zinsen zu verdienen, als das Geld für die Modernisierung der ägyptischen Eisenbahnen auszugeben. Al Jazeera sieht in dem Zugunglück ein weiteres Zeichen dafür, dass Ägypten politisch und wirtschaftlich auf eine große Katastrophe zusteuert.

WKZ, Quelle Al Jazeera, Ahram Online

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Letzte Änderung am Freitag, 01 März 2019 12:11